Ganz normal
Ganz Normal Von Monatstitelbilder

Meine “12 von 12” im März 2020

Dem 12. eines Monats widme ich schon seit einiger Zeit der Beschreibung meines Tagesablaufes in 12 Bildern. Eine Idee, die Monat für Monat von Caro in ihrem Blog „Draußen nur Kännchen“ aufgegriffen wird. Heute ist nun wieder der 12, ein Donnerstag. Für mich war das ein aufregender Tag mit einer Notbesetzung in der Redaktion. Nun bin ich erschöpft zu Hause und schreibe euch auf, was heute alles passiert ist. Eines muss ich allerdings dieses Mal zugeben: Nicht alle Fotos sind von mir, einige fertige Bilder habe ich nach meinen Aufzeichnungen ausgewählt. Sorry! Ich hatte heute nicht mehr die Zeit. Hier mein Bericht von heute. Lest und schaut selbst:

08:00 Uhr

Ganz Normal März

Ich glaube, heute gibt es nicht so viel zu zeigen oder zu berichten. Der Tag beginnt mit Frühstück mit einem selbstgebackenem, veganen Brot, veganem Brotaufstrich und Fisch. Dazu eine Tasse Kaffee. Ich bin seit einigen Monaten ein “Veganer”, der Fisch isst, also eher ungewöhnlich. Dafür gibt es noch keine feste Bezeichnung. Wäre ich „Pescetarier“, würde ich neben Fisch auch Milch und Eier konsumieren. Trotzdem bezeichne ich mich so, denn was bei der Ernährung weglassen geht ja immer. Genauer würde es aber der Begriff „Pesco-Veganer“ treffen. Das Wort habe ich mir gerade ausgedacht, aber ich finde es ganz sinnvoll und jeder versteht, was gemeint ist. Bis auf meine Nachbarin, die fragte mich glatt, ob das etwas mit „Pesto“ zu tun habe.

09:00 Uhr

Ganz Normal Juni

Eigentlich arbeite ich heute zu Hause, aber durch „Corona“ gibt es auch bei uns in der Redaktion eine spärliche, aber rotierende Besetzung. Kolleg/innen, die sich früher mit einer Influenza-Grippe noch in die Redaktion geschleppt und die halbe Belegschaft angesteckt haben, weil sie natürlich unabkömmlich waren, bleiben jetzt zu Hause. So bilde ich heute zusammen mit Heike, Klaus und Joachim die Bürobesetzung. Dazu kommen noch der alte und der neue Praktikant …

09:15 Uhr

Etwas müde komme ich in der Redaktion an. Die Oper hat wegen Corona geschlossen und so haben meine Liebste und ich uns „Don Giovanni“ über „Operavision“ angesehen. Wer auch gerne Opern sehen möchte, aber eben zu Hause bleiben muss, der klicke einfach mal hier. Mit dem frischen Input der Kollegen beginnt mein Arbeitstag. Meist erhalte ich während der Begrüßungsrunde schon erste Infos über die aktuelle Lage. Es bleibt noch Zeit, einige der vielen Mails, Twitter und Pressemeldungen grob zu durchforsten.

09:45 Uhr

Heute verlässt uns unser Praktikant, der uns hier die letzten 12 Monate unterstützt hat. Eine Redaktion ohne Praktikant ist wie ein Ei ohne Salz. Irgendwas fehlt. Zum Beispiel die morgendlich eintrudelnde Entschuldigung für die x-te Verspätung. Wer jetzt glaubt, dass das Adrenalinlevel des Prakti überschäumt, sobald er morgens in der Tür steht, kann beruhigt sein. Mehr als ein langatmig gegähntes „Gumo“ ist nicht drin. Ganz ehrlich: Eigentlich liebe ich ihn irgendwie dafür! Nicht zuletzt, weil er mich daran erinnert, was für fadenscheinige und teils extrem dumme Ausreden ich doch selbst gegenüber Eltern und Lehrern in jungen Jahren gebracht habe. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein😉

10:00 Uhr

Ganz Normal März

Wir sind, wie gesagt, nur insgesamt 6 Personen in der Redaktion, aber so ausgerüstet, dass unsere heimarbeitenden Kolleginnen und Kollegen zur jetzt beginnenden ReKo (Redaktionskonferenz) zugeschaltet werden können. Dabei sind einige, die bis vor kurzem noch der Meinung waren, dass Videokonferenzen niemals einen Transatlantik-Flug ersetzen können, stellen mit einem Male fest, dass die Technik überraschender Weise ausgereift ist. Wegen der kleinen Besetzung hat unser Praktikant die Ehre „Herr S., machen Sie das mal, ist ja zum letzten Mal für Sie!“ ein kurzes Protokoll der ReKo zu fertigen. Ich liebe es ja, wenn ein Praktikant die Meetings protokollieren muss, dann verwende ich immer extra schwierige Fremdwörter, von denen kein Mensch weiß, wie man sie schreibt!

10:15 Uhr

Start in den Themen-Donnerstag: Bewegendes Thema ist der Fachkräftemangel in Deutschland und was Firmen unternehmen, um offene Stellen mit Fachkräften zu besetzen. Dazu gehen sie mit vielen neuen Ideen vor: Beispielsweise junge Mitarbeiter/Innen als sogenanntes „Role Model“ einzusetzen, die in kleinen Filmen spielerisch für das Unternehmen werben sollen. Eine Kollegin will dazu noch mehr Beispiele finden. Dann geht es noch um die permanente Nutzung von Internet und Handy durch Erwachsene und Kinder. Wie geht man mit den dadurch entstehenden Verhaltensauffälligkeiten und Abhängigkeiten um? Der scheidende Praktikant hat auch noch einen schönen Vorschlag: Wie hoch ist eigentlich die Followerzahl verschiedenster bekannter Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft? Zum Beispiel haben bei Twitter Firmenchefs (CEO) ganz unterschiedliche Follower-Zahlen – Joe Kaeser (Siemens) 32.457 – Tim Cook (Apple) 11,7 Mio. – Elon Musk (Tesla) 30,9 Mio. Eine schöne Idee und ich bin gespannt auf weitere Ergebnisse.

