Was Büroangestellte so mitgehen lassen

Büromaterial – das weiß jeder, der sich professionell damit eindecken muss – ist sehr teuer und deshalb gerade für das heimische Büro eine oft überproportionale Belastung. Schnell ist der Mitarbeiter daher geneigt, mal so einen praktischen Firmenkugelschreiber mit nach Hause zu nehmen.

Es soll Leute geben, die es bei dieser Form von „Abstauberei“ zu weltmeisterlichen Fähigkeiten gebracht haben. Zigtausende von Angestellten und Beamten richteten sich auf diese Weise ihr kleines Privatbüro ein. Eine besondere Spezies von Mitarbeitern sind die, die eigentlich alles gebrauchen können. Die Hierachie im Unternehmen spielt übrigens keine Rolle. Der Abteilungsleiter klaut genauso, wie der Bürobote. Vielleicht sind die besser bezahlten Mitarbeiter wählerischer. Denn manches Mal verschwindet Firmeneigentum, von dem niemand dachte, dass es je geklaut wird:

So ist vor zwei Jahren mal ein Teewagen verschwunden. Das ist so ein Wägelchen aus Edel­stahl, der vorwiegend zum Transport von Kaffee­geschirr benutzt wird. Die ganze Angelegenheit wäre eigentlich in Vergessenheit geraten, wenn vor kurzem nicht ein Kollege in seiner Garten­laube sein 25jähriges Betriebsjubiläum gefeiert hätte. Da stand dann der Teewagen zusammen mit einigen anderen Dingen, die schon lange vermisst wurden. Kurzum, das war die letzte Feier, die der Kollege gegeben hat.

Nur in den wenigsten Fällen wird der diebische Arbeitnehmer ertappt. In diesem Beispiel nun war es die eigene Dusselig­keit, denn der Kollege Langfinger hatte zudem vergessen, die betriebseigene Inventarnummer vom Teewagen zu entfernen. Dadurch blieb dem Arbeitgeber nichts anderes übrig, als diese Angelegenheit strafrechtlich zu verfolgen. Was erfahrungsgemäß zu den Ausnahmen zählt. Denn meist ist auch das bestohlene Unternehmen bereit, die Tat unter dem Mäntelchen des Schweigens aus der Welt zu schaffen.

Ganz andere Anstrengungen überführten einen andern Mitarbeiter. Er unterzog seiner Beute, echter westfälischer Landkorn, am Ort der Tat einem spontanen Qualitätstest. Bei einem Pegel von 4,0 Promille fielen dem armen Kerl die Augen zu. Erst nach tagelanger Ausnüchterung war er vernehmungsfähig.

Augen­blicklich überlegt sich die Lebensmittelbranche, wie sie den Langfingern im eigenen Hause Einhalt gebieten kann. Eine Kalkulation, die Waren noch günstiger an die eigenen Mitarbeiter zu verkaufen, ist nahezu unmöglich. Wohl auch deshalb wurden 2007 in einem Lebensmittelgroßhandel von den Angestellten folgende Artikel entwendet: 24 Teepackungen, 12 Tüten Zucker, 12 Dosen Kaffee, 9 Schachteln Kaffeesahne, 16 Flaschen Spülmittel, 6 Dosen koffeinfreien Kaffee, 3 Kisten Tafelwasser und 3 Flaschen Mundwasser.

Übrigens: In einer Fabrik für Damenunterwäsche sind im vergangenen Jahre mehrere Kartons Slips entwendet worden: Falls sie also jemanden in Damenunterwäsche begegnen sollten – erschrecken Sie nicht