Stresemanns Ganz normal

Die Geschichte des Radios (7): Eine Angelegenheit von Halbwilden

Die Geschichte des Radios

Eine Angelegenheit von Halbwilden

Folge 7: 1935 – 1939

Am 22. März 1935 eröffnen die Nazis den ersten regelmäßigen Programmbetrieb des Fernsehens: “In dieser Stunde wird der Rundfunk berufen, die größte und heiligste Mission zu erfüllen: nun das Bild des Führers unverlöschlich in alle deutschen Herzen zu pflanzen”, verkündet Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky.

Das ist jedoch aus technischen Gründen nur in Ansätzen möglich. “Es ist nicht zu belegen, dass Hitler oder Goebbels jemals einen ausdrücklichen Fernsehauftritt gehabt hätten”, schreibt der Historiker Prof. Konrad Dussel in seinem Buch “Deutsche Rundfunkgeschichte”. Tatsächlich haben die Nazis nur eine neue Form von Versuchsbetrieb begonnen, um die britische Konkurrenz zu beeindrucken. Die BBC ist noch nicht ganz so weit und geht erst 1936 auf Sendung.

“Diese Musik sei „eine Angelegenheit von Halbwilden!”


Den Nazis ist dieser neue Musikstil „Jazz“ein Dorn im Auge. Die afrikanischen Wurzeln sind ihnen suspekt, viele Jazz-Musiker sind jüdischen Glaubens. Außerdem sehen die Nazis ihre Weltanschauung dadurch bedroht, dass der Jazz zu Spontaneität, Improvisation und Individualität aufruft.

Am 12. Oktober 1935 verkündet Reichssendeleiter Eugen Hadamovsky eine einschneidende Maßnahme für den gesamten Rundfunk im Deutschen Reich: „Mit dem heutigen Tag spreche ich ein endgültiges Verbot des Nigger-Jazz für den gesamten deutschen Rundfunk aus.“ Diese Musik sei „eine Angelegenheit von Halbwilden“ und gehöre „in ein Museum für Völkerkunde, nicht aber in ein Kulturinstitut“. Doch besonders konsequent wird das Verbot nicht umgesetzt – wo er nützlich ist, wird der Jazz geduldet. Denn Propagandaminister Goebbels weiß, dass die Musik besonders bei den Jüngeren gut ankommt – auch bei den jungen Soldaten. Daher genießen die Radiosender der Wehrmacht eine große Freiheit, auch Jazz zu senden. Und Goebbels hat sogar eine eigene Jazz-Band: Denn für die Propaganda-Sendungen, die Richtung Großbritannien ausgestrahlt werden, braucht man ja passende Musik.

1935-Werbeschallplatte der Berliner Universitaet: Prof.Werner-Jansen über das Thema: Der neue deutsche Arzt

Berlin 1936

Der totalitäre Staat rüstet Propagandatechnik auf.

Die politische Vergewaltigung des Rundfunks durch die Nationalsozialisten beschert dem Medium rein technisch gesehen große Fortschritte. Zu den Olympischen Spielen 1936 fahren die Nazis in Berlin ein bis dahin nicht gekanntes Aufgebot an Übertragungstechnik auf. In diesen Tagen nimmt auch der erste Fernsehdienst seinen Betrieb auf, wenig später folgen die Einführung der Magnetbandtechnik und erste Stereoversuchsaufnahmen. Der totalitäre Staat rüstet auch seine Propagandatechnik auf.

01.08.1936 Eröffnung der Olympischen Spiele zu Berlin

1938 kommt mit dem Deutschen Kleinempfänger GW 110-240 eine noch günstigere kompakte Variante des Volksempfängers auf den Markt, von der Bevölkerung nicht ohne Ironie „Göbbelsschnauze” genannt. Nicht nur in den deutschen Wohnstuben, auch in den Werkshallen ertönt die nationalsozialistische Propaganda: Die schrankgroße Betriebsempfänger- und Lautsprecheranlage „Ela Z. 793” zeichnet mit einem eingebauten Plattenschneider die Sendungen auf, um diese in den Arbeitspausen bei stillstehenden Maschinen abspielen zu können. Gleichzeitig finden die Nationalsozialisten im Rundfunk auch ihre Gegner, senden doch zahlreiche internationale Radiostationen gegen Hitlers Propaganda. Ab September 1939 ist das Hören von „Feindsendern“ verboten und wird als Hochverrat verfolgt. Radiohören wird so zu einer Form des Widerstands. Insassen des KZ Buchenwald etwa bauen aus illegal beschafften Teilen einer „Goebbelsschnauze“ einen Radioempfänger, um an verlässliche Informationen über den Kriegsverlauf zu gelangen.

