Die 60er-Jahre: Kalter Krieg und sexueller Freiheitsdrang

Deutschland wird geteilt

Die 60er Jahre – dieses Jahrzehnt hat Deutschland verändert! Nichts ist seitdem wie es früher war. Der Kalte Krieg entzweite die Welt, die Studentenbewegung veränderte die Politik grundlegend, Frauen entdeckten dank der Pille ihr Recht auf sexuelle Freiheit, die Mauer trennte Ost von West und die terroristische Vereinigung RAF wurde gegründet.

“Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment”:-Das Sponti-Motto hat unser Verständnis der 60er geprägt – dabei ging es erst gegen Ende der Sixties so richtig heiß zur Sache. Zu Beginn des Jahrzehnts klemmte es noch an allen Ecken und Enden, galt vorehelicher Sex als strafbar und gehörte die innige Umarmung in der Tanzschule schon zu den wilderen Praktiken. Dank Oswald Kolle, Aufklärungsstreifen wie “Helga” und der neuen Verhütungsmethode aus Übersee zog endlich frischer Wind in die deutschen Schlafzimmer ein: Eine kleine Pille namens Envoid 10!

Liebesleben in den 60er Jahren

Die erste Antibaby-Pille machte es möglich, sexuell aktiv zu sein ohne gleich schwanger zu werden. Zum ersten Mal konnten Frauen ohne Angst vor einer Schwangerschaft ihre Sexualität genießen und sich bewusst für oder gegen ein Kind entscheiden. Und obwohl die Kirche sowohl die Pille als auch das Kondom verbat, setzte sich diese medizinische Errungenschaft schnell durch. Übrigens auch in den Medien. Bis Anfang der 60er Jahre verbot die „Himmlersche Polizeiverordnung“ jegliche Werbung für Verhütungsmittel. Reklame für Unterwäsche und Hygienebedarf war ebenfalls durch eine repressive Gesetzgebung unmöglich. Zehn Jahre später räkelten sich halbnackte Frauen in trübem Badewasser um so erfolgreicher für Körperpflegeprodukte zu werben.

“Ich bin ein Berliner!”

Die politische Lage veränderte sich in beiden Teilen dramatisch. 1963 hielt der damalige amerikanische Präsident John F. Kennedy seine berühmte „Ich bin ein Berliner“-Rede. Während in der DDR die Jugend hauptsächlich durch Kulturprogramme und Förderungen „befriedigt“ wurde, wurden vor allem die Studenten in Westdeutschland mit ihrer Kritik am herrschenden Ordnungssystem lauter. Als 1966 die Regierungskoalition von CDU und FDP zerbrach und Bundeskanzler Ludwig Erhard zurücktrat, bildete sich die erste Große Koalition von CDU und SPD. Als diese Regierung auf Biegen und Brechen die Notstandsgesetzte durchsetzten, entstand in den Universitäten eine politische Gegenformation, die Außerparlamentarische Opposition, kurz: APO, wurde gegründet. Die APO kritisierte auch vehement die Annerkennung des Vietnam Krieges.

Kennedy in Bonn
Kennedy in Berlin

Im Auftrag von Walter Ulbricht ist der Mauerbau 1961 unter völliger Geheimhaltung durch den für Sicherheitsfragen zuständigen Sekretär des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Erich Honecker, vorbereitet worden. Die Erlaubnis zur Einmauerung West-Berlins hat das SED-Regime zuvor durch die Sowjetunion erhalten. Die in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) stationierten sowjetischen Truppen helfen mit, die Errichtung des “antifaschistischen Schutzwalls” zu sichern. Die SED-Führung will so die Massenflucht aus der DDR über West-Berlin beenden.

Die Ausreisewelle aus der DDR 1961

Abriegelung der Grenze

Erschütternde Szenen spielen sich in den Tagen des Mauerbaus entlang der Sektorengrenze ab. Die Sperranlage schneidet über 50.000 Ost-Berliner von ihren Arbeitsplätzen im Westen ab. Das SED-Regime verringert die Zahl der Grenzübergangsstellen zwischen beiden Stadthälften auf sieben. Das Berliner Verkehrsnetz wird über Nacht an der Sektorengrenze zerschnitten. In Häusern, die an der Grenze liegen, werden Fenster und Türen in Grenzrichtung zugemauert. Die Grenzposten haben Schießbefehl – und sie machen Gebrauch davon. Mindestens 140 Menschen sterben nach 1961 an den Berliner Grenzanlagen.

