„Muss ich wischen oder sind Sie verwandt?“

Die gute, alte „Klofrau“ – heute gibt es sie kaum noch. Moderne Technik hat auch bei der Reinigung von Toiletten Einzug gehalten. Und überhaupt hat sich um das „stille Örtchen“ verdammt viel geändert. 

Der Anblick so manches Wasserklosetts erweckt auch heute noch den Eindruck, als handele es sich hier um das erste uns bekannte Exemplar aus dem Jahre 2814 v. Chr. aus dem Palast des Königs Minos auf Kreta nachgestellt wurde. Spartanisch, muffig und nicht gerade einladend. Dabei verbringen rund 50 Prozent aller deutschen Männer täglich durchschnittlich 20 Minuten auf dem Klo. Allerdings vereinzelt wenig des Bedürfnisses wegen, als vielmehr, um ungestört lesen zu können.

Um 1770 muss auf dem herzöglichen Klo in Orleans ein enormes Gedränge geherrscht haben. Der Herzog hielt nämlich seine Audienzen auf der Kloschüssel sitzend ab. Heute ist das wohl weniger der Fall, obwohl viele Politiker das WC nutzen, um wenigstens dort mal einen vernünftigen Ton von sich geben zu können.

Trotz Technik gibt es immer noch diejenigen, die nach dem „Geschäft“ nicht abdrücken können oder vereinzelt beim Geschäft den Porzellan Topf verfehlen. Auch die Erfindung des herunterklappbaren Toilettendeckels durch Leonardo da Vinci erfreut bis heute kaum eine Frau angesichts der Tatsache, dass die meisten Männer nach der Benutzung diesen immer oben lassen.

Im Mittelalter kippten die Einwohner ihren Unrat einfach auf die Strasse. Heute dient vielfach das Klo als Entsorgungsstelle für Speisereste, Zigarettenkippen oder Restmüll. Auch bei der Reinigung des edlen Porzellans haben sich im Laufe der Jahrhunderte viele Änderungen ergeben. Früher wurden die teuren Schüsseln in den vornehmen Häusern mit selbstgebrauten Reinigungsmitteln gereinigt. Heute gibt es mehr als 600 chemische Haushaltsprodukte zur Klo-Reinigung. Da machten es sich die Toilettenfrauen früher einfacher. Die Notwendigkeit einer Reinigung richtete sich ab und an nicht nach dem Zustand des Klos, sondern nach dem Verwandschaftsverhältnis der Nutzer: „Sind Sie verwandt oder muss ich wischen?“

Mit der Erfindung des Handys hat endlich auch auf dem „stillen Ort“ die Kommunikation Einzug gehalten. Vereinzelt gibt es bereits Flachbildschirme in den Kabinen, um dem Nutzer ja keine Nachricht entgehen zu lassen. Für Notizen bieten sich verschiedenste Sorten Toilettenpapier an, das übrigens vor fast genau 100 Jahren erfunden wurde.

Damit erhält das Wasserklosett als Callcenter aus Porzellan endlich die Würdigung, die es seit über 5000 Jahren verdienst hat.

Siehe auch: Homage an einen historischen Ort