Nazi Germany – Pictures of the Madness (1937 – 1939)

10.11.1938 Reportage aus Wien über die ausgebrannte Synagoge

“Es bleibt mir kein anderes Mittel, als Gewalt gegen Gewalt zu setzen”.


Mit dem Vorrücken der Wehrmacht dehnt sich auch der Einflussbereich des Hörfunks aus. Zum ersten Mal geschieht dies beim “Anschluss” Österreichs. Goebbels verleiht dem deutschen Rundfunk daraufhin in “Anerkennung seiner politischen Leistungen im Jahre 1938” die Bezeichnung “Der Großdeutsche Rundfunk”. Der Zweite Weltkrieg beginnt mit einer Propaganda-Lüge, die über den Rundfunk verbreitet wird, wie Prof. Heinz-Werner Stuiber in “Medien in Deutschland” vermerkt. Zunächst inszeniert die SS einen angeblichen polnischen Überfall auf den Sender Gleiwitz. Dann bringen alle Reichssender am 1. September 1939 um sechs Uhr als Sondermeldung einen Aufruf Hitlers an die Wehrmacht: Es “bleibt mir kein anderes Mittel, als von jetzt ab Gewalt gegen Gewalt zu setzen”.Die Studie umfasst fünf Erhebungen im Zeitraum von sechs Monaten, die online erfolgen. Die angemeldeten Personen werden per E-Mail zu den jeweils 15 bis 30 Minuten langen Befragungen eingeladen. Sie umfassen Fragen zur Persönlichkeit, zum Wohlbefinden sowie zu dem Lebensereignis, das die Probanden kürzlich erlebt haben. Personenbezogene Daten wie die E-Mail-Adresse werden streng vertraulich behandelt und getrennt von allen anderen Angaben aus den Fragebögen gespeichert.


Um zehn Uhr wird Hitlers Rede vor dem Reichstag im Rundfunk übertragen: “Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen. Und von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten.” Um ihr Nachrichtenmonopol zu sichern, verbieten die Nazis bereits am ersten Kriegstag den Empfang ausländischer Sender. Bei Missachtung drohen Gefängnis und in schweren Fällen die Todesstrafe. 1940 wird ein einheitliches Reichsprogramm eingeführt, das von allen Reichssendern ausgestrahlt wird.

03.09.1939 Sondermeldung-Drahtlosdienst – Memorandum der Reichsregierung 

Adolf Hitler sieht den Rundfunk als strategisches Werkzeug: »Ohne Kraftfahrzeuge, ohne Flugzeuge und ohne Lautsprecher hätten wir Deutschland nicht erobert«, schreibt er 1938. Daher spielt der Rundfunk auch bei der geplanten Eroberung Europas von Beginn an eine große Rolle. Er bereitet die Bevölkerung auf den »Kampf gegen ihre Feinde« vor, legitimiert den Angriffskrieg und soll den Glauben an einen bevorstehenden Sieg festigen.

Die Nationalsozialisten finden ihre Feinde auch im Rundfunk. Zahlreiche internationale Radiostationen senden gegen Hitlers Propaganda. Deren Hauptzielgruppe, die deutsche Bevölkerung, steht jedoch unter ständiger Beobachtung: Das Hören von »Feindsendern« wird im September 1939 verboten und als Hochverrat geahndet. Radiohören und die Weitergabe von Informationen, die nicht aus Goebbels Propagandaministerium stammen, werden so zu einer Form des Widerstands.

In der nächsten Folge:

1939 – 1945

Mit dem Tag des Kriegsausbruchs tritt im Deutschen Reich ein striktes Abhörverbot für alle ausländischen Rundfunksender in Kraft. Der Empfang von Feindsendern kann fortan den Hörer die Freiheit oder das Leben kosten. Trotzdem hören Millionen im Reich zum Beispiel den deutschen Dienst der Londoner BBC, der in dieser Zeit die verbotenen Gedanken vieler artikuliert.

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