„Mach Schluss, Lucas!“

Seit langem stand es auf unserer Erledigungsliste, aber erst jetzt – nach einem erneuten Wasserrohrbruch – rafften wir uns auf, die Renovierung von Bad und Küche anzugehen.

Ob es teuer würde, fragten wir den Klempner „Ach, was so eine Badewanne bekommen Sie heute schon für 250 Euro.“ (Die Klempnerrechnung lag später bei 40.000 Euro.) Im Gästebad wurde es in der Duschkabine arg eng. „Bevor Sie Rohre verlegen“, sagte ich zum Klempner, „bedenken Sie bitte, dass wir die Dusch-Armaturen in der Ecke der Wand haben wollen.“ Ich malte ihm ein riesiges Filzstift-Kreuz auf die Stelle. „Gute Idee“, meinte er. „Bei diesem langen Einhebelmischer würde man sich ja sonst ständig die Rippen stossen.“ Er fing gleich an.

Als wir abends nach Hause kamen, war er weg. Die Duscharmatur sass mitten auf der Wand. „Das ist Norm“, erklärte er mir später, „ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass Sie da ernst gemeint haben.“ Wir haben die Armatur damals so gelassen – und regen uns heute nicht mehr darüber auf, dass sie uns ständig in die Rippen stösst. Dann wurde das Klo angeschlossen und probe gespült. Dummerweise hatte der Klempner übersehen, dass das seitlich ein faustgroßes Loch hatte. Fasziniert schaute er zu, wie sich zehn Liter Wasser über den gerade frisch verlegten Teppichboden im angrenzenden Zimmer ergossen. „Fabrikationsfehler“, meinte er achselzuckend.

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Inzwischen war die Küche dran. „Legen Sie bitte die Steckdosen höher als normal“, bat ich den Elektriker, „die Abdeckplatte ist 93 cm hoch.“ „Praktisch“, lobte er. „So kann man ja viel besser arbeiten.“ „Ich kann nicht weitermachen“, sagte zwei Tage später der Küchenbauer, „die Steckdosen liegen alle viel zu niedrig.“ Und so ging es weiter: „Soll ich auf der Hälfte mit anderen Fliesen weitermachen?“ fragte der Fliesenleger. Er hatte gerade die zweite Lieferung ausgepackt, die versehentlich mit Dekor geliefert worden war.

„Der Wasserhahn-Anschluss für die Küchenspüle ist versehentlich falsch angebracht worden“, bedauerte der Klempner, „leider können Sie das Fenster jetzt nicht mehr ganz aufmachen.“ „versehentlich“ – bei dem Wort sträubten sich mittlerweile unsere Haare. Wir wurden vorsichtiger, zeichneten alles auf, beschworen die Handwerker.

Es half wenig. Wir standen im Wintergarten mit dem Fensterbauer. „Sehen Sie“, fing ich behutsam an. „Wir möchten keine Tür wie diese alte, die neue soll nach draussen zur Terrasse hin aufgehen.“ „Natürlich“, nickte der Fensterbauer. „Man geht ja oft mal mit dem Tablett raus, da ist das wirklich sinnvoll.“ „und die Klinke links“, fuhr ich fort. „Wenn man wie jetzt davor steht, soll die Klinke links sein.“ Den Einbau der Terrassentür konnten wir später glücklicherweise noch stoppen. Sie ging nach innen auf und hatte die Klinke rechts.

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„Das bisschen Umbau“, hatten die Handwerker gesagt, „haben Sie in zwei bis drei Monaten vergessen.“ Es dauerte sieben Monate und wurde dreimal so teuer wie veranschlagt. Aber man lernt viel dabei. Zum Schluss hatten wir uns nämlich geschworen, keine Kompromisse mehr zu machen. Und siehe da: Es klappte!

Wie bei der Geschichte mit der Duschabtrennung, die wir sorgfältig zu Fliesen und Waschbecken abgestimmt hatten. Zweimal war sie schon falsch geliefert worden – aber nun war es die richtige. der Klempner und sein Auszubildender Lucas fingen fröhlich pfeifend mit dem Einbau an. Nach fünf Minuten informierte der Meister mich: „Die eine Seitenwand ist versehentlich drei Zentimeter zu kurz geliefert. Das macht aber gar nichts – da können wir eine Leiste ansetzen.“ Diesmal sah ich ihn nur an. Er griff zum Werkzeug. „Mach Schluss, Lucas!“

Fotos: Pexels

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