Stresemanns Ganz normal

hausen & wohnen

Ein konzentrierter Raum, in dem man nicht vor sich selbst fliehen kann

Wohnen im Kloster – Ein Gespräch mit Sr. Conrada

„Ich komme durch das Eisentor hier rein — und ich komme in eine andere Welt. Das war eine Atmosphäre der Ruhe und der Stille. Das hat mich dermaßen gefangen genommen. ” Mit diesen Worten beschreibt Schwester Conrada ihren ersten Kontakt mit dem Ort, an dem sie 40 Jahre später immer noch wohnt – den Klarissenkonvent in der Münsteraner Innenstadt.

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Die agile und kommunikative Ordensfrau wohnt mit neun Mitschwestern in zwei kleinen Gebäuden etwas versteckt hinter dem St.-Paulus-Dom. Wie viele Quadratmeter genau sie bewohnen, wissen sie gar nicht. Viele können es nicht sein — das zur Straße gelegene, lang gestreckte Haus hat gerade mal eine Tiefe von fünf Metern. Aus dem Weg gehen kann man sich hier nicht. Aber das wollen die Schwestern auch gar nicht, denn für ein Leben in Gemeinschaft, an einem festen Ort für immer, haben sie sich alle bewusst entschieden. Wie funktioniert denn dann ein Zusammenleben auf so engen Raum? „Wir sind alle unterschiedlich, jede ist anders. Das Entscheidende ist, dass wir alle das gleiche Ziel haben, Wir wollen für Gott leben!” Die Berufung ist das eine, das andere ist, die anderen nicht verändern zu wollen, sondern ihr Anderssein zu respektieren. Das erfordert Geduld, ein weites Herz und den Mut, immer wieder aufs Neue Konflikte anzusprechen. Im Vertrauen darauf, dass eine Lösung möglich ist und gemeinsam gefunden werden kann. Und dass man nicht all das, was man denkt, auch laut aussprechen sollte. Stille, Schweigen und feste Gesprächszeiten sind ohnehin ein Thema im Kloster. Die Schwestern haben einen festen Tagesrhythmus vereinbart, der zwischen 6 und 20 Uhr eine immer wiederkehrende Abfolge von Gebets-, Arbeits- und Mahl- sowie gemeinsame Pausenzeiten vorsieht. Gesprochen wird den Tag über in der Regel wenig aber, so Schwester Conrada: „Es kann immer und überall das Nötigste mit leiser Stimme gesagt werden“

Auf die Frage, was es für sie heute bedeutet. selbstgewählt an einem Ort zu leben, den sie nicht nach Belieben einfach so verlassen kann, antwortet sie: „Für mich ist entscheidend, und das ist im Laufe der Jahre gewachsen, dass es hier im Kloster ein konzentrierter Raum ist und ich nicht vor mir selbst fliehen kann.

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Ein Leben in strengerer Klausur ermöglicht es. ganz bei sich und ganz bei Gott sein tu können. Und das bedeutet zugleich einen enormen Zuwachs an innerer und äußerer Freiheit, auch wenn das zunächst paradox klingen mag. „Nach fast 40 Jahren Ordensleben würde ich auch sagen, dass man in die Freiheit reinwächst: Ich muss nicht alles sofort tun, was mir in den Sinn kommt.”

Zwei Mal im Jahr können die Schwestern das Kloster für jeweils eine Woche verlassen. Sie machen dann Urlaub, besuchen ihre Familien oder entscheiden sich für Exerzitien in einem anderen Konvent. Den klösterlichen Rhythmus geben sie auch dann nicht ganz auf —  er ist ihnen nach Jahrzehnten im Kloster in Fleisch und Blut übergegangen.

Besucht man die Klarissen, dann fällt sofort auf, dass die Pforte viele Stunden am Tag besetzt ist. Die Schwestern haben vielfältige Kontakte, obwohl sie den Konvent im Alltag nur verlassen, wenn sie zum Gebet in den Dom oder zum Arzt gehen. Menschen kommen per Mail, Telefon oder eben auch ganz persönlich auf sie zu. Denn die Schwestern haben Zeit für ein Gespräch, begegnen den Menschen auf Augenhöhe und bringen ihnen unbedingte Wertschätzung und Achtung entgegen. Vermutlich ist es auch der geschützte Raum, der die Besucherinnen und Besucher anzieht. Sie können auf Verschwiegenheit vertrauen und wissen ihre Gebetsanliegen bei den Schwestern gut aufgehoben.

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„Dasein für Gott und die Menschen, das empfinde ich als total sinnvoll und das ist meine Kraftquelle. Dasein für Menschen, die suchen, fragen, Orientierung suchen; für alle, die in Leid und Freude jemanden brauchen”, sagt Sr. Conrada über ihre Berufung, ihren ganz persönlichen Ruf ins Kloster und ihre Verankerung in der klösterlichen Gemeinschaft.

Und es geht ihr dabei micht nur um den persönlichen, direkten Kontakt mit Besucherinnen und Besuchern, sondern zuerst um das Leben im Kloster, in der Gemeinschaft. „Egal was ich tue oder nicht tue, es hat Auswirkungen. Wenn ich bete, dann wird Gott das gebrauchen, er wird es einem Menschen zugutekommen lassen. Das ist meine tiefste Überzeugung!

„Ich habe vielleicht nicht alles, was ich gerne hätte, aber ich habe das, was ich brauche.”

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Menschen, die die Klarissen am Dom aufsuchen, bringen nicht selten etwas mit. Denn die Klarissen kaufen nicht selbst ein, sondern leben als kontemplativer Orden von dem, was ihre Besucherinnen und Besucher mit ihnen teilen. Und dabei ist alles willkommen, was in einer 10-köpfigen Frauenwohngemeinschaft so alles gebraucht wird. „Mittlerweile”, so verrät Sr. Conrada, „rufen die Leute oft auch vorher an und fragen, was gerade besonders nötig ist”. Und selbstverständlich geben die Klarissen auch manches weiter an Bedürftige, die täglich an ihrer Klosterpforte schellen. Dahinter steckt nicht zuletzt die Erfahrung, dass Geben auch Platz schafft dafür, dass etwas Neues kommen kann. „Wir leben aus dem Vertrauen, dass wir immer von Gott Beschenkte sind. Ich habe vielleicht nicht alles, was ich gerne hätte, aber ich habe das, was ich brauche.”

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