Stresemanns Ganz normal

Mein “12 von 12” im Januar 2020

Ganz Normal Brühl

Dem 12. eines Monats widme ich schon seit einiger Zeit der Beschreibung meines Tagesablaufes in 12 Bildern. Eine Idee, die Monat für Monat von Caro in ihrem Blog „Draußen nur Kännchen“ aufgegriffen wird. Heute ist nun wieder der 12, ein Sonntag dieses Mal und daher mehr ein kultureller Tagesablauf von mir. Er hat Spass gemacht, denn drei unserer Jungs haben uns begleitet. Aber lest und schaut selbst:

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Heute habe ich mal einen kleinen Familienausflug gemacht. „Klein“ deshalb, weil nur drei unserer acht Kinder mit dabei waren. Und die mit großer Begeisterung! Einer studiert Kunst, der zweite zeichnet Comic und der dritte interessiert sich grundlegend für Ausstellungen. So kam es, dass ich uns einfach mal dieses „Quer durch Deutschland Ticket“ besorgt habe, für 48 Euro quer durch das Land. In unserem Fall von Münster nach Brühl. Zur Ausstellung des französischen Comiczeichners und Szenaristen Jean Giraud (1938–2012), der unter dem Namen “Mœbius” international bekannt geworden ist.

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In Moebius’ ganz eigenes Universum kann man sich nun in Brühl bei Köln versenken. Versammelt sind rund 450 Arbeiten des großen Zeichners, der nicht zuletzt Regisseure wie George Lucas und Ridley Scott beeinflusste und mit Luc Bresson zusammenarbeitete. Zumeist sind es Originale. Aber auch die lebensgroßen Abzüge sind eine echte Schau.

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Das Wandern zwischen den Welten, das Fliegen und Fallen durch Zeit und Raum sind zentrale Motive im Werk. Es ist eine “Utopie des Wunderbaren”, in der die geschaffenen Universen durchaus auch als meditative Orte verstanden werden können. Selbst da, wo es an Figuren nur so wimmelt, strahlen die Bilder eine unglaubliche Ruhe aus.

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Jean Giraud, 1938 in einem Vorort von Paris geboren, begann seine beispiellose Karriere bereits im Alter von 18 Jahren. Nachdem er im Jahr 1961 als Assistent von Jijé an der damals bekannten Western-Comicreihe JERRY SPRING mitarbeiten durfte, schuf er, nach Texten von Jean-Michel Charlier, kurz darauf seine erste Hitserie: FORT NAVACHO. Die daraus entstandene Spin-off-Serie BLUEBERRY wurde einer der größten und langlebigsten französischen Comicerfolge aller Zeiten und verhalf Giraud zu einer enormen Popularität und zahlreichen Auszeichnungen. Unter dem Pseudonym Moebius arbeitet er seit 1963, ebenfalls sehr erfolgreich, an zahlreichen Science-Fiction und Fantasy Comics. Die obigen Bilde zeigen ihn (links) 1963 mit seiner Familie in Paris und (rechts) 1997 auf dem Balkon seines Ateliers mit dem Eiffelturm im Hintergrund.

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Einen eigenen Einblick auf sein Inneres gab Giraud in seinem Bild „Inside Moebius“ aus dem Jahr 2007 wieder. In einem Dokumentationsfilm hatte er geschildert, wer sehr er unter seiner schizophrenen Erkrankung leidet. Durch sie sieht er die Welt in zwei Persönlichkeiten, die des Jean Giraud und die des Zeichners Moebius: “Wir wandeln uns kontinuierlich, meist in Reaktion auf verschiedenste Reize, sichtbare wie unsichtbare, innere wie äußere, die zu einer physischen und psychischen Metamorphose in uns führen. Für mich ist das Prinzip der plastischen Metamorphose, das meine Zeichnungen prägt, kein Fetisch oder zeichnerischer Einfall, sondern ein Sinnbild für den Wandel, der sich in unserem Inneren fortwährend vollzieht“.