Reportage RIAS-Berlin 1961 vom Bau der Berliner Mauer

Portrait der Mitglieder der Kommune 1, u.a. Fritz Teufel, in der Wohnung der Frauenkommune in der Türkenstraße 68a in München.

Am 1. Januar 1967 gründete sich in Berlin die Kommune 1 unter anderen mit den Mitgliedern Rainer Langhans, Uschi Obermaier und dem Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. Ihr politisch-gesellschaftliches Ziel war es, die Kleinfamilie zu zerschlagen. Und vor allem: die freie Liebe zu proklamieren! Zwei Jahre später sorgten John Lennon und seine zweite Frau Yoko Ono für Aufsehen, als sie ihre Flitterwochen in Amsterdam als multimediales Spektakel, dem so genannten „Bed-In“, aufführten. Der Siegeszug der sexuellen Revolution hatte seinen Höhenpunkt erreicht.

Marx, Che Guevara, Lenin hießen die großen Idole einer Generation, die endlich wissen wollte, was zwischen 1933 und 1945 in ihrer Heimat geschehen ist und ihre Eltern dafür hasste, dass sie die Nazi-Gräuel unter den neuen Fransenteppich kehrten. “Macht kaputt, was Euch kaputt macht” – mit diesem Motto hat die APO die artige BRD in aufgescheucht wie keine zweite Protestbewegung nach dem Krieg.

Fahndungsplakat damaliger Mitglieder der RAF 1969

1967 hielt Martin Luther King seine flammende Rede gegen den Vietnam Krieg. Zeitungsverleger Axel Springer ließ sich davon nicht beeinflussen und rief über sein Medienorgan „Die Bild Zeitung“ zu einer regelrechten Hetzjagd gegen die Revoluzzer auf, aus deren Dunstkreis auch die RAF-Begründer Andreas Baader und Gudrun Ensslin stammten. Am 2. April 1968 beteiligten die beiden aus Protestgründen an den Brandanschlägen auf Frankfurter Kaufhäuser und legten damit den Grundstein der RAF.


In der nächsten Folge:

Was heute zu endlosen Diskussionen führt, war vor knapp 50 Jahren etwas ganz Besonderes. In den 60er-Jahren kamen die ersten ausländischen Flüchtlinge nach Deutschland.

Das Jahr 1963

In die internationale Kriminalgeschichte ging ein Verbrechen ein, das sich in Buckinghamshire in England ereignet hatte: Der legendäre Postraub. Dabei erbeutete eine 15-köpfige Bande 2,6 Millionen Pfund aus einem Postzug.

Das Jahr 1963

Und was geschah 1963 noch?

Die politischen Ereignis des Sommers machten weltweit Schlagzeilen: Im Juni bereiste Präsident John F.KennedyBerlin und hielt eine seiner denkwürdigsten Reden, die mit den berühmten Worten endete: „Ich bin ein Berliner.“ Dass Kennedy im selben Jahr, am 22. November einem Attentat zum Opfer fiel, überschattete die Ereignisse im Nachhinein noch. In den USA brachte der Bürgerrechtler Martin Luther King während des legendären Marsches auf Washington ebenfalls mit einer Rede die Menschen zum Jubeln. Mit seinen Worten „I Have a Dream“ ging auch diese Rede ebenfalls in die Geschichte ein. Rücktritt Konrad Adenauers das Amt des Bundeskanzlers. Erhard war der zweite Kanzler der Bundesrepublik seit 1949.

Deutschland bangte im Herbst 1963 um die verunglückten Bergleute in Lengede, unweit von Salzgitter. Unter anderem wurden elf verschüttete Männer, deren Rettung man kaum für möglich gehalten hatte, lebend geborgen. Die unglaubliche Aktion wurde zum „Wunder von Lengede“. Von insgesamt 129 Kumpels hatten bei dem Grubenunglück dennoch 29 Männer ihr Leben verloren. In die internationale Kriminalgeschichte ging ein Verbrechen ein, das sich in Buckinghamshire in England ereignet hatte: Der legendäre Postraub. Dabei erbeutete eine 15-köpfige Bande 2,6 Millionen Pfund aus einem Postzug.

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