Futsch und nicht mehr da

Von den kleinen Dingen des Alltags, die nicht mehr existieren

Ja, was waren das für Zeiten, als wir noch zum Lochstreifen greifen mussten, um die Nachricht des Absenders lesen zu können. Die Übermittlung per Telex und auch die per Telegramm ist aus unserem täglichen Alltag verschwunden.

Die Angleichung an europäische Gesetze brachte uns in den 80er Jahren neue Verkehrszeichen. So kam z.B. das „Stopschild“ und das gute, alte dreieckige Schild „Halt“ verschwand für immer. Seit dieser Zeit hat so nach und nach das Männchen in den Fußgängerampeln seinen Hut verloren. Richtig so – wer trägt denn heute noch einen Hut, geschweige denn eine Leder-Krawatte.

So eine Leder-Krawatte kam erst richtig zur Geltung, wenn man sie zu einem Jackett trug, dessen Ärmel unten ein- bis zweimal umgekrempelt wurden, damit man das Innenfutter sehen konnte. Leder-Krawatten gab es auch in türkis oder dunkel weiß und für ganz Wagemutige: in rot! Schick war man erst, wenn man dazu Halbschuhe mit rundem Reißverschluss trug.

Kaum einer weiß heute noch, dass es früher vor der Fernsehsendung „Sesamstrasse“ ein Test-Wartebild gab, als N3 noch „Drittes Programm“ hieß. In aller Engelsgeduld sagte eine Stimme damals: „Hier sind der Norddeutsche Rundfunk, Radio Bremen und der Sender Freies Berlin mit dem Dritten Programm“. Unerklärlicher weise lag die Betonung immer auf dem „und“ und dem „dem“. Das war dann die längste Minute des Tages, in der man auf das Testbild mit den drei Balken in orange-grün-blau starren musste. Ähnlich war das früher beim Sonntag, denn hier begann um 12 Uhr ein Zeremoniell in schwarzweiß, das für mancherlei Gesprächsstoff an den Mittagstischen sorgte. Eingeleitet von Sprecher „Egon Hoegen“ wurde der internationale Frühschoppen mit Werner Höfer und sechs Journalisten aus fünf Ländern angekündigt.

Wohlgemerkt sechs Journalisten aus fünf Ländern saßen damals vor der Kulisse einer besseren Küchengardine und diskutierten bei mehreren Gläsern Wein und unzähligen Zigaretten über politische Themen. Wohl eine erste Zusammenarbeit mit dem französischen Fernsehen bescherte uns in den 60iger Jahren des vorherigen Jahrhunderts zwei unvergessliche Fernsehserien: „Belpehgor“ – ein Gespenst im Louvre und die „verbotene Tür“ – eine Ballettgruppe in der Pariser Oper. Und da wir gerade ganz international sind: Ihm Rahmen der Eurovision traten Mannschaften aus mehreren Ländern gegenseitig zu einem lustigen „Spiel ohne Grenzen“ an. Noch heute halten sich die Gerüchte, dass die Absetzung dieser Reihe mit Moderator Camillo Felgen die zu viel verwendete Schmierseife verursacht haben soll, denn Einschaltquoten kannte man damals noch nicht. Die spielten übrigens erstmals eine Rolle, als es darum ging die Spielsendung „Dalli, Dalli“ nach dem Tod von Hans Rosenthal mit einem anderen Moderator fortzusetzen. Wie bekannt gab es keine Fortsetzung mehr und so werden uns wohl nur die Hopser und ein „Das war Spitze“ in Erinnerung bleiben.

Wohl eine der ersten Kindersendungen des Deutschen Fernsehens überhaupt waren „Stoffel & Wolfgang“. Eine Stabpuppe, die sich dadurch auszeichnete dem Menschen Wolfgang Buresch ständig irgendetwas Blödsinniges zu fragen. Als Vorläufer aller modernen Handpuppensendungen gilt die „Rappelkiste“ mit den Puppen ‚Ratz & Rübe‘, hässliche Knatschfiguren mit schrecklichen Stimmen. Apropos Stimmen: An populäre Radiosendungen des WDR gilt es auch noch zu erinnern: Sei es Hasso Wolf mit seinem „Funkhaus Wallrafplatz“ oder Musiksendungen, wie die von Dave Coleman und Mel Sandock. Sie prägten den Musikgeschmack und setzten – wie Eins Live heute – neue Stilrichtungen. Unvergessen bleibt hier sicherlich das Radiohörspiel aus der „Dave-Coleman-Show“: „Big Rudolf reitet durchs Ruhrgebiet“.

Zum Radiogenuss mixte man sich – Kennen Sie das Zeug noch? – ein Glas Tri-Top, ein supersüsser Sirup, der 1 zu 3 verdünnt werden musste. Also meine Lieblingssorte war Mandarine. Das war alles sehr klebrig. So wie „Schleimi“, eine glibbrige Masse in kleinen Mülltonnen, die man durch die Hände wabbern lassen konnte. Unzählige Lehrer wurden mit dem Zeug in den Farben rot, grün oder rosa erschreckt. Besonders, weil es Schleimi auch mit schwarzen Würmern gab und man es so schön in den Fingern friemeln konnte. Später wurde „Schleimi“ verboten weil es wohl giftig war.

Was bleibt ist die Erinnerung an viele Dinge, die unsere Kindheit und unser alltägliches Leben prägten, auf die wir zwar verzichten können, aber die wir doch irgendwie vermissen …

 

Die Bilder zu diesem Artikel wurden mir freundlicherweise vom WDR LS Münster zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.