„Ich nehm‘ dir alles ab!“

Was bleibt mir eigentlich noch, wenn alles automatisch ist?

Während mein Staubsauger-Roboter „Robert“ einen Teil meines Haushaltsjobs erledigt, kann ich mich auf Wichtigeres konzentrieren. Derweil singt mir mein Smartphone Lieder vor, die ich zwar noch nicht kenne, die mir aber sicher gefallen – immerhin kennt mich mein Smartphone ja mittlerweile besser als manch ein Mensch. Was es heute Abend zu essen gibt, kann ich gleich noch schnell über meine App per Click und Collect bestellen – alles easy! Aber was haben wir eigentlich gemacht, als wir uns um das alles noch selbst kümmern mussten?

Über neu gewonnene Zeit im privaten Alltag kann sicher jeder von uns Lieder schreiben. Wie gegeben nehmen wir schnell neue Hilfen an und lassen unser Leben automatisieren, wo es nur geht. Von der selbstkochenden Küchenmaschine bis zum selbstmähenden Rasenmäher heißt es lieber outsourcen als selbst machen. In der Zwischenzeit widmen wir uns vielleicht auch mal nur dem Fernseher. Zeit ist zwar sehr wertvoll, aber Entspannung genauso wichtig.

Automatisieren wir im Job schon so wie im Alltag?

Und im Arbeitsleben? Tja … Da kann mein Anrufbeantworter meinen Kontakten leider noch nicht selbst weiterhelfen. Und dennoch stecken hier sicher noch versteckte Optimierungen, die mir wieder mehr Zeit für Wesentlicheres schenken. Es gibt sicherlich schon Tools, die mit speziellen Regeln mein E-Mail-Postfach vorsortieren, so dass ich nur noch wichtige Mails im Blick habe. Vor allem am ersten Tag nach dem Urlaub würde ich mich über so eine Vorsortierung freuen. Aber geht mir dann etwas verloren? Und: Macht die Maschine alles richtig?

Von neu gewonnener Zeit und neuen Chancen

Durch Roboter können auch im Arbeitsleben Routinetätigkeiten automatisiert werden. Wenn ich mir vorstelle, dass einige Routinen entfallen, dann bleibt mehr Zeit für die Dinge, die sonst vielleicht nicht so viel Raum bekommen. Ich könnte verbleibenden Kleinkram bündeln, etwas Konzeptionelles angehen, wofür sonst die Zeit am Stück fehlt. Oder Prozesse auf den Prüfstand stellen, mir mehr Fachwissen aneignen, neue Ansätze finden. Eine ganze Menge neuer Chancen warten da auf uns!

Sorgen zulassen und dennoch Zukunft sehen

Kritiker verbinden mit einer Automatisierung Jobverluste. Was passiert, wenn wir uns selbst wegdigitalisiert haben? Oder entstehen dadurch neue Berufsfelder? Wachsen wir noch weiter über uns hinaus oder stehen wir dann alle vor dem Nichts? Die Sorgen sind sicher berechtigt, immerhin verändert sich durch Automatisierung so manche Arbeitsstruktur. Allerdings haben Sorgen noch nie neue Technologien aufgehalten.

Irgendwann werden immer mehr Roboter und Künstliche Intelligenzen in unser Umfeld stoßen. Wir können sie natürlich hinterfragen und gründlich testen, aber aufhalten wohl nicht. Aber wir haben die Möglichkeit, offen zu sein, die Chancen von neu gewonnener Zeit zu erkennen – und schon jetzt zu definieren, welche Routinen uns gut abgenommen werden könnten. Wer weiß, vielleicht fragen wir uns dann auch bald im Arbeitsleben: Wie war denn das nochmal, als wir uns um all das noch selbst kümmern mussten?

Anna Juliana Bohr