Ganz normal
Ganz Normal Uncategorized

Ich, Komiker von deiner Gnade, bin voller Fehler.

Der Kabarettist und Menschenfreund vom Niederrhein, Hanns Dieter Hüsch, wäre gestern (6. Mai 2020) 95 Jahre alt geworden. Ein Nachruf an einen Freund.

Er konnte trösten, aufrütteln und Mut machen wie kein anderer – besonders wenn er vom Glauben redete. Das tat er gerne und auf eine unnachahmliche Weise, wie es wohl nur ein Kabarettist kann. Die Rede ist von Hanns Dieter Hüsch. Vor fünfzehn Jahren ist er gestorben. Aber unsterblich ist, was er über seinen christlichen Glauben zu sagen wusste, auf Bühnen und in Kirchen, mal locker und humorvoll, mal ernsthaft und ergriffen.

Möge Gott, unser Herr, jedem die Gabe geben, zu glauben, zu hoffen und zu lieben.”

Hanns Dieter Hüsch

Was hat Hanns Dieter Hüsch auf der Bühne, im Radio und im Fernsehen eigentlich gemacht? Kabarett – das ist nur eine Antwort. Denn er war in vielen Rollen zu Hause: als Radiosprecher, Fernsehmoderator, Schauspieler, Theaterregisseur und Synchronsprecher. Zum Beispiel in der Reihe „Väter der Klamotte“. Dazu zählten „Die kleinen Strolche“, „Dick und Doof“ mit Stan Laurel und Oliver Hardy und andere. Über 400 Episoden lang war er dabei. In mancher mimte er bis zu fünf verschiedene Stimmen gleichzeitig.

So zahlreich wie seine Talente sind die Etiketten, die man ihm angeklebt hat: Philosophischer Clown, Wanderprediger, Moralist, Humanist, Reisender in Sachen Menschlichkeit und viele mehr. Hüsch selbst hat in einem Gebet in der Kirche noch ein paar mehr hinzugefügt.

Herr mein Gebieter! Sieh mich doch einmal an. Ich lauf als Narr herum. Oft bin ich in der Zeit ein Tölpel. Und ohne dich ein hilflos Bündel. Doch heut bin ich mit roter Nase, roten Haaren und Glocken, Trommeln, Pfeifen und Geschell dein ewiger Phantast, voll Lustigkeit und Glücksgefühl, dein Aschenkreuzritter, dein Pusteblumenfreund. Heut komme ich, morgen geh ich zu dir, o Herr. Ich Komiker von deiner Gnade bin voller Fehler. Du kennst sie alle. Sei mir gnädig.“

Hanns Dieter Hüsch

Er entdeckte schon früh, dass die Sprache seine größte Gabe war – sie reichte von scheinbar leichtem Alltagsgequassel bis hin zu Kirchenpsalmen. Meist sprudelten schnelle Wortkaskaden aus ihm heraus und forderten vom Publikum volle Konzentration. Gedankenpausen und geistige Erholung gab es nur in wenigen Momenten, wenn Hüsch auf seiner kleinen Truhenorgel spielte. Sie gehörte Jahrzehnte lang zu seinem Markenzeichen. Wie alle Kabarettisten hatte Hüsch ein waches Auge für aktuelle Themen, die er bissig-humorvoll aufs Korn nahm.

Hanns Dieter Hüsch war der typische Vertreter des politisch-literarischen Kabaretts. Er setzte sich ein für die “Verrückten, die seitlich weggeknickten“, engagierte sich für Humanismus und gegen Ausländerfeindlichkeit lange bevor dieses Thema andere beschäftigte, er war Prediger und Literat. Auf jeden Fall war er aber ein Menschenfreund, der wünschte, dass “diese Erde Heimat wird für alle Welt.“

Foto: WDR

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

Über diesen Blog:

Wähle nach Kategorien

%d Bloggern gefällt das: