Stresemanns Ganz normal
Als "Superman" seine Maske verlor

Die Geschichte der Masken

2. Teil

Chirurgen und Schweißer tragen sie, beim Bankraub oder der Sexorgie bleibt man mit ihr unerkannt, Literatur- und Leinwandhelden führen mit ihrer Hilfe ein erfolgreiches Doppelleben – die Maske ist in verschiedenen Lebenslagen ein nützliches Utensil.

Heute geht es um vermummte Gestalten: berühmte Maskenträger

Kämpfer für die Gerechtigkeit

Zorro

Er ist der klassische Maskenträger – Zorro, der Beschützer der Armen und Unterdrückten, der im Kalifornien des 19. Jahrhunderts für Freiheit und Gerechtigkeit kämpft.

Aus dem Nichts taucht er auf, immer versteckt hinter einer schwarzen Augenmaske. Sein zweites Markenzeichen ist das Z, das er in einer eleganten Bewegung mit seinem Degen auf Häuserwände, Bäume und manchmal auch in die Körper seiner Feinde ritzt.

Dabei ist Don Diego de la Vega, so der richtige Name des Zorro, selbst einer der reichen Landbesitzer. Im normalen Leben ist er ein Taugenichts, ein Lebemann ohne Ehrgeiz und ohne Gewissen, der vom Geld seines Vaters lebt.

Seine Angebetete Donna Elena verachtet ihn deswegen. Aber wenn er sich ihr in der Zorro-Maske nähert, erglüht sie vor Leidenschaft.

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Batmann - imdb
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Das Technik-Wunder von Gotham

Batman

Unter anderem Michael Keaton, George Clooney und Christian Bale haben den Fledermausmann gespielt. Dabei ist Batman, wie viele seiner maskierten Kollegen, ursprünglich eine Comicfigur. Bob Kane kreierte ihn 1939 und seitdem führt der maskierte Held mit dem schwierigen Liebesleben sein anstrengendes Doppelleben:

Im Alltag ist Bruce Wayne Millionär und ein angesehener Bürger seiner Vaterstadt Gotham. Nachts fliegt er jedoch in seinem extra für ihn konstruierten Fledermaus-Kostüm durch die Straßen auf der Jagd nach den Mördern seiner Eltern und nach dem Bösen schlechthin.

Batman marschiert im Fledermaus-Kostüm in einem Schwarm von Fledermäusen.Der Kämpfer für das Gute auf dem Weg zur Arbeit

Aber Batman ist nicht der einzige Maskierte in Gotham: Ihm zur Seite stehen Batwoman und sein Schüler und treuer Gefährte Robin. Auch in Batmans Welt ermöglicht die Maske einen reibungslosen Personalaustausch: Allein drei unterschiedliche Persönlichkeiten verkörpern in den Comics Robin und als Batman einmal eine ganze Weile kampfesmüde ist, übernimmt Robin sogar seine Rolle, indem er in sein Kostüm schlüpft.

Der Superheld, der seine Maske verlor

Superman

Ja, es gibt noch „Superman“, aber der trug nur in den ersten Monaten seiner Abenteuer eine Maske. In den 1930er-Jahren von den beiden US-Amerikanern Jerry Siegel und Joe Shuster erschaffen, hatte er in seiner heute bekannten Form 1938 seinen ersten Auftritt. Davor gab es ihn in der „Entwurfsphase“ mit einer Gesichtsmaske, die aber irgendwann an einem Tag im Mai 1932 in den Skripten und Zeichnungen nicht mehr zu sehen war. Siegel und Schuster haben sich nie darüber geäußert, warum sie verschwand.

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Ein Held mit Problemen

Spiderman

Nicht nur Schutz und Anonymität, sondern auch die Verpackung übernatürlicher Kräfte bietet die Maske den Superhelden wie Spider-Man. Im richtigen Leben ist Spider-Man der eher schüchterne Teenager Peter Parker. Durch den Biss einer radioaktiv verseuchten Spinne verfügt er über die Fähigkeiten einer riesigen menschlichen Spinne.

Spider-Man erschien erstmals 1962 als Comic und war von Anfang an ein schwieriger Held: Spinnen sind keine Sympathieträger. Aber Peter Parker war ein so menschlicher und oft auch Mitleid erregender Held – etwa wenn er sich sein erstes Spider-Kostüm selbst näht und sich dabei immer in den Finger sticht – dass er schnell eine treue Fangemeinde fand.

Er ist der Einsamste der Maskierten: Niemand soll von seinem Spinnen-Doppelleben erfahren, und niemals wird er das ersehnte ganz normale Familienleben haben, denn der Auslöser seiner Superkräfte, die radioaktive Verseuchung, verbietet ihm jede Hoffnung auf Partnerschaft und Fortpflanzung.

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Der größte Liebhaber der Welt

Don Juan DeMarco

Und noch ein maskierter, frustrierter Teenager – in einem Film von 1995: Ein liebeskranker junger Mann, der sich mit Augenmaske und Flattermantel in den Tod stürzen wollte, wird in die Psychiatrie eingewiesen. Er behauptet, Don Juan DeMarco zu sein, der größte Liebhaber der Welt, der 1000 Frauen verführte, ohne die Richtige zu bekommen.

