Stresemanns Ganz normal

Fremde sind wir uns selbst

Fremde sind wir uns selbst

Die Ausstellung „Fremde sind wir uns selbst“ im Von der Heydt-Museum in Wuppertal widmet sich bis zum 29. Januar 2023 Fragen der (Selbst-) Darstellung und Repräsentation in der Bildenden Kunst seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Anhand von Hauptwerken aus der Sammlung des Museums wird erfahrbar, wie sich gesellschaftliche und soziale Rollenvorstellungen in Bilder vom Menschen einschreiben und wirken.

Paula Modersohn-Becker
Kopf eines kleinen Mädchens mit Strohhut, um 1904
Kunst- und Museumsverein im Von der
Heydt-Museum Wuppertal

Das Spektrum reicht von Gemälden der klassischen Moderne, etwa von Paula Modersohn-Becker Emmy Klinker, Henry de Toulouse-Lautrec, Christian Schad und Felix Vallotton, über Werke von WOLS, Francis Bacon und Miriam Cahn bis in die Gegenwart, u. a. vertreten durch Tobias Zielony und Zanele Muholi.

Heinrich Maria Davringhausen
Herrenbildnis, 1922
Kunst- und Museumsverein im Von der
Heydt-Museum Wuppertal
© Nachlass_Davringhausen

Der Titel der Ausstellung ist Julia Kristevas gleichnamigem Buch aus dem Jahr 1990 entliehen, das um die Spannung zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung kreist. Im selben Maße, so Kristevas zentrale These, in dem wir einander fremd sind und uns gegenseitig beargwöhnen, sind wir auch uns selbst fremd – und bleiben es. Und gerade dies erkennt die Philosophin als Schlüssel im Umgang mit dem Anderssein.

Edgar Degas
Bildnis einer jungen Frau, um 1886
Kunst- und Museumsverein im Von der
Heydt-Museum Wuppertal

Anhand der Werke in der Ausstellung lassen sich jene Ambivalenzen und Spielräume ausloten, die zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung bestehen. So offenbart sich, wie die Wahrnehmung eines Menschen durch die Inszenierung eines Bildes gelenkt oder beeinflusst wird. In Paula Modersohn-Beckers Figurenbildnissen etwa wird das Persönliche und Individuelle abstrahiert, um zu einer Verallgemeinerung und zu einer neuen, eigensinnigen Form zu finden.

Oskar Kokoschka
Italienerin (Bildnis Elisabeth Reitler),
Kunst- und Museumsverein im Von der
Heydt-Museum Wuppertal
© VG Bild-Kunst, Bonn 2022

Francis Bacon umschreibt in seinen Gemälden menschliche Extremsituationen und das Ausgesetztsein des Menschen in der Welt, wobei er bildhafte Porträtdarstellungen ablehnte. Und Zanele Muholis eindrücklichen Selbstbildnisse spielen auf subtile Weise mit geschlechtsspezifischen Konventionen und zielen mit großer Konsequenz, im Sinne eines visuellen Aktivismus, auf die Auflösung repressiver Narrative.

Von der Heydt-Museum
Wuppertal
Turmhof 8
42103 Wuppertal

Di-So: 11-18 Uhr
Do: 11-20 Uhr
Mo: geschlossen

Erwachsene 12 Euro, Ermäßigt 10 Euro, Familienkarte 24 Euro. Es gilt die jeweils aktuelle Corona-Schutzverordnung.

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