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Die 60er-Jahre: Als das Fernsehen bunt wurde

Die 60er-Jahre sind das Jahrzehnt, indem das Fernsehen in die Haushalte Einzug hielt und sich zum führenden Unterhaltungsmedium entwickelte. Optisch konnte man die Ausbreitung des Fernsehens an den Antennen auf den Dächern der Häuser erkennen. Kabel- oder Satellitenempfang lagen noch weit in der Zukunft.

Eine Fernbedienung war damals noch völlig unbekannt. Ihr Nutzen wäre aufgrund der geringen Anzahl der Fernsehsender auch nicht besonders groß gewesen. Die ersten Fernsehgeräte verfügten über einen Ein-/Aus-Schalter, einen Regler für die Lautstärke sowie Regler für Helligkeit/Kontrast und die Feinabstimmung der Frequenz. Diese waren ausschließlich manuell zu bedienen.

Das Programm des Deutschen Fernsehens startete zwar schon am 25. Dezember 1952, allerdings gab es da nur ein paar hundert Fernsehbesitzer. Im Laufe der 50er-Jahre steigerte sich die Anzahl der Fernsehteilnehmer, insbesondere nach der Fußballweltmeisterschaft 1954. Im Jahre 1957 überschritt sie dann die Millionengrenze und lag zu Beginn der 60er schon bei über 2 Millionen.

Deutschland sieht fern

Der Start des 2. Fernsehprogrammes (ZDF) am 1. April 1963, das im UHF-Bereich sendete, machte nicht nur eine zweite Antenne sondern auch noch einen Umschalter zwischen dem 1. und dem 2. Programm erforderlich. Um das neue 2. Programm zu empfangen, mussten ältere Geräte erst einmal auf den erweiterten Frequenzbereich umgerüstet werden. Dazu gab es im Handel einen UHF-Vorsatzkonverter, der von einem Radio- und Fernsehtechniker in das Fernsehgerät eingebaut wurde. Da das Ganze mit nicht unerheblichen Kosten verbunden war, dauerte es noch einige Jahre bis die meisten Haushalte mehr als nur ein Fernsehprogramm empfangen konnten. Genau so verhielt es sich auch mit dem Zuspruch der 3. Programme, die ab Ende 1964 aus den Regionalprogrammen entstandenen waren, aber eben nur regional ausgestrahlt wurden.

Die Fernsehsendungen begannen unter der Woche im ersten Programm meist gegen 17:00 Uhr. Den größten Teil des Tages blieb der Fernseher ausgeschaltet, da es außer dem Testbild nichts zu sehen gab. Von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr sendeten die regionalen Sender. Wir empfingen den Westdeutschen Rundfunk (WDR). Er begann mit den Nachrichten, danach lief eine Folge einer Serie, eine Dokumentation oder eine Kultursendung die alle nicht viel länger als 20 Minuten dauerten. Anschließend kam das Sandmännchen (Nun, liebe Kinder gebt fein acht, ich hab euch etwas mitgebracht), dann wieder Nachrichten und im Anschluss daran die nächste Serie.

Mehr Programmangebot entzweite die Familie

Durch die Einführung eines 2. Programmes entstanden innerhalb vieler Familien so Fragen wie: „Sportübertragung oder Komödie? Sportschau oder Daktari? Dies oder jenes?“ Besondere Befürchtung betraf aber vor allem die Entwicklung der Kinder, die durch das Fernsehen in ihrem unbändigen Bewegungsdrang gehindert und in eine unnatürliche Lebensweise gezwungen wurden. So hieß es in einem Artikel der Fernsehzeitschrift “HÖR ZU” vom Sept. 1963 unter der Rubrik “Unser Hausarzt hat das Wort”: Der Bildschirm erfordert für Ohr und Auge, die ganze Aufmerksamkeit. So bestimmt vielfach das Programm den Verlauf des Feierabends, die Dauer des Abendbrots und den Beginn der Nachtruhe.

Fernsehen in den 60ern war noch recht beschaulich und nicht so actionlastig und hyperaktiv wie heute. Die meiste Zeit des Tages änderte sich am Fernsehbild nichts, es blieb dunkel, da ausgeschaltet. Schaltete man den Fernseher kurz vor Programmbeginn ein, sah man auf dem Bildschirm eine bildfüllende Uhr (natürlich analog) und man konnte dem Sekundenzeiger auf seinen Runden folgen. Die einzelnen Sendungen wurden durch eine Fernsehansagerin vorgestellt, damit der Zuschauer wusste, was ihn in der kommenden Sendung erwartete.

Zapping in den 60er Jahren

Im Programm selbst überwogen eher ruhige Sendungen. Dokumentarfilme, Nachrichtensendungen, Theateraufführungen, Operetten, Komödien und Sportübertragungen bildeten die Schwerpunkte. Es wurde noch erzählt (Luis Trenker, in fröhlicher, munterer Weise oft auch wild gestikulierend über Abenteuer in den Bergen und seine Filme) oder vorgelesen (Margot Trooger, z.B. aus Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren). Kinderfernsehen fand hauptsächlich in der ARD statt, es waren die Anfangszeiten der Augsburger Puppenkiste und des Hasen Cäsar, meines besonderen Lieblings – welches Kind der 60er erinnert sich nicht an “Schlager für Schlappohren”?

