Ganz normal

Holzer will sich das Rauchen abgewöhnen

Jetzt ist die Zeit, in der sich der eine oder andere Gedanken macht, was denn so anders werden könnte im nächsten Jahr. Also nachzudenken, welche Vorsätze es ab Januar geben kann: Mehr Sport, weniger trinken oder nicht mehr rauchen? So wie es Herr Holzer in der nachfolgenden Geschichte versuchen möchte?

„Wir haben erfahren, dass sie hundert Zigaretten am Tag rauchen und möchten Sie für einen Werbespot gewinnen. Wir bezahlen Ihnen zweitausend Euro. Sie haben weiter nichts zu tun als vor der Kamera zu stehen und zu sagen ‚Ich rauche hundert Zigaretten am Tag und bin kerngesund!‘ Morgen um elf ist die Aufnahme“, meinte der Rundfunkmann. „Moment, um elf geht es nicht.“ „Warum nicht?“ „Weil ich bis zwölf huste.“

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Bald hustete Holzer bis zwei, dann bis vier, dann bis acht und schliesslich hustete er den ganzen Tag. Holzers sechsjähriger Sohn machte seine Hausaufgaben. „Wie alt kann ein Dampfschiff werden?“, fragte er seine Mutter. „Hundert Jahre.“ „So alt? Wieso wird ein Dampfschiff so alt?“ „Weil es nicht so viel raucht wie dein Vater“, antwortete Frau Holzer und warf ihrem Mann einen giftigen Seitenblick zu.

Holzer hustete Tag und Nacht. Er ging zum Arzt. „Sie müssen sich das Rauchen abgewöhnen“, sagte Dr. Klinger. „Tun Sie das nicht, würde ich Ihnen raten, sich keine Eintrittskarten für die nächste Fussball-Saison zu besorgen. Sie werden das Ende nicht mehr erleben.“

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Holzer gewöhnte sich das Rauchen ab. Er nahm an Gewicht zu, wurde reizbar, streitsüchtig und Frau Holzer wäre es lieber gewesen, er hätte wieder geraucht. Aber Holzer rauchte nicht. Einen Monat, zwei Monate, drei Monate. Dann kam sein Geburtstag. „An meinem Geburtstag werde ich doch wohl eine Zigarette rauchen dürfen“, sagte er sich. Aus der einen wurden zwei, aus den zweien vier, aus den vieren acht und bald war er wieder bei hundert Zigaretten am Tag angelangt.

Er verlor an Gewicht, seine Nerven beruhigten sich, er war weder reizbar noch streitsüchtig – aber er hustete wieder. Er sagte sich: „Ich werde nicht mehr rauchen!“ und goss sich ein grosses Glas Whiskey ein. Er setzte das auch zu Hause fort. Aus dem einen Glas wurden zwei, aus zweien vier aus vieren acht und bald trank er bei Tag und Nacht. Er hustete nicht, aber er schwankte. So lange, bis seine Frau vor ihm auf den Knien lag und ihn beschwor lieber wieder 100 Zigaretten am Tag zu rauchen, anstatt zwanzig Gläser Whiskey am Tag zu trinken.

Holzer und seine Frau schlossen einen Vertrag: Er raucht 50 Zigaretten am Tag und trinkt nur noch 10 Gläser Whiskey, so hustet er nur noch bis Mittag und führt eine glückliche Ehe. Dem Vernehmen nach soll sie aber nur noch einige Wochen gedauert haben.

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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