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Briefe ohne Unterschrift

Briefe ohne Unterschrift

Die Ausstellung „Briefe ohne Unterschrift“ im Museum für Kommunikation in Berlin erzählt von „DDRGeschichte(n) auf BBC Radio“

„Schreiben Sie uns, wo immer Sie sind, was immer Sie auf dem Herzen haben“. Mit diesen Worten lud die BBC-Radiosendung „Briefe ohne Unterschrift“ von 1949 bis 1974 Hörer*innen in der DDR zum Briefeschreiben ein. In dem in deutscher Sprache ausgestrahlten Programm wurden jeden Freitagabend ausgewählte Briefe vorgelesen. Sie boten direkte Einblicke in den Alltag der DDR-Bürger*innen, ihre Nöte und Sorgen, aber auch ihre Meinungen zu politischen und gesellschaftlichen Ereignissen.

Das Ministerium für Staatssicherheit der DDR stufte die Sendung als Hetzsendung ein und versuchte – teils mit Erfolg –, die Verfasser*innen zu identifizieren und strafrechtlich zu verfolgen. Über die Jahre entwickelte sich „Briefe ohne Unterschrift“ zu einer brisanten und emotional aufgeladenen Radiosendung im Propagandakrieg der deutschen Teilung. Das Zuhause der Schreiber*innen, die Zentrale der Staatssicherheit der DDR, das BBC-Studio:

Neben der Geschichte der DDR (1949-1990) wird auch die der Sendung Briefe ohne Unterschrift (1949–1974) und die des German Service der BBC (1938–1999) erzählt. Das Zuhause Von staatlicher Seite war der Konsum westlicher Medien in der DDR nicht erwünscht. Dennoch wurden diese, sofern sie zu empfangen waren, gehört und gesehen. Neben Unterhaltungsformaten und Musiksendungen boten sie den Hörer*innen auch politische und kulturelle Informationen – ein wichtiger Beitrag für die kritische Meinungsbildung in der DDR. Beim Hören gingen die Nutzer*innen ein Risiko ein. Insbesondere in den 50er und 60er Jahren ging die Regierung der DDR mit groß angelegter Propaganda gegen die Nutzung von Westmedien vor.

Daher hielt man das private „Westen Hören“ möglichst geheim und sprach auch nicht allzu offenherzig über das Gehörte. Dennoch konsumierten viele Hörer*innen nicht nur, sie wurden auch aktiv und äußerten ihre persönliche Meinung sowie Kritik in anonymen Hörer*innenbriefen. Handschriftlich auf einer Schulheftseite, mit Tinte, Bleistift, auf Luftpostpapier oder maschinengeschrieben: Die unterschiedlichen Briefe spiegelten die Verschiedenheit der Schreiber*innen wider. Viele äußerten den Wunsch nach freier Meinungsäußerung. Dieser war stärker als die Angst vor möglichen Konsequenzen.

Die Ausstellung „Briefe ohne Unterschrift“. DDR-Geschichte(n) auf BBC Radio, die das Museum für Kommunikation Berlin noch bis 11. Oktober 2020 präsentiert, beschreibt die Stationen der Briefe und erzählt die Geschichten, die damit verknüpft sind. Exklusive Interviews mit Briefeschreiber*innen und Sendungsmacher*innen zeigen persönliche Schicksale. Erstmals werden Tonbandmitschnitte, die das MfS von der Sendung angefertigt hat, zusammen mit den jeweiligen Originalbriefen aus dem Archiv der BBC präsentiert.

Wo und mit welchen Mitteln sich heute Menschen weltweit für politische und gesellschaftliche Teilhabe sowie freie Meinungsäußerung einsetzen, wird am Beispiel aktueller Aktivist*innen deutlich. In einem Umfragetool können die Besucher*innen ihre persönliche Meinung zu der Frage „Wie frei fühle ich mich in meinen Äußerungen?“ reflektieren. Rund 40.000 Briefe erreichten die Sendung „Briefe ohne Unterschrift“. Diese waren nahezu vergessen, bis die Autorin Susanne Schädlich sie 2012 bei Recherchen in einem BBC-Archiv wiederentdeckt und aufgearbeitet hat. Ihr Buch „Briefe ohne Unterschrift – Wie eine BBC-Sendung die DDR herausforderte“ gab den Anstoß zu dieser Ausstellung.

Schon mal vormerken!
Sobald das Museum wieder öffnen darf,
ist die Ausstellung bis zum 11. Oktober 2021 zu sehen!

Museum für Kommunikation Berlin
Leipziger Straße 16
10117 Berlin-Mitte

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