Stresemanns Ganz normal

Die 70er-Jahre: Als der Kuller-Pfirsich zum Mett-Igel gereicht wurde.

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In den 70ern sind die Deutschen nach Italien gereist, haben Schweizer Fondue gegessen, den Schnellkochtopf entdeckt und Tri-Top-Fruchtsirup und Brauner Bär-Eis für die Kinder gekauft. Übergewichtigkeit wird zur Volkskrankheit, Schlankheitskuren und Diätrezepte in den Illustrierten haben Hochkonjunktur.

Die Qualität der Nahrungsmittel nahm in den 70ern immer weiter ab: Schuld daran war die Massenproduktion von Lebensmitteln. Der Markt wurde von Fertigprodukten überflutet, und traditionelle Gerichte wichen Produkten aus der Tüte oder der Dose. Maggi durfte in keinem Haushalt fehlen. Und sogar in Kochbüchern aus diesem Jahrzehnt werden Dosenpilze, Tütensoßen und Co. erwähnt. Parallel dazu kam die Grillkultur in Deutschland auf. Jeder freie Abend bei gutem Wetter wurde zum Grillen genutzt: Die dichten Rauchwolken sprachen für sich. Und natürlich durfte das Eis am Stiel für die Kinder nicht fehlen: „Brauner Bär“ oder „Mini Milk“ waren DIE Renner am Kiosk.

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Diese Kinder schlecken unbekümmert ihr Eis. Damals kostete die Kugel ja nur 30 Pfennig. Etwas teurer dagegen war das damals sehr beliebte “Dolomiti”-Eis. 1973 kam es auf den Markt, es hatte die drei Geschmacksrichtungen Zitrone, Himbeere und Waldmeister. Allerdings wurde der Verkauf von “Dolomiti” 1987 wiedereingestellt. Seit 2014 gibt es das Eis wieder, allerdings soll es nicht an den damaligen Geschmack herankommen. Diese Liste wäre unvollständig, wenn das Matschbrötchen nicht mit drauf wäre. Es wurde uns so einfach gemacht als Kinder, eine leckere Mahlzeit zu zaubern.

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Leckereien aus den 70ern

Nach dem Vorbild der großen US-amerikanischen Imbissketten schießen vor allem in den Zentren der Großstädte Snackbars und Schnellimbisse wie Pilze aus dem Boden. Die Currywurst mit Brot und die Pommes frites mit Ketchup oder Mayonnaise sind so beliebt wie kalorienreich. Zunehmend ersetzt die schnelle Zwischenmahlzeit (Fast Food) den regulären Mittagstisch und die Zubereitung von Gerichten am eigenen Herd. Und, in den 70er Jahren erlebte die Mikrowelle ihren Boom. Die Preise fielen und jeder wollte eine. Also gab es auch passende Kochbücher.

WDR: Ingolf Lück – Naschen in den 70ern
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Am 4. Dezember 1971 eröffnet die Burger-Kette “McDonald’s” in München ihre erste deutsche Filiale. Hamburger, Hotdog und Chicken Wings werden zum Lieblingsessen der jungen Deutschen. Pizza und Spaghetti sind Alternativen zur Hausmannskost. Auch Crêpes Suzette, Krabbencocktail, gefüllte Paprikaschoten und Cordon bleu finden immer mehr Anhänger. In der Küche ist Schlauchmilch der letzte Schrei. Kinder kauen den Schoko-Karamell-Riegel “Drei Musketiers”, lutschen “Dolomiti”-Eis und trinken “Kaba”, “Sunkist” und “Florida Boy Orange”. Auf Partys gibt es Persiko (gern mit Softdrink oder Bier gemixt), Bowle, Kullerpfirsich, Bluna mit Eierlikör, Rumtopf, Apfelkorn.

Weitere typische Gerichte der 70er Jahre in Deutschland waren weiße Spargelstangen, meist aus der Dose, einzeln in einer Scheibe Kochschinken eingewickelt und Käsewürfel mit Trauben oder Oliven auf Zahnstochern, die in eine umgedrehte Melonenhälfte eingesteckt wurden und als Käseigel bekannt sind. Die fleischfressende Variante, der “Mettigel”, ist ein ordentlich geformter, abgerundeter Haufen rohes Hackfleisch, in den hauchdünne Brezelstangen oder gleichmäßig geschnittene rohe Zwiebelstangen einsteckt wurden. Aber rückblickend denken wir: Wie haben wir die Zwiebelstücke mit Mett eigentlich runtergekriegt? Lag es an dem ein oder anderen Gläschen “Kullerpfirsich”?


In der nächsten Folge:

Einerseits könnte man das Jahrzehnt der 70er Jahre mit Ölkrise und Terror titeln, andererseits war ein Jahrzehnt selten so farbenfroh, individuell und bunt wie die Jahre von 1970 bis 1979. Es wurde so richtig grell: In der Einrichtung und dem Wohnen,


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