Ganz normal

Hilfe, mein Mann nimmt ab …

… und das kann natürlich nicht ohne Folgen bleiben. Aber lest selbst über die alltäglichen Leiden einer Ehefrau, deren Mann beschloss, seiner Leibesfülle mit einer Diät und viel Konsequenz zu Leibe zu rücken.

In unserem Kühlschrank ist zur Zeit Gemüsemarkt – mein Mann nimmt ab! Drei Scheiben Salami, die mir gehören, liegen dort unter seinen Karotten, Tomaten, Salatköpfen und anderem Grünzeug begraben. „Sag bloß, du willst so früh schon Fleisch essen …?“ bemerkt er, als ich danach suche. Er sitzt im Trainingsanzug am Küchentisch, hat fünfzig Kniebeugen und zehn Liegestütze hinter sich, zwei Scheiben Knäckebrot und drei Tomaten vor sich.

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Natürlich ist er nervös, zappelig und unduldsam. Denn Alex befindet sich schon seit Jahren zwischen „Idealgewicht“ und „Normalgewicht“, „Vollgewicht“ und „Wohlfühlgewicht“, bleibt aber meist beim „Übergewicht“ hängen. Bis vor kurzem hat er sich noch Steaks gebraten zum Frühstück. Seit mein Alex das nicht mehr darf, ist er zwar leichter geworden, macht es seiner Umwelt aber immer schwerer. Ich drehe mich zu ihm um: „Ist doch sonst nichts im Hause ….“. Das hätte ich nicht tun sollen …. sein Gemüse beleidigen.

„So, nichts ist also im Kühlschrank?“ Früher unterhielten wir uns schon mal über Musikgruppen oder über das Leben nach dem Tod. Seit Alex aber mit seiner Abmagerungskur begonnen hat, interessiert ihn außer seinen Kohlehydraten, seinen Kalorien und seinen Proteinen nichts mehr. Und so wie er mich nach meiner letzten Bemerkung ansieht, müsste mich sein Blick eigentlich töten. „Ein paar Pfunde weniger könnten dir auch nicht schaden“, stößt er schließlich hervor, steht auf und geht ins Bad. Ich gebe es auf. Und er zieht los. Mister Universum im Flatterlock, alles zu weit – Jacke wie Hose. Die alten Sachen passen ihm nicht mehr, doch er lässt sie deswegen nicht enger machen. Alex trägt sie als Zeichen seines Triumphes auch weiterhin. Ich weiß nicht, ob Ihr Mann auch schon mal abgenommen hat – nach den sechs Wochen mit Alex kommt es mir vor, als gäbe es für uns Frauen nichts Schlimmeres.

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Statt Krimis im Wohnzimmer liest er über das Internet die Tipps des Ernährungscoaches seiner Krankenkasse hkk. Hier gibt er seine verlorenen Pfunde in eine Tabelle ein und holt sich das Lob des Experten und weitere Rezepte. Im Backofen verbrennt er sich die Hand oder holt sich eine Erkältung im Tiefkühlfach. Überall schnüffelt Alex herum, weist auf das Essen in meinen Töpfen: „Weißt du eigentlich, wie viel gesättigte Fettsäuren da drin sind?“ Und auf die Salate in seinen Schüsseln: „So sieht gesunde Nahrung aus, frisch, knackig, bunt.“ „Willst Du davon Fotos machen oder satt werden?“ knurre ich dann. Nach solchen Bemerkungen wirft er mich aus der Küche: Bei dem dauernden Gestänkere könne er unmöglich kochen.

Inzwischen brutzeln wir getrennt. Zuerst Alex, dann ich. Und inzwischen essen wir auch getrennt. Zuerst Alex, dann ich. Und wenn sein Magenknurren in der Nacht so weiter geht, dann werden wir bald auch getrennt schlafen.

Stresemann

Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und der überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Daher könnte das eine oder andere durchaus bekannt vorkommen (vor allem weil andere es gern mal wieder hörfunkmäßig aufbereiten).

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Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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Berühmt werden will ich mit diesem Blog nicht. Ich mache nur etwas, was viele andere noch besser und wunderbarer tun als ich: Ich teile mich mit, über das, was mir auffällt, einfällt und überfällt.

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