Die Karriere des stillen Örtchens (1)

Wer würdigt schon etwas, was immer da ist, aber über das nicht geredet wird. Dabei ist es über 5000 Jahre alt: Unser Klo. Stresemann meint, es ist mal an der Zeit diesem Örtchen die notwendige Ehrung zuteil werden zu lassen. Denn so still wie es um unser Klo geworden ist, war es nicht immer. Zu manchen Zeiten war der öffentliche Toilettengang sogar ein gesellschaftliches Ereignis. Die Geschichte des Klos verrät einiges über die Menschheit.

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Foto: Mit Genehmigung des Bayrischen Rundfunks

Die Briten waren die ersten mit einem Klo

Wenn Archäologen im Staub nach Überresten vergangener Kulturen suchen, stoßen sie nicht immer auf wertvolle Schmuckstücke oder ausgefeilte Waffen, manchmal finden sie auch nur ein Klo. Immerhin wissen wir dank grabwütiger Forscher, dass unser Klosett Vorfahren hat, die schon tausende Jahre alt sind.

Antikes_WCFunde aus Schottland belegen, dass es auf der britischen Insel schon vor 5.000 Jahren Klos gegeben haben muss. Die Sumerer im heutigen Irak sollen sogar schon über Toilettenräume mit Wasserspülung verfügt haben. Und auch bei den alten Indern, Ägyptern und Kretern soll es sehr sauber zugegangen sein.

 

Das erste uns bekannte Klo befand sich um 2800 vor Christus im Palast des Königs Minos auf der Insel Kreta. Nach gefundenen Zeichnungen war es ein kleines Zimmer in der Größe von 1 mal 2 Metern, mit einem hölzernen Sitz und gipsverputzten Wänden. Der Clou war der schräge Fußboden, der ständig mit Wasser bespült wurde. Beim Zustand so mancher heutigen Toilettenfußböden wäre diese Erfindung bestimmt auch ganz wirkungsvoll.

Römer bauten Klos mit Stil

Die Hochkultur des Klos herrschte in der Antike im alten Rom. Während es in einem durchschnittlichen römischen Zuhause eher schlicht zuging – die Toilette bestand aus einem Fass, in das die Hausbewohner den Inhalt ihrer Nachttöpfe kippten – besaßen die Reichen sogar schon richtige Privatklos. Die meisten Menschen benutzten allerdings die öffentlichen Latrinen, in denen es durchaus gesellig zuging. Das erste bekannte Massenklo befand sich im römischen Amphitheater. Bei 80.000 Stehplätzen und 20.000 Sitzplätzen war die Einrichtung einer Toilettenanlage auch dringend angebracht. So gab es einen Raum, in dem sich 25 Sitze im Kreis befanden, allerdings nicht nach Geschlechtern getrennt. Das fand sich erst in der römischen Kolonie Timad und war jeweils 8 Meter lang und hatte je 25 Sitze für Männer und Frauen.

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Foto: Von Fubar Obfusco – en.wiki,

Die Hygiene-Einrichtungen ohne Trennwände und Privatsphäre boten Platz für 50 bis 60 Personen, da kam man leicht ins Gespräch. Vor allem die römischen Prachtlatrinen mit Mosaiken, Fußbodenheizung, verzierten Säulen und Marmorsitzen luden zum Verweilen und Plauschen ein. Nebenbei verrichtete man seine Notdurft, die im besten Fall in einen Wassergraben und von dort direkt in die Cloaca Maxima, den großen Abwasserkanal, floss.

Die Existenz von Latrinen war vormals für verschiedene Handwerke wichtig, weil Urin Ammoniak enthält und zum Textilienfärben, Gerben und Lederfärben sowie zum Wäschewaschen verwendet wurde. Das Sprichwort „Pecunia non olet“ (Geld stinkt nicht) hat seinen Ursprung in einer römischen Latrinensteuer.

Die Rittersleut nutzten den „Donnerbalken“

Mit dem Zerfall des Römischen Reiches war auch die gehobenere Klokultur futsch. Im Mittelalter hatten die Menschen Besseres zu tun, als sich um ihre Hygiene zu kümmern. Das Volk machte wieder in den Nachttopf, den es ungestraft auf der Gasse entleerte. Wer nachts spazieren ging, heuerte sich einen Begleiter an, der voraus ging und lautstark vor stinkenden Häufchen warnte.

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Foto: Bayrischer Rundfunk

Natürlich hatten die alten Rittersleut auch ihr Klo. Weniger komfortabel als die alten Römer zwar, aber dennoch recht nützlich. In der Burg Birkenfels im Wasgau befand sich ein Abtritt in einem der Burgtürme. Er war in die Mauer eingebrochen und etwa 1 Meter 70 hoch und 1 Meter 35 breit. Benutzer mussten gebückt in diese Art Loch steigen. Bei Sturm und Nacht auf diesem Abtritt zu sitzen, muss besonders unangenehm gewesen sein, denn bis heute hat sich aus der Zeit das Wort „Donnerbalken“ überliefert. Die Burg Eltz an der Mosel hat übrigens 14 Aborterker, weil es sich seinerzeit empfahl, sein Geschäft direkt nahe der Wohnräume zu verrichten. Interessant war die Anordnung der Aborterker, denn die oberen saßen schräg über den unteren Erkern, damit man sich gegenseitig nicht besudelte. Das funktionierte allerdings nur, solange kein Südwind aufkam.

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Foto: dpa

In den mittelalterlichen Städten sah das allerdings ein wenig anders aus, denn Abfall und Fäkalien wurden einfach auf die Straße gekippt. Latrinen waren hier wichtige archäologische Quellen, da außer den Exkrementen auch andere Abfälle in die Gruben gelangten und die Erhaltungsbedingungen für organisches Material wegen des Sauerstoffmangels und dadurch fehlender Oxidations- und Gärprozesse dort meist gut sind.

Das Klo kam in die Küche

Leonardo da Vinci skizzierte 1490 einen Klosettdeckel, der den Vorzug besaß, sich zu drehen und nach Gebrauch heruntergeklappt werden sollte. Leider ist diese Skizze nie von ihm umgesetzt worden, dennoch gilt er als eigentlicher Erfinder unserer heutigen Toilettenbrille.

Immerhin verordnete man um 1500 in München, dass jeder seinen Mist noch am gleichen Tag von der Straße zu entfernen habe. Öffentliche Toiletten waren rar gesät, nur in London, Basel und Frankfurt am Main soll es ein paar gegeben haben. Privatklos waren noch seltener. Die Stadt Nürnberg rügte sogar den Maler Albrecht Dürer, weil er heimlich eine Toilette in seine Küche eingebaut hatte. Als berühmter Bürger der Stadt erließ man ihm aber großzügig die Geldstrafe für die bauliche Ordnungswidrigkeit.

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1596 installierte der englische Dichter Sir John Harrington in seinem Haus in Kent ein Wasserklosett mit Spülkasten. Damit beeindruckte er sogar das Königshaus: Elisabeth I. adaptierte es später für ihr Schloss. Foto: BR

Im Jahr 1596 erfand Sir John Harington das Wasserklosett. Seine Erfindung geriet aber wieder in Vergessenheit und das obwohl er ein Buch mit der genauen Bauanleitung seiner Erfindung geschrieben hatte.


In der nächsten Folge lest ihr etwas über stinkende Schlossgärten, gekrümmte Abflussrohre und Klo-Innovationen.

 

Das Beitragsbild wurde mir freundlicherweise vom Bayrischen Rundfunk (BR) für diesen Beitrag zu Verfügung gestellt.