Vreden ist jetzt leberwurstfrei

Klaus Remser aus dem westfälischen Vreden glaubte. sich verhört zu haben, als ihn seine Kundin am Telefon damit kon­frontierte, er sei doch ein kleines Ferkel. Denn eigentlich habe sie von ihm als ihrem Versicherungs­mann gedacht, dass er seine Briefe ohne Fettflecke und geruchlos verschicken könne.

So aber ginge ein übler Geruch leicht verdorbener Leberwurst vom Brief aus. Der Versicherungsvertreter versicherte, nie während seines Postversandes zu essen und erfuhr nach einiger Recherche, wie denn die Leber­wurst an die Versicherungspolice gekommen war. Klaus Remser bringt nämlich seine Post nach Feierabend immer zum Briefkasten um die Ecke und darin so stellte sich heraus, lauerte die Leberwurst. Oder besser gesagt: war sie darin entsorgt worden.

Für die Deutsche Post AG ist so ein kurioser Postbriefkasteninhalt nichts Neues: Statt im „Gelben Sack“ landet Müll auch mal in den „gelben Kästen“: Pommes-Fri­tes-Schalen, angebissene Pizzen, Hamburger, tote Fische, Hundekot, Gartenabfälle, Seidentücher oder Schulhefte werden mal eben durch den Briefkastenschlitz geworfen. Der Werbespruch der Post „schreib mal wieder“ bekommt bei so man­chem Empfänger eine ganz neue Bedeutung, wenn der erhaltene Brief nach Fisch oder Pommes stinkt. Ärgerlich für die Post ist es zusätzlich, wenn derartiger Müll dann auch noch andere Postsen­dungen beschmutzt und die Brief­träger sie so zustellen müssen.

Die Damen und Herren der Deutschen Post AG, die den Inhalt der Postbriefkästen sortieren, ar­beiten daher vorzugsweise mit Handschuhen. Dabei lassen sie es sich noch gefallen, wenn Dinge mit Empfängeranschrift in den Postbriefkasten geworfen werden, die nicht der bevorzugten Brief­norm unterliegen, Hotelschlüssel zum Beispiel: Etwa fünf bis sechs finden sich im Münsterland je Wo­che ein und werden direkt an die Hotels zugestellt. Die Hitliste der Fundstücke in Briefkästen führen Ausweise und Portemonnaies an meist aus Diebstählen. Überhaupt nicht mehr lachen können die Postler, wenn sie in den Postbrief­kästen Kondome, Frauenstrümpfe, Schlüpfer oder tote Mäuse finden.

Andererseits gibt es ab und an mal Dinge, die Schmunzeln und Ratlosigkeit verursachen: In einem Postbriefkasten be­fand sich – ordnungsgemäß fran­kiert und mit Empfängeranschrift versehen eine Banane: Die Brief­marke darauf wurde nicht wie jeder vermuten würde mit dem Hammerstempel entwertet. Nein, es wurde ganz vorsichtig ein Ab­rollstempel benutzt und so hatte schließlich nur die Natur ihre Spu­ren auf der Banane hinterlassen, als diese bei der Empfängerin ankam.

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Ganz selten findet sich ein duf­tender Liebesbrief im Postbrief­kasten. Eher sind es Büstenhalter oder Slips, versehen mit einer Empfängeranschrift. Die kommen in ein Tütchen und ab geht die Post. Eine deftige Gebühr gibt’s obendrein. Auch für den 8-jährigen Lukas aus Vreden. Er war nämlich von Passanten dabei beobachtet worden, wie er sein Schulbrot in den Postbriefkasten entsorgte und das nicht nur einmal. Immer wenn Mama ihm Stullen mit Le­berwurst geschmiert hatte, lande­ten sie auf dem Weg von der Schule nach Hause im Postbrief­kasten. Wenn Lukas sein Bütterken wieder mit nach Hause gebracht hätte, wäre Mama bestimmt böse geworden, meinte er jedenfalls, nachdem die Postler ihn „über­führt“ hatten. Klaus Remser hin­gegen bekam nicht mit, dass sein Postbriefkasten inzwischen wieder als leberwurstfrei eingestuft wird. Er bringt seine Briefe jetzt direkt zum Postamt.