Die Zwangsvorstellung entpuppt sich als reale Kunst. Der maskierte Don Juan versteht es, immer mehr Psychiatrieangestellte in seine Welt der Verführung hinüberzuziehen. Auch wenn er zum Schluss die Maske ablegt und seine reale durchschnittliche Existenz zugibt, begreifen letztlich alle Beteiligten, dass ein maskiertes Leben vielleicht das bessere sein könnte.

Maskenträger wider Willen

Hannibal Lector

Wenn der von Thomas Harris erfundene und 1991 von Anthony Hopkins in “Das Schweigen der Lämmer” gespielte, hoch kultivierte Kannibale Dr. Hannibal Lecter seine Zelle verlässt, muss er neben Handschellen und Fußfesseln auch eine Maske als Beißschutz tragen.

Meist handelt es sich dabei um eine groteske Ledermaske, manchmal wählt die Justiz aber auch eine Art Maulkorb, die die Nase des Maskenträgers erheblich quetscht und ein gewisses Mitleid beim Betrachter hervorruft.

Und obwohl jeder Zuschauer froh wäre, wenn Hannibal bei einem persönlichen Treffen seinen Beißschutz tragen würde, entsteht doch der Eindruck, dass erst die zwangsverordnete Maske den promovierten Kannibalen zum fürchtenswerten Monster macht.

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Tryrann in eiserner Lunge

Darth Vader

Darth Vader, Vertreter der Macht des Bösen, kämpfte früher auf der Seite der Guten. Im Kampf gegen seinen einstigen Lehrer ist Anakin Skywalkers Körper zerstört worden, und nun wird er nur durch eine Ganzkörpermaske am Leben erhalten.

Die Maske ähnelt einer klassischen Rüstung: Sie ist Schutz und Abschreckung zugleich und macht den Träger zu einer furchteinflößenden Kampfmaschine. Selten wird die Funktion der Maske als die andere Seite einer Persönlichkeit, als das “zweite Gesicht” so deutlich wie bei Darth Vader, dem dunklen Helden der Sternen-Saga “Star Wars”.

Wenn das Gesicht zur Maske wird

Der Joker

Masken machen Angst und schüchtern ein: Man weiß nicht, wer und was sich dahinter wirklich verbirgt. So ist die völlig ausdruckslose weiße Maske des Teenager-Mörders Michael Myers aus den “Halloween”-Filmen in ihrer absoluten Ausdrucks- und Alterslosigkeit für seine Opfer eine Botschaft:

Diesen Menschen kann nichts berühren – solange er die Maske als sein zweites Gesicht, seine dunkle Seite trägt. Der Bösewicht Jack Napier, genannt der Joker, entstand in den 1940er Jahren in den Batman-Comics. Der Massenmörder, der sein wahres Gesicht bei einem Säureunfall und einer anschließenden missglückten Gesichtsoperation verloren hat, wurde im Laufe der Zeit – nicht zuletzt durch seine Filmdarsteller – zum Inbegriff des anarchistischen Bösewichts.

Bild: imdB (Vielen Dank)
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Die Alptraumgestalt

Freddy Krüger

Fred „Freddy“ Krueger ist ein fiktiver Serienmörder und die Hauptfigur der Nightmare-Filmreihe. Das Auffälligste an Freddy Krueger sind sein brandnarbiges Gesicht (über das diskutiert wird, ob es sich um eine Maske handelt) und ein Handschuh an der rechten Hand mit Klingen am Ende der Finger (mit Ausnahme des Daumens). Krueger trägt einen rot-grün-quergestreiften Pullover, einen braunen Schlapphut und eine einfache braune Stoffhose. Von seinem Adoptivvater nur schikaniert und gedemütigt, von seinen Mitschülern gemobbt und als „Sohn von hundert Irren“ verspottet, entwickelt Freddy recht früh soziopathisches Verhalten.

Unter anderem tötet er Tiere und verletzt sich selbst. Ist er zu Beginn der Serie beinahe stumm, so entwickelt er über die folgenden Filme hin einen überaus zynischen augenzwinkernden Humor, der sich in pointierten Einzeilern, Nachspielen von Film-Klischees und blankem Sadismus äußert. Krueger tötet seine jugendlichen Opfer in aller Regel, indem er ihre persönlichen Schwächen ausnutzt.

Er machte "Halloween" bekannt

Michael Myers

Immer wieder kochen die Gerüchte hoch, ob es sich bei den “Halloween”-Filmen um eine wahre Geschichte handelt bzw. ob es Michael Myers wirklich gegeben hat. Die schlechte Nachricht: Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Bekannt wurde Michael weniger durch seine Maske, als mehr durch seinen Atem, der dann zu hören ist, wenn er sich dicht hinter seinem nächsten Opfer befindet. Lt. Filmgeschichte soll Michael als Sechsjähriger seine Schwester ermordet haben, nach 15 Jahren am Vorabend von Halloween aus einer psychiatrischen Klinik ausgebrochen sein, in unzähligen Fortsetzungen unzählige Menschen umgebracht haben und schließlich – scheinbar – getötet wird. So sicher ist das aber nicht.

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In der nächsten Folge:

Die Geschichte der Masken

Die Memoiren der Maske

Seit der Mensch weiß, dass er kein Tier ist, trägt er Masken. Um Angst zu verbergen. Um zu erschrecken. Um sich stärker zu fühlen, als er ist. Um wild miteinander zu tanzen. Um anonymen Sex zu haben. Um Teil einer Gemeinschaft zu sein. Und meistens: um dem Tod zu trotzen.

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