Ganz normal

Dann habe ich eine Geschichte

Die Fotokünstlerin Irina Ruppert

Aufrecht und gefasst sitzen oder stehen Menschen vor einem diffus wirkenden Hintergrund. Sie wirken tatsächlich “ganz aus sich selbst”, so wie es nachfolgendes Zitat beschreibt.

Das autonome Bildnis, das sich darauf konzentriert, einen Menschen zu zeigen, der aus sich selbst und nur aus sich selbst verstanden werden will, unterscheidet sich von allen Bildintentionen, die bis dahin existieren.”

Gottfried Böhm

Die Bilder stammen von der Fotokünstlerin Irina Ruppert – sie lebt und arbeitet in Hamburg -, und die dargestellten Personen sind Roma. Genauer gesagt: Cortorari aus dem kleinen Dorf Pretal im Kreis Hermannstadt (Siebenbürgen). Sie leben abseits und ausgegrenzt von de Mehrheitsbevölerkung des Ortes und meist unter ärmlichen Bedingungen in einem althergebrachten Sozialgefüge mit stark paternalistischem Rollenverständnis. Zum traditionellen Handwerk de Cortorari gehört immer noch das Kupferchmieden, so dass sich in ihrem Umfeld die Bezeichnung als “Blechzigeuner” oder “Kesselflicker” gehalten hat.

Es brauchte viel Zeit und Vertrauen, bis sich die Cortorari von Irina Ruppert überhaupt fotografieren ließen. Und viel Zeit braucht auch das einzelne Bild. Stets wird die Bühne für das “Bildnis” sorgfältig präpariert.

Bis ich in meinen Sitzungen ein Foto machen konnte, vergingen oft drei bis fünf Stunden. Irgendwann kommt der Moment, in dem ein Mensch über sich selbst nachdenkt. Wenn die Schultern nach unten sinken und er in sich zurückfällt. Wenn ich diesen Moment sehe, dann habe ich ein Bild von ihm. Dann habe ich eine Geschichte.”

Irina Ruppert
Irina Ruppert<br>
Irina Ruppert

Wurde 1968 in Aktjubinsk/Kasachstan geboren. Als Achtjährige übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Hamburg, wo sie seither lebt.

2002 schloss sie ihr Studium an der University of Applied Sciences, Hamburg, ab (Fachrichtung Design, Schwerpunkt Fotografie).

Neben ihren freien Projekten fotografiert Ruppert für namhafte Magazine und Zeitungen und ist Dozentin für künstlerische Dokumentarfotografie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg sowie an der Belriner Technischen Kunsthochschule.

Seit 2004 ist Irina Ruppert Mitglied der unabhängigen Bildagentur laif. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien.

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Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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Berühmt werden will ich mit diesem Blog nicht. Ich mache nur etwas, was viele andere noch besser und wunderbarer tun als ich: Ich teile mich mit, über das, was mir auffällt, einfällt und überfällt.

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