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„Jo, wos ist denn dös?”

Was wissen Sie von “Tecklenburg”?

Die Freilichtspiele schlagen das Wasserschloss Haus Marck um Längen, wenn es um den Bekanntheitsgrad des kleinen Städtchens “Tecklenburg” geht: Diesen Anschein erweckt je­denfalls die Ausbeute bei Telefonaten zwischen Flensburg und Oberstdorf zur Frage: „Was fällt Ihnen zu Tecklenburg ein?”. ,,Keine Ahnung” war mit Abstand die häufigste Ant­wort. Aber Hand aufs Herz: Was würde Ihnen einfallen, wenn Sie per Telefon um eine „spon­tane Vorstellung” über Heidelberg oder Kiel überrascht würden?

Eine Verkäuferin aus Hamburg dachte gleich an „ein Örtchen, das in einer sehr hübschen Gegend liegt”. Leider habe sie bei einer Fahrt durch den Teutoburger Wald die Stadt selbst nicht besich­tigen können. Den Stadtkern mit den vielen Fachwerkhäusern fand eine Küchenangestellte aus Gelsenkir­chen bei einem Besuch beson­ders interessant; sie habe damals zwar auch eine kleine Ortsbesichtigung  mitgemacht, davon aber das meiste doch wieder vergessen. Typisch für Tecklenburg sei wohl die überwiegend evangelische Bevölke­rung.

Als großer Tecklenburg-Fan erwies sich eine scheinbar ältere Dame aus Mainz, die allerdings damit nur den gleichnamigen Vorort von Lemwerder bei Bremen meinte. Dass es auch ein Tecklenburg in Nordrhein-Westfalen gebe, entlockte ihr nur ein anerkennendes „soso …..“.  „Ach, da gibt’s doch diesen Hexenpfad”, erinnerte sich auch eine Dame aus Frankfurt. Bei einem Bekanntenbesuch vor rund sieben Jahren habe sie allerhand gesehen: „Und gut gegessen!”

Die Überzeugung vieler Bayern, dass es jenseits des Weißwurstäquators eh nichts zu gucken gebe, spiegelte sich in München in klaren Aus­künften wie: „Da woiß i nix!” Eine freundliche Sekretärin entschuldigte sich fast: „Da komma eigentlich selten hi” – um nicht zu sagen: gar nicht -‚ hatte dann aber doch eine gesamt­nordische Vorstellung parat’. ,,So ähnlich wie Rothenburg vielleicht?” Am südlichsten Zipfel der Bun­desrepublik löste die Frage nach Tecklenburg dann nur noch Rückfragen aus: „Jo, wos ist denn dös?”

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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