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Eine Zitrone namens “Zitrön”

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Nein, Werbung ist es nicht: Weder in diesem Blog noch für das Unternehmen selbst. Da hat sich ein Autohersteller aus Frankreich gedacht, mal eben kurz seinen Namen zu ändern: Aus „Citroën“ wurde „Zitrön“. Als Grund wurde genannt, dass wir Deutschen „Citroën“ nie richtig aussprechen konnten.

Ja, das stimmt. Ich jedenfalls habe den Firmennamen kaum in den Mund genommen und wenn, dann eben falsch. Dabei war ich lange Jahre stolzer Besitzer mehrer Citroën‘s (Da geht es schon los: Schreibt sich das so? Hallo, Paris bitte melden!). Aber ganz ehrlich: Es haben mich nur die Autos interessiert, der Firmenname war zweitrangig. Und eigentlich war es ein Auto: Und auch das wurde von meinem Bekanntenkreis und von mir kaum mit seinem richtigen Namen genannt: Den „Citroën 2CV“ nannten wir liebevoll „Ente“ und sie war die Erfüllung unserer Wünsche.

Endlich konnten wir auf einfache und billige Art reisen. Den Tank mit Benzin für nur 20 Mark auffüllen war kein Traum, sondern in den frühen 70er-Jahren noch Realtität. Spontan wurden die Wochenenden mit Fahrten zu Enten-Treffen verplant. Außer einem Schlafsack, Bier und Zigaretten hatten wir nur wenig dabei. Warum auch: Am Ziel angekommen, wurden die Vordersitze rausmontiert und dienten als Campingstühle am Lagerfeuer. Gepennt wurde im Auto, die Füße im verlängerten Kofferraum. Wer es sich leisten konnte, der stieg um: Von der 2CV4 auf die 2CV6, vom 435-cm³-Motor mit 17 kW (23 PS) auf den 602-cm³-Motor mit zunächst 21 kW (28 PS) bei 6750/min, Kurios: Einen Aschenbecher gab es nur als Sonderausstattung. In den Jahren 1974 bis 1984 hatte ich fünf verschiedene „2CV“ und ich würde sie heute noch fahren, wenn der Bau der „Ente“ im Jahre 1988 nicht eingestellt worden wäre.

Fahrbericht über den 2 CV – Das Kultauto

Die Umbenennung von „Citroën“ auf „Zitrön“ erwies sich als Werbe-Gag zum 100-jährigen Bestehen der Firma. In einem viereinhalbminütigen Videoclip (siehe unten) präsentiert der Hersteller die Umbenennung, stilistisch zwischen Fernsehdokumentation und der TV-Kultserie um das Büro-Ekel Stromberg – und äußerst unterhaltsam. Immerhin ist für viele Zuschauer dieser Werbe-Gag besser, als der zum Muttertag von Edeka. Im sozialen Netzwerk Twitter schlagen Nutzer bereits eine Ausweitung der Kampagne vor – etwa die Umbenennung der Schwestermarke Peugeot in „Pöscho“ oder der Konkurrenten Renault in „Röno“ und Skoda in „Schkoda“. Und auch die Elektroauto-Sparte könnte eine Umbenennung vertragen, wünschen sich Autofans – dann wäre der Weg für die „Zitrön-e“ auf Deutschlands Straßen frei. Zur Beruhigung von Netz-Gemeinde und Autobesitzern greift „Citroën“-Deutschlandchef Schlimme in der letzten Woche unter seinen Schreibtisch und tauscht seinen neuen „Zitrön“-Wimpel gegen ein altbekanntes „Citroën“-Schildchen. Der Name, sagt er noch, sei doch gar nicht so schwer: „Probieren Sie es einfach mal aus.“

Ob wir Deutschen den Namen je richtig aussprechen werden? Warum eigentlich nicht zeitgeistig „Dzidrün“?

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Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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