Stresemanns Ganz normal

Die Geschichte des Radios (12): Mauerbau, Sonntagsrätsel und Beatles

Die Geschichte des Radios

Folge 12: Die Jahre 1961 – 1970

Mauerbau, Sonntagsrätsel und Beatles

Die Zahl der Rundfunkhörer in der Bundesrepublik hat im Jahr 1961 fast 15,9 Millionen erreicht. Die Funkindustrie erlebt ihren Höhepunkt. Ende 1960 gibt es bereits fast 3,4 Millionen Fernsehteilnehmer in der Bundesrepublik.

Am 13. August 1961 wird die Zugreise des Berliner Oberbürgermeisters Willy Brandt nach Kiel jäh unterbrochen. Im Zug nach Kiel erhält Brandt um fünf Uhr morgens die Nachricht von der Schließung der Sektorengrenzen zwischen Ost- und Westberlin. Sofort sagt er alle Termine ab und fährt nach Berlin. Hier steht er vor seiner größten Bewährungsprobe. Als Betonpfähle, spanische Reiter und Stacheldraht den Weg von West nach Ost und umgekehrt versperren, verleiht Brandt der Wut und Ohnmacht der Menschen Ausdruck. Vehement verurteilt er das Geschehen. Doch Unterstützung bleibt zunächst aus. Weder Bundeskanzler Adenauer noch die drei Westmächte reagieren. Erst zögerlich und mit mehrtägiger Verspätung protestieren die vermeintlichen Beschützer Berlins.

Rias-Nachrichten und Zeitfunk am 13.08.1961
Radio DDR Nachrchten am 13.08.1961

Das Medium Radio wird wieder einmal zum Überbringer aktueller Nachrichten

Am 16. August kommt es auf Brandts Aufruf hin zu einer Massenkundgebung vor dem Schöneberger Rathaus. Plakate mit der Aufschrift “Hau auf die Pauke, Willy” oder “Vom Westen verraten?” verdeutlichen die gereizte Stimmungslage. Brandt fordert in seiner Rede drastische Maßnahmen des Westens: “Berlin erwartet mehr als Worte”. In einem Brief an John F. Kennedy äußert Brandt seinen Unmut und stellt klare Forderungen. Kennedy reagiert kühl. Von Brandts Forderungen wird lediglich eine erfüllt: Die USA schicken 1.500 zusätzliche Soldaten. Adenauer begibt sich erst am 22. August nach Berlin – drei Tage später als US-Vizepräsident Lyndon B. Johnson.

Präsident Kennedys Rede in der Frankfurter Paulskirche

Im Juni 1963 steht Berlin erneut im Fokus des Weltgeschehens. Kennedy besucht den Westteil der geteilten Stadt. Mit Brandt und Adenauer besucht er die Mauer und spricht vor dem Rathaus die berühmten Worte: “Ich bin ein Berliner.” Der US-Amerikaner befürwortet die von Brandt und Bahr begonnene Annäherung, empfiehlt kulturellen Austausch und den Ausbau des Handels mit der DDR. Nur zwei Monate später wird Kennedy in Dallas ermordet. Brandt reist zur Beerdigung seines Vorbilds und Partners in die USA und wird fast wie ein Staatsoberhaupt behandelt. Johnson empfängt ihn im State Department, Jackie Kennedy lädt ihn ins Weiße Haus ein.

Passierscheine: Wiedersehen an Weihnachten

Einen Teilerfolg für seine Bemühungen, die Mauer zumindest durchlässiger zu machen, kann Brandt im Winter 1963 verbuchen. Dank eines Passierschein-Abkommens mit der DDR-Führung können Westberliner über Weihnachten Verwandte und Freunde im Osten besuchen. Die Anbahnung dieses Abkommens erweist sich als knifflige diplomatische und juristische Aufgabe, denn eine Anerkennung der DDR als legitimer Staat soll unter allen Umständen vermieden werden. Mit Billigung von Kanzler Ludwig Erhard führt der Westberliner Senat Gespräche, die ab dem 18. Dezember 1963 – Brandts 50. Geburtstag – bis zum Jahreswechsel 1963/64 Besuche von Westberlinern im Ostteil der Stadt ermöglichen.

Berichte über den Mauerbau 1961

Radio ersetzt Tageszeitungen

Das Radio springt immer dann ein, wenn andere Medien schwächeln – so auch 1962 während des großen Zeitungsstreiks in New York. Der Sender WABC 95.5 FM trifft eine weitreichende Entscheidung: Das Programm wird auf Nachrichten umgestellt, 17 Stunden täglich werden sie ausgestrahlt. Erst einige Jahre später entstehen „echte“ Nachrichtensender, die 24 Stunden News ausstrahlen, wie beispielsweise 1010 WINS im April 1965.

