Stresemanns Ganz normal

Die Rückkehr des “Lächelns”

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Ein breites, zahniges Grinsen, das von einer Kamera eingefangen wird, mag in Zeiten von Selfies mit Entengesicht fast wie ein altes Relikt erscheinen, aber durch Corona hat sich die Kontaktmöglichkeit mehr und mehr auf die Ansicht über Webcams verlagert. So ist nur schwer zu erkennen, wie es dem Gegenüber auf dem Bildschirm eigentlich geht. Es wird nun nach Möglichkeiten gesucht, das „Lächeln“ zu erfassen  

Im digitalen Zeitalter verwenden Arbeitgeber immer ausgefeiltere Methoden, um das Verhalten und das Engagement der Mitarbeiter in ihrer Arbeit zu beobachten. Neben Online-Umfragen zur Erfassung der emotionalen Zustände von Mitarbeitern werden Webcams und Software verwendet, um Emotionen zu verfolgen und zu verwalten, einschließlich der Schulung von Mitarbeitern in angemessenen Gesichtsausdrücken

“Hebe den Mundwinkel hoch!”

Zum Beispiel begann die japanische Keihin Electric Express Railway Company vor etwa zehn Jahren, ihre 500 Mitarbeiter zu bitten , jeden Morgen über ein Computersystem zu lächeln . Die Lippenkrümmung und die Gesichtsfalten wurden analysiert und eine Bewertung von 100 für die Qualität des Lächelns mit Rückmeldungen wie „Heben Sie Ihre Mundwinkel an“ vergeben. Die Arbeitnehmer konnten sogar einen Ausdruck eines idealen Lächelns als Referenz heranziehen.

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Obwohl diese Beispiele für Systeme zur Erfassung von Lächeln seltsam erscheinen mögen, kennen viele von uns bereits etwas, das mittlerweile zu einer unauffälligen Kapazität der heutigen Digitalkamera geworden ist. Die meisten sind mit der “Smile Detection” -Technologie ausgestattet. Sobald ein Gesicht auf dem Bildschirm erkannt wird, sucht die Software nach den offenen Augen und nach oben gerichteten Mündern, die mit einem Lächeln verbunden sind, und nimmt das Foto erst auf, wenn diese erkannt werden. Der Benutzer kann zwischen einem kleinen Lächeln und einem großen Grinsen wählen.

Natürlich haben wir schon früher Emotionen vor Maschinen simuliert. Als sich die Kamera als vertrauter, wenn nicht als Freund in der Welt niederließ, fühlten sich die Probanden oft gezwungen, einen bestimmten Blick zu werfen: ein Lächeln. Der Slogan „ Kodak kennt keine dunklen Tage “ wurde in den 1920er Jahren von der dominierenden Fotofirma übernommen. Jahrzehntelang konzentrierten sie sich darauf, glückliche Erfahrungen zu nutzen und Menschen zum Grinsen zu bringen.

Vom Käse- zum Spatzengesicht

Die Selfie-Kultur hat unverwechselbare Gesichtsausdrücke sowie Werkzeuge wie den Selfie-Stick hervorgebracht. Der Selfie-Schmollmund ist historisch entstanden: Er erfordert kein Lächeln und schon gar kein Lachen. Selfies haben ihr eigenes Repertoire an Standpunkten: das Entengesicht, das Spatzengesicht, das Fischklaffen – von denen das letzte die Zähne auf die kontrollierte Weise wieder in das Bild zurückbringt, wie es das Kodak-Lächeln manchmal erlaubte.

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Brauchen wir Computersysteme oder Selfies um zu lächeln? Soll das bedeuten, wir haben das „Lächeln“ verloren? Vielleicht ist es auch hier nur der Zwang, etwas zu vereinfachen, so wie „Wenn ich den Finger hoch hebe, lächle ich!“ Dabei ist der Ursprung so einfach: „Hebe deine Mundwinkel hoch“, nicht für oder vor dem Bildschirm, sondern immer. Lass das „Lächeln“ nicht sterben. Wir brauchen es – täglich! 

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