Stresemanns Ganz normal

Die 70er-Jahre: Als es ziemlich bunt wurde und Lava-Lampen und Pril-Blumen kamen

Die 70er-Jahre

Als es ziemlich bunt wurde und Lava-Lampen und Pril-Blumen kamen

Einerseits könnte man das Jahrzehnt der 70er Jahre mit Ölkrise und Terror titeln, andererseits war ein Jahrzehnt selten so farbenfroh, individuell und bunt wie die Jahre von 1970 bis 1979. Es wurde so richtig grell: In der Einrichtung, der Mode, der Werbung, der Musik, kurzum dem gesamten Lebensstil. Größer und bunter ist das Motto für Möbel und Wände. Im Wohnzimmer verströmt der Flokati einen Hauch Exotik. Lavalampen sind der letzte Schrei. Wohnwand, Polstergarnitur und Schaumstoffsessel sind angesagt. In den Bädern dominieren sattes Grün, Orange, Rosa und Blau. Auf den Küchenfliesen kleben Pril-Blumen, und in den Zimmern der Teenager duften Räucherstäbchen.

Das Design dieser Zeit war ähnlich der gesamten Mode. Tapeten waren mit großen und grellen Blumen oder bewusstseinserweiternden Mustern geschmückt. Wenn man diese Tapeten heute betrachtet, fragt man sich, wie man es in solchen Räumen überhaupt aushielt, ohne wahnsinnig zu werden. Auf dem Boden lag der gute Flokati-Teppich, der mindestens zweimal im Jahr ausgeschlagen werden musste, weil sich so viel Dreck in ihm angesammelt hatte, dass man ihn gar nicht herausgesaugt bekam. Die Farben waren grell und poppig. Vor allem Gelbtöne und Orange waren beliebte Farben. Die Einrichtungsgegenstände wirkten mit glatten Oberflächen sehr steril. Stereoanlagen und Fernsehgeräte wurden vielfach dem modernen Design angepasst.

Das gute alte Wählscheibentelefon. Damals wurde das Telefon noch mit dem bestellten Telefonanschluss von der Deutschen Bundespost mitgeliefert. Ab 1970 wurden auch farbliche Telefone angeboten: Neben dem grauen Standardmodell kam nun Ockergelb, Lachsrot, Orange und Farn Grün dazu. Mangels Nachfrage wurde das rote Telefon wieder aus dem Sortiment genommen.

Typische Tapetenmuster der 70er-Jahre

Die Alltagkultur war farbig

Wohnen in Wohngemeinschaften wurde für Jugendliche zur Alltagskultur. Begleitet wurden die Veränderungen von Schockfarben, von schrillen Designs. Ganz typisch war die Farbe Orange, dazu gab es Grün, Gelb, Hauptsache schockfarben. Die Farben schmückten jeden Kunststoff, egal ob Aschenbecher, Haushaltsgerät oder Möbel. Die 70er Jahre waren das Jahrzehnt, in welchem der Kunststoff, der ja schon kurz nach dem 2. Weltkrieg an die Tür klopfte, seinen endgültigen Durchmarsch bewerkstelligte. Eine große Rolle spielte hierbei der Werkstoff Polystyrol von BASF. Wir erinnern uns, dass Polystyrol und Polypropylen auch eine ganze Spielzeugindustrie eroberten. Der Kunststoff ermöglichte es zudem, billig und einfach die runden Formen zu kreieren, wie sie im damaligen Möbelbau typisch waren, wie sie aus Holz fast nur noch in Dänemark hergestellt wurden.

“Leben, wie in den 70ern. Ein Besuch in einem Hotel, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Danke an die Kollegen vom hr für die zeitweise Überlassung dieses Beitrages aus der Sendung “maintower”.  

Zurück zu Arbeitersiedlungen und bürgerlichen Vierteln

In der Stadtplanung und Architektur kam es zu einem bedeutsamen Paradigmenwechsel. Die Phase der Stadterweiterung, die zu Beginn der siebziger Jahre in groß dimensionierten Hochhaussiedlungen auf der “grünen Wiese” einen spektakulären Höhepunkt erlebt hatte, wurde im Denkmalschutzjahr 1973 in der Öffentlichkeit bereits als seelenlose Container-Architektur heftig kritisiert. Dagegen kam es zur Wiederentdeckung und Aufwertung der urbanen Qualitäten von innenstadtnahen Bezirken, von Arbeitersiedlungen des 19. Jahrhunderts ebenso wie von bürgerlichen Vierteln der Jahrhundertwende.

Leben, wie in den 70ern: Matthias Mainusch lebt den Retro-Traum. Sein Haus ist eingerichtet im Stil der 70er, was so manchen Besucher verwundert. Danke an die Kollegen vom Br für die zeitweise Überlassung diese Beitrages aus der Sendung “frankenschau”.

Typische Wohngegenstände der 70er-Jahre

Nicht mehr die Überwindung der historischen Stadt durch “Kahlschlagsanierung”, also eine völlige Neubebauung, wie in den fünfziger und sechziger Jahren, sondern ihre behutsame Wiederherstellung wurde nun von zahlreichen Bürgerinitiativen gefordert. Einige Bundesländer erließen in den siebziger Jahren neue Denkmalschutzgesetze.

Die 70er-Jahre-Einbauküchen legten hingegen nicht so viel Wert auf Design, sondern auf Pragmatismus. Neu waren die ausziehbaren Arbeitsplatten, um bequem im Sitzen das Essen vorbereiten zu können.

Typische Zimmer der 70er-Jahre

In der nächsten Folge:

Zwischen sexueller Freiheit und Bonanza-Rädern

Die Gesellschaft verändert sich: Es ist die Zeit der Engtanz-Feten. Und Hausfrauen amüsieren sich auf Tupperpartys (der Hit: Eis-am-Stiel-Behälter). Jungs wollen das Bonanza Rad. Erwachsene entdecken Klappräder für sich. Und die Zeit der Farbfernseher bricht an. Mit knapp 1800 Mark sind sie noch dreimal so teuer wie Schwarz-Weiß-Geräte. Der Nachwuchs hockt mit Kassettenrekorder vor dem Radio, nimmt “The Sweet”, “Boney M.” und “Queen” auf.

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