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Der "Klo-Streit" zu Münster

Kunst für das Klo?

Warum ein “Kunst-Klo” und “Pipi machen” die Stadt Münster in Westfalen in Schwierigkeiten bringt.

Die Stadt Münster in Westfalen ist nicht nur stolz auf ihre unzähligen Radwege, sondern auch auf ihre mehr als 40 öffentlichen Toilettenanlagen. Eine davon ist auf dem Platz vor dem münsterschen Dom zu finden.  

Was niemand von oben erwartet hat, ist das interessante künstlerische Aussehen der öffentlichen Toilettenanlage, die über zwei Treppen – eben getrennt nach Männlein und Weiblein – erreicht werden kann.  

Der helle Fliesenspiegel, Trennelemente aus maigrünen Mosaiksteinen, großzügige Sanitärkeramik und dekorative Elemente wie großformatige Fotoprints von Lilienblüten und ein bunter Plastikkronleuchter sorgen für ein reinliches und gefälliges Raumkonzept. Das Zuviel an Dekor lässt erkennen, dass die Ästhetik dieser Räumlichkeiten einem künstlerischen Eingriff zu verdanken ist. Ein Beitrag des Künstlers Hans-Peter Feldmann für die “Skulptur Projekte Münster 2007”.

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Seit einiger Zeit nun müssen Besucher dieses künstlerisch hochwertigen Örtchens für dessen Benutzung eine Gebühr entrichten. Das wäre an sich nicht bemerkenswert, handelte es sich bei der Anlage nicht um ein Kunstwerk. Und dessen wesentliches Element ist eine kostenfreie Inanspruchnahme.  

DerBetreiber des “Kunst-Klos”, die WALL AG rechtfertigt die Gebühr mit der Notwendigkeit betrieblicher Gründe. Die Stadt Münster hingegen, in deren Auftrag die WALL AG das Örtchen betreibt, bringt das in eine arge Zwickmühle.

“Wir haben WALL darüber informiert, dass die Erhebung eines Nutzungsentgeldes dazu führt, dass der Toilettenanlage der Status als Kunstwerk aberkannt wird, was weitere Reaktionen des Künstlers nach sich ziehen könnte.”

WALL sieht sich auf der sicheren Seite: “Im Vertrag mit der Stadt ist festgehalten, dass wir für jede Toilettenanlage, die wir bewirtschaften, das Nutzungsentgeld in Höhe von 50 Cent erheben dürfen.”

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Fotos: Skulptur-Projekte Archiv Hubertus Huvermann + Archiv des WDR Köln – vielen Dank

Nun hofft die Stadtverwaltung auf das, was WALL auf ihrer Firmen-Homepage verspricht: “Als Unternehmen, das sich stark mit Berlin identifiziert, ist es für uns selbstverständlich, Verantwortung zu übernehmen, indem wir uns sozial engagieren und als verlässlicher Partner Kultur fördern.

Nichts anderes ist das münstersche “Kultur-Klo”! So sieht es jedenfalls die Stadt. Die Bürger der Westfalenmetropole sehen das ein wenig anders: “Na ja, Münster ist eben nicht Berlin. Was soll WALL denn mit edlem Kunstporzellan aus der Provinz?”

Die Stadt hofft nun auf eine positive Meldung vom Firmensitz der WALL AG, aus Berlin. Vielleicht haben wir ja für provinzielle Kunst – und dann noch aus dem Klo – etwas über?

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