Stresemanns Ganz normal

Die Geschichte des Radios (10): Zwischen Propaganda und Berichterstattung – Rundfunk in der DDR

Die Geschichte des Radios

Zwischen Propaganda und Berichterstattung – Rundfunk in der DDR

Folge 10: 1950 – 1964

Im Spannungsfeld zwischen der von der Staatsmacht gestellten Aufgabe der “Herausbildung des sozialistischen Bewusstseins” und den Wünschen seiner Hörer nach Unterhaltung, Information und Bildung führte der Rundfunk in der DDR ein schwieriges Dasein. Die Mitarbeiter der Sendeanstalten versuchten, den Anforderungen “beider Seiten” gerecht zu werden.

Die Geschichte des Rundfunks in der SBZ/DDR begann schon wenige Tage nach dem Ende des Krieges. Am 13. Mai 1945 begann im sowjetisch besetzten Berlin der Rundfunkbetrieb mit den Sendungen “Hier spricht Berlin!” aus dem “Haus des Rundfunks” in der Masurenallee, der ehemaligen nationalsozialistischen Sendezentrale.

Daraus entwickelte sich unter Kontrolle der sowjetischen Militärregierung der Berliner Rundfunk. Im Herbst desselben Jahres kam in Leipzig der “Mitteldeutsche Rundfunk” hinzu, später gingen die Landessender Dresden und Schwerin, dann auch Halle, Erfurt und Potsdam auf Sendung. Sie alle standen unter Kontrolle des “Berliner Rundfunks”, der von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) geleitet wurde.

07.10.1949 – Der Volksrat wird provisorische Volkskammer der DDR
Sitz des DDR-Rundfunks war das Funkhaus Nalepastraße, das über hervorragende Aufnahmestudios und Konzertsäle verfügte. (Bild: Funkhaus in der Nalepastrasse, Aufnahme von 1992. Foto: Imago/Rolf Zöllner)

Der mit Walter Ulbricht nach Ende des Krieges aus Moskau gekommene Hans Mahle (“Gruppe Ulbricht”) übernahm die Leitung des zur Zentrale ausgebauten “Berliner Rundfunks”. Erst am 12. Oktober 1949 übergab die SMAD die Kontrolle des Hörfunks an die Regierung der gerade gegründeten DDR.

Landessender werden zentralisiert

Mit Beseitigung der Länderparlamente und Errichtung der Bezirke nach der II. Parteikonferenz der SED 1952 (“planmäßiger Aufbau des Sozialismus”) erfolgte der Umbau des föderal strukturierten Rundfunks in eine zentral auf Berlin hin ausgerichtete Behörde. Am “Staatlichen Rundfunkkomitee” fand der Hörfunk der DDR (neben einem Intendanzbereich für das junge Fernsehen) seinen Sitz. Alle Landessender wurden entweder aufgelöst oder in den Berliner Sender übernommen. Dem Gesetz nach ein Staatsorgan, wurde der Rundfunk jedoch sofort dem Zentralkomitee der SED unterstellt. Die “Abteilung Agitation und Propaganda” hatte die vollständige Kontrollmacht über zentrale Sender und lokale Studios. Rundfunk in der DDR war von Beginn an Staatsfunk im Dienste der Partei.

Mit der rasanten Verbreitung des Fernsehens in den 60er Jahren verlor der Hörfunk seine Stellung als bevorzugtes Medium. Am 4. September 1968 wurden Hörfunk und Fernsehen getrennt, beide Medien erhielten eigene Komitees beim Ministerrat, das “Staatliche Komitee für Rundfunk beim Ministerrat der DDR” blieb aber nach wie vor unter Kontrolle und Weisung der SED.