Internationale Spielfilme waren selten und liefen meist zu einer Zeit, zu der Kinder schon lange im Bett lagen. Ab einem Alter von ca. 10 Jahren durfte ich samstags schon mal einen Spielfilm, etwa einen Western, sehen. Vor dem Film lief nach der Tagesschau häufig noch eine Quizsendung (z.B. “Einer wird gewinnen” mit Joachim Kulenkampff). Ärgerlicherweise wurde die dafür vorgesehene Sendezeit meist überzogen. Im Anschluss daran folgten Nachrichten und die Ziehung der Lottozahlen. Danach sprach ein Geistlicher “Das Wort zum Sonntag”, wobei es aber nicht bei einem Wort blieb, sondern das Wort sich als minutenlange Predigt hinzog. Dann endlich, nach einer mehr oder weniger ausführlichen Inhaltsangabe durch die Fernsehansagerin, begann der Spielfilm, auf den ich oft schon die ganze Woche gewartet hatte – und meistens hatte sich das Warten gelohnt.

Das „Farbfernsehen“ begann mit einer Panne

Ein weiterer Meilenstein der Fernsehgeschichte war die Einführung des Farbfernsehens im Jahr 1967: Mit einem Knopfdruck des Vizekanzlers Willy Brandt startete am 25. August 1967 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin offiziell das Farbfernsehen in Deutschland. Dabei passierte eine kleine Panne: Die Farbe kam bereits bevor Willy Brandt auf den Knopf drückte! Allerdings vorerst nur einige wenige Sendungen, insgesamt so ein paar Stunden (in der Woche!). Um 9 Uhr 30 lächelte als erste deutsche Fernsehansagerin Edith Grobleben vom Sender Freies Berlin farbig vom Bildschirm. Danach konnte man die Eröffnungsveranstaltung der 25. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin in bunt verfolgen, sofern man ein Farbfernsehgerät hatte. Diese Geräte waren noch sehr teuer. Mit 2.500 bis 4.000 DM kosteten sie damals fast so viel wie ein Kleinwagen. Erst in den 70ern wurden Farbfernseher aufgrund sinkender Preise erschwinglich. Es gab jedoch noch bis weit in 80er Jahre hinein reine Schwarz-Weiß-Fernseher zu kaufen, heute sind sie Geschichte.

Farbfernsehen in Deutschland

Der erste Film, der im deutschen Fernsehen in Farbe ausgestrahlt wurde, lief am 25. August 1967 um 14:30 Uhr zeitgleich in der ARD und im ZDF. Es war der französische Spielfilm “Cartouche der Bandit” mit Jean-Paul Belmondo und Claudia Cardinale. Und weil es so schön war, der gleiche Spielfilm, zur gleichen Zeit auf beiden Programmen wenige Tage später am 31. August noch einmal.

Die erste Fernsehserie, die komplett in Farbe ausgestrahlt wurde, war die Western-Komödie “Pistolen und Petticoats”. In den Fernsehzeitschriften tauchten jetzt bei den Programmübersichten bunte Bilder und der Hinweis “In Farbe” auf. Im Fernsehen wurden die farbigen Sendungen durch ein animiertes Farblogo angekündigt. Farbsendungen waren damals so exotisch wie die Schwarz-Weiß-Filme im heutigen Fernsehprogramm.

In der nächsten Folge:

In den 1960er Jahren wurde das Programmangebot sowohl im Osten als auch im Westen erweitert und variiert. Regional- und Werbeprogramme wurden ausgebaut, später dann Fernsehserien aus amerikanischen Archiven eingekauft. Die Dritten Programme setzten mit Kultur-, Bildungs- und Regionalsendungen neue Akzente.

Das Jahr 1967

1967 trug die Widmung: Jahr des Tourismus. Israel und die arabischen Nachbarn waren damit anscheinend nicht gemeint gewesen. Dort hatte am 5. Juni der „Sechstagekrieg“ begonnen, als die israelische Luftwaffe einen Präventivschlag gegen Stützpunkte des ägyptischen Militärs führte.

Die BRD 1967

Was es sonst noch im Jahre 1967 gab:

Die Großmächte, USA und Sowjetunion, die sich im Kalten Krieg gegenüberstanden, trafen sich im Glassboro, im amerikanischen Bundesstaat New Jersey zu einer Konferenz. Der US-Präsident Lyndon B. Johnson traf auf den sowjetischen Premierminister Alexei Kossygin. Unter anderem wurden Fragen zur gegenseitigen Entspannungspolitik thematisiert.


Die Deutschen waren schockiert, als es beim Besuch des iranischen Schahs in Berlin zu einem Todesopfer kam. Schwere Ausschreitungen und Demonstrationen riefen die Polizei auf den Plan und der Student Benno Ohnesorg wurde zum Opfer der polizeilichen Maßnahmen. Er starb durch einen Pistolenschuss. Der Student wurde landesweit bekannt und wurde zum Sinnbild des sich ausbreitenden Radikalismus.


Ein Todesopfer, das zu Lebzeiten schon wegen seiner charismatischen Ausstrahlung und freiheitlichen Gesinnung Berühmtheit erlangt hatte, war Che Guevara, neben Fidel Castro die wichtigste Persönlichkeit der Kubanischen Revolution. Er starb am 9. Oktober. Ein Angehöriger des bolivianischen Militärs erschoss Che Guevara, ohne, dass eine Gerichtsverhandlung vorausgegangen war.

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  • danke fürs Erinnern…jaja…das waren noch Zeiten. Ich war ja noch sehr jung damals. Wir hatten lange keinen Fernseher zuhause, aber für die kleine Farm oder Daktari durften wir dann zu meiner Tante gehen…:-)

  • Tja schon verrückt, das war eine Revolution. Aber auch das wird sich entwickeln. Die Kids wissen heute mit dem konventionellen Fernsehen schon kaum noch etwas anzufangen

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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