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Die 60er-Jahre: Es geht aufwärts

Starker Auftritt im Wettbewerb

Anfang der 60er-Jahre war Deutschland schon sehr gut mit Anzeigenblättern versorgt. Für die Verbraucher waren sie eine wichtige Informationsquelle, denn andere Medien als Werbeträger waren längst nicht so verbreitet – mit Ausnahme der Litfaßsäule vielleicht.

Die Geschäfte wurden immer bunter. Dies lag an der Reklame, die wohl selten so vielfältig in Erscheinung trat, wie in diesen 60er Jahren. Die verschiedenen Verkaufsgeschäfte, ob Supermarkt, Hutgeschäft, Spielwarengeschäft mit dem unterschiedlichsten Blechspielzeug, alles war in der Innenstadt, sogar in den einzelnen Straßen der Altstadt angesiedelt und sorgte für eine unvergleichlich vielfältige Erlebniswelt.

Natürlich waren die Supermärkte nicht mit den heutigen vergleichbar; der kleine EDEKA-Laden bei uns in der Strasse hatte eine Größe von vielleicht 6 x 12 Meter, passte also gerade einmal ins Erdgeschoss eines kleinen Fachwerkhauses, verbreitete aber eine Gemütlichkeit, wie sie heute vielleicht nur noch in kleinen Dorfläden anzutreffen ist. Vor und in den Läden wurde Werbung betrieben auf kleineren und größeren Emaille Schildern, auf Pappschildern, bunten beleuchteten Plastikreklamen usw.

Werbung in den 60er-Jahren

Hin und wieder kamen neue Geschäfte hinzu, wobei mir eines ganz besonders in Erinnerung geblieben ist. Es muss 1961 oder 1962 gewesen sein, als ein Schnellimbiss aufmachte, der lediglich eine Verkaufsware besaß: Pommes frites! Es war eine reine Frittenbude. Pommes frites kannten wir nur von anderen Kindern, die schon einmal mit ihren Eltern weiter weg in Urlaub waren. Aber diese erste Frittenbude in unserer kleinen Altstadt war eine solche Sensation, dass sich in der Anfangszeit Kaufschlangen bildeten!

In den 60er Jahren wurde noch viel gelesen, anders als heute, wo Bücher oder Gedrucktes immer weniger eine Rolle spielen. Die Informationen kann man sich aus dem Internet ziehen oder auf das Handy laden. Kindergeburtstage in den 60ern sahen bezüglich der Geschenke schon ganz anders aus. Da wurden noch Bücher verschenkt! Auf die Jungen-Geburtstage kamen natürlich auch nur Jungen; wir schenkten uns anfangs Abenteuerromane und -bücher. Bestes Beispiel für Jugendbücher hierfür waren die Serien mit Käpt’n Conny und seinen Freunden. Danach war Karl May angesagt: Die Taschenbuchausgabe mit den Abenteuern von Winnetou und Kara Ben Nemsi umfasste etwa 70 Bände.

Fußball, Auto-Quartett und eigenes Zimmer

Die 60er Jahre waren bei mir auch verbunden mit dem ersten bewussten Wahrnehmen von Sportveranstaltungen. Ich kann mich in diesem Zusammenhang noch an die olympischen Winterspiele 1964 erinnern mit noch gesamtdeutschen Mannschaften und Namen wie Recknagel, Kilius/Bäumler oder Georg Thoma, der skilaufende Postbote. Und – 1967 wurde Eintracht Braunschweig Deutscher Meister der neuen Fußball-Bundesliga.

Wenig später wurde ein Kartenspiel zum absoluten Highlight, – Autoquartett! Das Autoquartett wurde für drei oder vier Jahre zu dem Jungenspiel der 60er Jahre. Eigentlich wurde es überall gespielt, entweder im Klassenzimmer, im Schwimmbad auf der Wiese oder in der übrigen Freizeit. Natürlich wurde es nicht wie ein klassisches Quartett gespielt; das Spiel hatte eher mit den Jungenträumen von Pferdestärken, Hubraum und Geschwindigkeit zu tun.

Mit etwa 13 oder 14 Jahren bekam ich mein eigenes Jugendzimmer. Die Ausstattung war, denke ich, überall weitgehend gleich. Zu dem kleineren Teak-Schreibtisch mit Metallbeinen gesellte sich die obligatorische Schlafcouch, schon aus Pressspan, aber noch Teakholz furniert, die tagsüber als Sofa oder Couch fungierte, indem das Bettzeug im sogenannten Bettkasten verschwand oder hinter der ausklappbaren Rückwand. An der Wand fand man oftmals ein String-Regal; das String-Regal war eine der intelligenten Erfindungen der dänischen Möbelindustrie aus Haltern aus Metallstäben und Brettern mit Teakfurnier; das String-Regal konnte endlos erweitert werden mit Brettern, Schubladen oder kleinen Schränkchen.

Pop-Art und ein Auto wurden „Kult“

Andy Warhol feierte mit der Pop Art Triumphe, Stanley Kubrick brachte „2001“ in die Kinos, und Neil Armstrong gelangten die ersten Schritte auf dem Mond.

Als Andy Warhol zum Kult wurde

Dazu kam ein ungewöhnliches Auto auf die Strassen: „Vier Räder unterm Regenschirm!“ Das war der Auftrag an die Ingenieure! Eine andere Legende behauptet, der Auftrag Mitte der 30er-Jahre habe darin bestanden, ein Auto zu konstruieren, mit dem ein Bauer einen Korb Eier über einen umgepflügten Acker manövrieren kann. Dabei steht der offizielle Name „Deux Chevaux“ für zwei Pferdestärken. Nominell 2 PS fürs französische Finanzamt. De facto aber hatte die Ente anfangs 9 und zuletzt 29 PS unter der Haube, womit man immerhin 113 Stundenkilometer brausen konnte. Dass das rumorende Ding alles andere als stark war, sondern einfach nur laut, weil an der Schallisolierung gespart wurde, spielte keine Rolle. Es dröhnte, also fuhr es. Und der Wind rauschte durchs offene Verdeck. Verwandelte die halboffenen Seitenfenster in flatternde Flügel.


In der nächsten Folge:

Weihnachten in den 60er-Jahren bestand aus Vorweihnachtszeit, glimmernden Weihnachtskalendern und Bausätzen für Holz- und Metalleisenbahnen.

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