Stresemanns Ganz normal

“Der Fährmann ist dem Trunke verfallen!”

Zwischen 1830 und 1939 existierte nahe der Ortschaft Gimbte im Münsterland eine Fähre über die Ems. Die Fahrt mit ihr verlief nicht immer so, wie es von den Fahrgästen gewünscht wurde.

Nachweislich um 1830 schaffte sich der Landwirt Schulze Bisping eine Fähre über die Ems nahe der Bauernschaft Gimbte an. Ausschlaggebend war der Wunsch vieler Einwohner rechts der Ems, die Kirche im Dorf besuchen zu können. So hatte die Fähre an Sonn- und Feiertagen oft mehrere hundert Fahrgäste überzusetzen. Was nach einigen Jahren den Wunsch verstärkte, eine kleine Brücke über die Ems zu bauen. Die königliche Regierung lehnte den Plan allerdings ab und so wurde in einer Verhandlung am 13. Februar 1841 mit dem Landwirt Josef Gerdemann ein Pachtvertrag für einen Fährbetrieb geschlossen. Gerdemann übernahm die Verpflichtung, ein Fährschiff für Fußgänger und auf dem Kamp ein Fährhaus zu erbauen, das an einen Fährmann verpachtet wurde.

Die Überfahrt kostete für eine Person bei Tag 3 und bei Nacht 10 Pfennig, für eine Kuh 7 Pfennig und für ein Schwein 5 Pfennig. Diese Sätze entsprachen aber nicht dem Normaltarif, wurden aber auch vom Landrat, der sich gegen die Höhe der Sätze sträubte, anerkannt, da es sich um eine Privatfähre handelte. Wer die Fähre benutzen wollte, musste am Ufer eine Glocke in Bewegung setzen. Ertönte diese, erschien der Fährmann und zog das an einem quer über die Ems gespannte Drahtseil befestigte Fährschiff zum anderen Ufer.

Doch nicht immer verlief die Fahrt mit der Fähre zu aller Zufriedenheit. In den Archiven des „Versicherungsvereins gegen Haftpflicht für Landwirte der Provinz Westfalen“ ist ein ausführlicher Schriftwechsel aus dem Jahre 1926 zu finden. Darin berichtete ein Außenbeamter dem „Herrn Direktor“ von dem Umstand, dass der von Josef Gerdemann beauftragte Fährmann stark dem Trunke verfallen sei und die Fähre teilweise nicht da ankäme, wo sie hinsolle.

Der Vorwurf wurde beim Verein sehr ernst genommen, galt die Fähre doch damals für viele Touristen als ein besonderes Erlebnis und war weit und breit die einzige Möglichkeit, die Ems zu überqueren. Das Ergebnis war ein Kündigungsschreiben, in dem der Haftpflichtversicherungsschutz versagt wurde. Josef Gerdemann soll aber, so ist auch zu lesen, wenige Tage später einen neuen Fährmann eingestellt haben.

Nur 13 Jahre später musste er nach 98-jährigem Bestehen den Fährbetrieb einstellen, weil der nicht mehr rentabel war. Einige Jahre gab es noch eine kleine Behelfsfähre, die aber mehr für den Privatbetrieb benutzt wurde. Nach Inbetriebnahme der Brücke über die Ems im Jahre 1950 hatte auch diese Behelfsfähre ihre Berechtigung verloren. Ein schönes Stück „Emsfährenromantik” ging damit zu Ende.

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