16.06.1953 – Nachrichten der DDR

Sendervielfalt mit oft gleichem Einerlei

Auf fünf großen Stationen sendete der Rundfunk in der DDR: “Radio DDR I” bot Nachrichten- und Unterhaltungsprogramme, ihm waren die Regionalprogramme angeschlossen. Das 1964 entstandene “Radio DDR II” brachte vornehmlich Kultur- und Bildungsprogramme, die “Stimme der DDR”, die aus der Verschmelzung der auf West-Berlin und die Bundesrepublik ausgerichteten Sender “Berliner Welle” und “Deutschlandsender” 1971 hervorgegangen war, wandte sich an deutschsprachige Hörer außerhalb der Grenzen der DDR und war neben dem in vielen Sprachen produzierten “Radio Berlin International” das Sprachrohr der DDR nach außen.

DDR-RUNDFUNK”Power von der Eastside!” – Jugendradio DT 64

Auf die Hauptstadt selber konzentrierte sich der bevorzugt behandelte “Berliner Rundfunk”. “DT 64” schließlich sollte nach dem Vorbild westlicher Sender die Jugend in der DDR an sich binden und durch mancherlei Freiheiten in der Programmgestaltung das Abwandern der Hörerschaft auf die Stationen des “kapitalistischen Auslandes” verhindern.

Hervorgegangen war das “Jugendradio DT 64” aus dem Jugendstudio “DT 64” des “Berliner Rundfunks” während des letzten Deutschlandtreffens der Jugend 1964 – daher sein Name. An Kritik am neuen Sender mangelte es nicht. Auf dem 11. Plenum des ZK der SED von 1965 beschwerte sich der ehemalige Vorsitzende des FDJ-Zentralrats Erich Honecker über die Inhalte des Programms und verlangte eine engere Anbindung an die FDJ:

30.07.1989 – DT64 – Nachrichten

Den Erscheinungen der amerikanischen Unmoral und Dekadenz wird nicht offen entgegengetreten. Das gilt besonders für den Bereich der heiteren Muse und der Unterhaltung, für einzelne literarische Arbeiten und leider auch für viele Sendungen im ‘DT 64’. Über eine lange Zeit hat ‘DT 64’ in seinem Musikprogramm einseitig die Beatmusik propagiert.

Doch trotz – oder gerade wegen – der Nähe zur FDJ konnte sich der Sender bis zum Ende der DDR halten. Ab 1987 besaß das zuvor dem “Berliner Rundfunk” angegliederte “Jugendradio DT 64” eine eigene Intendanz und Frequenz und wurde dadurch immer unabhängiger von der ansonsten alles kontrollierenden Instanz des “Staatlichen Rundfunkkomitees beim Ministerrat der DDR” und der ZK-Abteilung für Agitation und Propaganda.

Auch die parteitreue Führung der FDJ nahm die unorthodoxe Gestaltung des Senders hin, um seine hohe Akzeptanz und Beliebtheit nicht zu gefährden. Der große Anteil westlicher Popmusik sowie die jugendgemäße Sprache und Aufmachung sollten die DDR-Jugend daran hindern, auf andere, bundesrepublikanische Sender zurückzugreifen. Das Konzept ging auf: trotz und ob seiner kritischen Berichterstattung feierte das “Jugendradio DT 64” in der Hörfunklandschaft der DDR bislang ungekannte Erfolge.

Mit der Umgestaltung der zentralistischen Hörfunkstruktur nach dem Ende der DDR 1990 sollte auch das “Jugendradio DT 64” aus dem Äther verschwinden. Es kam zu einer bis heute einzigartigen Protestwelle und Rettungsbewegung der Hörerschaft, die sich der Abschaltung entgegenstellte. Seit 1993 ist MDR Sputnik in seine Fußstapfen getreten und gilt als Nachfolger von DT 64.

In der nächsten Folge:

1955 – 1965
“Ja, meine Damen und Herren, es geht weiter!”

Mit einer Auffächerung auf mehrere Programme pro Bundesland bedient der Rundfunk nun auch verstärkt spezielle Hörergruppen, von den sogenannten Gastarbeitern bis zur bisher arg vernachlässigten Jugend. Magazinsendungen, Beatmusik und unkonventionelle Moderationen halten Einzug ins Programm. Die Einführung der Stereofonie im Rundfunk schafft in jenen Jahren zudem auch neue Experimentierfelder in der Funkdramaturgie.

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