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Im Jahre 1975 zeichnete Moebius das Cover der französischen Hendrix-Compilation “Are You Experienced, Axis: Bold As Love”, die Bilder dazu könnt ihr oben bewundern. Von dieser Warte aus ist es vom Biografischen zum Surrealistischen nicht mehr weit. Ein Grund, warum die Ausstellung im Max Ernst Museum mehr als gerechtfertigt ist. Der eigentliche Grund aber ist wohl, dass bei Moebius nicht nur die Grenzen zwischen Raum und Zeit, sondern auch die zwischen unterhaltsamem Comic und hoher Zeichenkunst aufgehoben sind.

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Mit “Arzach” bricht Moebius mit den Mustern des traditionellen Comics, indem er dem Helden mit der phrygischen Mütze in späteren Bänden neue Namen gibt, auf Sprechblasen fast vollständig verzichtet und die Grenzen zwischen Raum und Zeit verschwimmen lässt. Getreu dem laut Moebius vorherrschenden Theorem der Science-Fiction-Literatur, “dass Zeit in verschiedene Ströme unterteilt werden kann, dass jeder Moment zahlreiche Möglichkeiten birgt”.

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Zu den Markenzeichen des Franzosen zählen seine Figuren mit langgezogenen Helmen auf den Köpfen und die besondere Farbgebung seiner Westerncomics mit ihrem verwischten Braun, Blau und Gelb. Bei Moebius verschwimme die Grenze zwischen Comicstrip und bildender Kunst, erklärten die Ausstellungsmacher. In seinen Geschichten träfen utopische Architekturen und futuristische Megametropolen auf Wüstenlandschaften.

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Das Wandern zwischen den Welten, das Fliegen und Fallen durch Zeit und Raum sind zentrale Motive im Werk. Selbst da, wo es an Figuren nur so wimmelt, strahlen die Bilder eine unglaubliche Ruhe aus.

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Zumeist sind es Originale. Aber auch die lebensgroßen Abzüge sind eine echte Schau. Versammelt sind auch die grundlegenden Ideen, die Moebius in seinen Notizbüchern (“Carnets”) skizziert hat. So kann man dem Zeichner in gewisser Weise über die Schultern schauen.

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Die skurrilen Welten des Jean Giraud beschäftigte auch die Kollegen des Deutschlandfunks. In einem kleinen Interviewbeitrag blickten sie Moebius in sein Inneres. Trotz seiner Schizophrenie zeigte er der Welt, zu welchen Werken er imstande war. Er schuf skurrile und surreale Welten und inspirierte damit auch Hollywood. Hier geht es zum Beitrag. Die Ausstellung über Moebius ist übrigens noch bis zum 16. Februar 2020 im „Max Ernst Museum“ in Brühl zu sehen.

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Nach dem Ausstellungsbesuch haben wir es uns noch im nahen Köln in einem indischen Restaurant schmecken lassen. Einer unserer Söhne blieb hier, weil er in Köln studiert und arbeitet, die beiden anderen fuhren mit uns weiter – wir nach Münster, sie nach Bremen. Es war ein angenehmer und schöner Sonntag. Der 12. Februar 2020 wird sicherlich nicht so gemütlich, denn es ist ein Mittwoch – somit für mich ein Arbeitstag. Es gibt dann nicht nur Infos, von dem was ich an diesem Tag so mache, sondern – da ich es einigen von euch versprochen habe – auch einmal einen kleinen Blick hinter die Kulissen dieses Blogs. Wo und wer ist denn hier eigentlich “Ganz normal”? Also bis in vier Wochen. “Wir” freuen uns schon.


Nun bin ich gespannt, was andere an diesem 12. Januar 2020 so erlebt haben. Dazu verlinke ich meinen Beitrag noch rüber zu Caros Blog „Draußen nur Kännchen“. Caro betreut das Projekt und sammelt allmonatlich als Linkliste die Meldungen anderer Blogger/Innen. Wer sich auch einmal in anderen #12von12 Tagesabläufen umgucken möchte…  die gemeldeten Blogeinträge des 12. Dezember 2019 werden hier gesammelt. Abermals Danke Caro für Deine große Mühe.

Blog-Info:

Berühmt werden wollen wir mit diesem Blog nicht. Wir machen nur etwas, was viele andere vielleicht noch besser können: Wir teilen uns mit über das, was uns einfällt, auffällt und überfällt. Wir sind kein gewerblicher Blog. Mehr über uns erfahrt ihr unter: Das Team diesen Blogs!

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