11:00 Uhr

Ganz Normal März

Und natürlich beschäftigt uns das augenblickliche Hauptthema: Der Virus. Corona hat so seine kuriosen Ereignisse: Nicht nur Nudeln und Toilettenpapier sind fast ausverkauft. Es gibt auch Hamsterkäufe im Erotik-Shop. Was kaufen die denn da? Eine australische Tageszeitung druckt leere Seiten mit Toilettenpapier-Schnittmuster, falls das Toilettenpapier im Haushalt knapp werden sollte. Und dann heißt es ja, Großveranstaltungen zu meiden. Messen werden abgesagt, Fußballspiele finden statt. Okay… hat ja auch niemand gesagt, dass das Bildungsproblem in allen Bereichen gelöst wäre. Aber warum strömen samstags alle in ein schwedisches Möbelhaus als müsste man Billy Regale horten. Ach ja, irgendwo müssen ja die Nudeln und das Toilettenpapier hin.

12:30 Uhr

Ganz Normal März

Eine ungewöhnliche Mittagspause beginnt, die Funkhaus-Kantine hat zu. Also machen wir uns unser Essen selbst – besser gesagt der scheidende Praktikant macht es für die Kollegen. Sein – wie er sagt – „Abschiedsessen“ sind selbstgemachte Pfannkuchen. Dazu musste Kollege Klaus allerdings den Rauchmelder in der Bistro-Ecke lahmlegen. Ich geniesse Kartoffelsticks mit Gurke und Dip von zu Hause.

13:30 Uhr

Ganz Normal März

Kleine Feier für den scheidenden Praktikanten. Bei allem durcheinander hat er – nach Meinung aller – seine Arbeit gut gemacht. Ein wenig mehr Aufmerksamkeit und Gefühl für besondere Themen fehlt ihm noch. Da er nun noch einige Monate in die Kommunikationsabteilung eines Chemie-Konzerns wechselt, dürfte er dort weniger Probleme haben. Er wird schon merken, wenn es stinkt. Unsere Praktikanten bekommen übrigens ein kleines, finanzielles monatliches „Zubrot“. So der Höhe nach zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben. Als Abschiedsgeschenk bekommt er einen großen Wecker und eine Armbanduhr. In der Hoffnung, dass er dadurch morgens nicht mehr zu spät kommt.

14:30

Ganz Normal März

Ich recherchiere für eine Geschichte über ungewöhnliche Behausungen, von der Höhle, über Iglu und Hütte bis zu modernen und alternativen Wohnformen. Vielleicht erscheint der Beitrag auch in anderer Form in diesem Blog. Ich gebe zu, ich nutze bei meinen Recherchen auch Wikipedia, die kürzlich genügend Spenden zusammen bekommen haben, um weiter existieren zu können. Aber diese Wissensdatenbank hat so ihre eigenen Regeln, denn nicht jeder darf seine Artikel in der Online-Enzyklopädie veröffentlichen. Auch so eine Sache, die – näher recherchiert – einmal in einem Beitrag Verwendung finden könnte.

17:00 Uhr

Ganz Normal März

Der neue Praktikant ist einsame Spitze, der verschwindet lautlos und findet immer ein ruhiges Plätzchen. Er hat gleich am ersten Tag unsere Küchenecke mit einem Hinweisschild versehen. Selbstvertrauen hat er ja. Na, das gibt eine spannende Zusammenarbeit. Ich lese jetzt noch einige Sendemanuskripte für Beiträge freier Mitarbeiter, die vor Fertigstellung noch abgenommen werden müssen. Einer beschäftigt sich mit einem – fast schon altbekannten – Thema: Wie erkennt man, dass man sich in einer sogenannten Stressspirale befindet? Dann geht es noch um den sinkenden Zigarettenkonsum. Aber nicht etwa, weil viele Raucher nun gesundheitsbewusst leben wollen – nein! Die sind auf sogenannte E-Produkte umgestiegen.

18:30 Uhr

Ganz Normal März

Da an diesem Donnerstag keine weiteren kuriosen Ereignisse vorlagen, fahre ich einmal früher nach Hause, als sonst. Die häusliche Gas-Therme hat eine Störung, sie zeigt den Fehlercode: „F.28“an. Suche die Typbezeichnung raus und danach die Anleitung im Internet. Ah ja, da ist ja die Lösung „F.28 bedeutet: Störung“. Ach so, das wusste ich jetzt nicht. Nun, morgen gibt es frühlingshafte Temperaturen mit Regen. Ist also nicht so kalt, dass wir dann unsere Heizung benötigen. Denn der Servicedienst kommt nicht, wegen Corona. Gut, dann melde ich mich jetzt ab und euch wünsche ich noch einen schönen Abend.


Feierabend, jetzt lese ich noch, was andere an diesem 12. März 2020 so erlebt haben. Dazu verlinke ich meinen Beitrag noch rüber zu Caros Blog „Draußen nur Kännchen“. Caro betreut das Projekt und sammelt allmonatlich als Linkliste die Meldungen anderer Blogger/Innen. Wer sich auch einmal in anderen #12von12 Tagesabläufen umgucken möchte…  die gemeldeten Blogeinträge des 12. März 2020 werden hier gesammelt. Abermals Danke Caro für Deine große Mühe.

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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