Vier große Tageszeitungen, darunter die New York Times, wurden 114 tage lang bestreikt, vom 8. Dezember 1962 bis zum 31. März 1963. Fünf weitere Zeitungen konnten wegen Aussperrungen nicht erscheinen. Neben Lohnerhöhungen forderten die Gewerkschaften Regelungen für den Fall, dass Druckmaschinen automatisiert werden würden.

Start des DDR-Jugendsenders DT64

Kaum haben die Beatles von Hamburg aus die westliche Welt erobert, schießen auch in der DDR-Beatgruppen aus dem Boden. Mit dem Jugendkommuniqué von 1963 hatte die SED den Eindruck vermittelt, dass Aufbruch und Veränderung im Rahmen des Sozialismus möglich sind. Trotz der Skepsis Konservativer geht das Jugendradio “DT64” auf Sendung. 1968 wird es zum gleichnamigen Sender.

Radio in mehreren Sprachen

Der Zweite Weltkrieg hinterlässt tausende Kinder, Geflüchtete und Soldaten verstreut und ohne Kontakt zu ihren Familien. Das Wirtschaftswunder bringt »Gastarbeiter*innen« in die junge Bundesrepublik, fernab ihres Zuhauses. Weltweit flüchten Menschen vor Katastrophen, Konflikten und Kriegen. Für viele ist das Radio eine Verbindung – zu Familie und Freunden in der Ferne, der alten wie neuen Heimat.Radio in mehreren Sprachen.

Der STEREO-Rundfunk nach dem „multiplex Verfahren“ sendet ab 1963 regelmäßig. Zwei Jahre später wurde erstmals »Das klingende Sonntagsrätsel«  eine gesamtdeutsche Unterhaltungssendung ausgestrahlt, die in West und Ost für viele zum Sonntag dazu gehörte. Wer das richtige Lösungswort einsandte, konnte einen kleinen Gewinn erhoffen, musste aber in der DDR mit staatlichen Repressalien rechnen. Die Post wurden von der Stasi geöffnet, ausgewertet und einbehalten, ihre Verfasser eingeschüchtert, diszipliniert, auch verhaftet.

Radio Bremen in den 60er-Jahren
Hessischer Rundfunk – Bei uns daheim – Der Hexenschuss – 1962

Radio als „Begleitmedium“

Was wir heute kaum glauben können: Bis in die 70er Jahre schalteten die Hörer das Radio ganz gezielt für eine bestimmte Sendung ein. Hörer hatten ihre Lieblingszeit, nicht aber ihren Lieblingssender. Mit der Einführung des Fernsehens – die große Konkurrenz des Radios – wurde das Radio immer mehr zum Begleitmedium. Die Hörer warteten nicht mehr, bis „ihre“ Sendung kam.

Der Bayrische Rundfunk in den 60er-Jahren

Entsprechend boten die Sender mehr Abwechslung, mehr Nachrichten, schnellere Berichterstattung und viel Musik. Die ARD-Anstalten starteten Anfang der 70er Jahre zusätzliche Pop- und Servicewellen. Die SWF 3-Sendung “Pop Shop” wurde zum Hörermagnet.

Allein gegen alle – Die Geschichte einer Radiosendung

Aufgrund des Babybooms der Nachkriegszeit gab es in den 1960ern eine riesige Zahl an partywilligen Jugendlichen. Entsprechend brodelte und swingte eine ganze Generation voller Musik- und Modefans. Das Radio war mit immer neuen Musiksendungen dabei. Bands wie die Beatles, Pink Floyd oder die Rolling Stones feierten ihren Durchbruch und schrieben Musikgeschichte.  

“Die 12 der Woche” mit Ruth Kappelsberger 1964
“hallo Twen” mit Manfred Sexauer 1967
“Internationale Hitparade” mit Wolf-Dieter Stubel 1968
Portrait eines Radio-Moderators: Hermann Haarmann 1962

Zu dieser Zeit entwickelten sich aus den einfachen, meist tragbaren Transistorradios Stereo-Gerätekombinationen mit Kassettenrecordern.


In der nächsten Folge:

Das andere Radio startete in den 70ern

Nach anfänglichen Diskussionen hatten die Ministerpräsidenten der Länder keine Einwände. So startete Anfang der 70er-Jahre ein anderes Radio! Fast unbemerkt, weil es nur einen bestimmten Hörerkreis haben durfte: Das Patienten-Radio.

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