Schröder und Merkel für 20 Euro

Foto: Marko Greitschus / pixelio.de

Eine Unterschrift ist ein Autogramm. Das ist eine alte Tatsache. Aber eine Unterschrift ist noch lange kein Autograph! Denn sie besagt an sich wenig mehr, als dass jemand schreiben kann. Nur das signierte Schriftstück, der Brief, das Dokument, die Notiz, das Manuskript ist für den echten Autographenjäger sammelwürdig.

Schon Herr Cicero soll stolz einen handgeschriebenen Brief von Kaiser Caesar verwahrt haben. Von Dante und Buchdruckerfinder Gutenberg weiß man inzwischen, dass sie ihrer Nachwelt keinen einzigen Schriftzug hinterlassen haben. Ganz im Gegenteil Napoleon: Von ihm existieren heute Unterschriften haufenweise.

Autographensammler können Prominenten das Leben ganz schön sauer machen, mancher Sportler, Politiker oder Künstler hat deshalb darauf seine eigene Antwort gefunden: gedruckte Absagen, Sekretärinnen-Signaturen, Stempel oder Maschinenuntershriften. Ein gewisser Colbert aus Amerika, bekam Dutzende von interessanten Briefen von berühmten Leuten, denen er geschrieben hatte, er hätte sein neugeborenes Kind nach ihnen ernannt. Die Sache flog auf, als sich Palästinenserführer Arafat mit dieser Mitteilung stolz an die Presse wandte, und sich bei Nachfrage in den Staaten herausstellte, dass es einen Arafat Colbert überhaupt nicht gab.

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Deshalb greift der wahre Autographensammler lieber zu anderen Tricks und Finten. So wird beispielsweise den „Unterschriftenopfern“ zur Amtseinführung oder zum Nationalfeiertag gratuliert. Einer der wichtigsten und wohl bekanntesten Autographensammler war der Schriftsteller Stefan Zweig. Vierzig Jahre sammelte er Dokumente und Unterschriften aller Großen der letzten Jahrhunderte. Ein Teil seiner Riesensammlung ist heute im Wiener Nationalmuseum zu bewundern.

Tja, und weil eben die Nachfrage größer wird, steigen die Autographenpreise in die Höhe. So ist zum Beispiel ein Autograph von Lee Harvey Oswald viel teurer als das von John F. Kennedy, den Mann, den er ermordete. Für einen einzigen Satz aus Kennedys Feder zahlte ein Sammler dieses Jahr die bescheidene Summe von 60.000 Euro. Ein Lenin-Brief erzielte dagegen schon 1986 den Rekordpreis von 140.000

Die augenblicklich aktuellen Preise für Autographen sind zum Beispiel: Goethe (2.000 Euro), Elvis Presley (500 Euro), Victor Hugo (400 Euro) und Günter Grass (5000 Euro). Die Unterschriften der Ex-Bundeskanzler Schröder und Kohl und der amtierenen Merkel – bitte um Verzeihung – sind derzeit für einen Preis von jeweils 20 Euro zu haben. Die Preise werden eben unmittelbar von Angebot und Nachfrage bestimmt.

 

Das Foto zeigt übrigens den Schauspieler Kevin James auf der Europapremiere des Films DER ZOOWÃRTER im CineStar Kino im Sony Center in Berlin am 20.06.2011