Ach du liebe Zeit!

„Seid ihr Weihnachten zu Hause?“ fragen die Bekannten aus der Stadt. „Wir kommen vielleicht auf einen Sprung vorbei!“

Gebe Gott, dass es Weihnachten regnet, hagelt oder schneit – möglichst alles gleichzeitig. Denn Weihnachten treibt es die Städter hinaus aufs Land und wir, die wir dort auf vorgeschobenen Posten die Zivilisation gegen die Wildnis verteidigen, wir kriegen Besuch.

Im vorigen Jahr war der Winter recht mild und die ersten Besucher kamen kurz nach Sonnenaufgang. Ich weiß noch, wie ich ihnen schlaftrunken die Tür öffnete und ganz überrascht war, dass sie dieses Mal etwas mitgebracht hatten. Dann aber erkennen musste, dass es meine eigenen Skier waren, die ich am Abend vorher vor dem Haus platziert hatte.

Sie verlangten nur ein einfaches Frühstück – sagten sie – aber zur Feier des Tages bitte Rum mit Tee. Die nächsten wollte nur kaltes Wasser; alles andere hatten sie mitgebracht: Pulverkaffee, Wasserkessel, Benzinkocher, Smartphone, Schlitten, Pudelmützen, Skier.

Und zwei Hunde. Ihr Lager schlugen sie im Heizungskeller auf, weil sie es dann nicht so weit zum Wasserhahn hätten. Später überraschte ich sie, wie sie den Wasserhahn im Kühlschrank suchten. Ich rannte herunter, um den Weinkeller zu verschließen, doch eine Abteilung Neuankömmlinge hatte ihn schon besetzt und plünderte gerade das Regal mit den Elsässer Weinen.

Inzwischen waren weitere Besucher gelandet, deren Kinder in dichter Reihe das Wohnzimmer nach Weihnachtsgeschenken durchkämmten. Bei der Suche halfen auch die Hunde, die unsere Katze in den eiskalten Garten jagten, wo wir sie bis Silvester ständig aus dem Schnee schaufeln mussten.

Als ein einlaufender Kleinbus wegen eisglatter Straße das Gartentor rammte, benutze ich die Aufregung, um mich zu meiner Familie durchzuschlagen, die sich im oberen Badezimmer verbarrikadiert hatte. Zwei jüngere Familienmitglieder waren leider zu den Besuchern übergelaufen, aber der Rest bereitete sich entschlossen auf die Verteidigung der weihnachtlichen Ruhe vor. Gegen Mittag wagten wir einen Ausfall! Es gelang uns unbemerkt das Dorfgasthaus zu erreichen. Wir mieteten ein Zimmer und warteten auf die Abfahrt der Gäste. Täglich ging ich vorbei, um die Katze auszubuddeln. Leider verließ und erst der Winter – dann die Besucher. Eines steht fest: Zum nächsten Weihnachtsfest sind wir nicht zu Hause.