Stresemanns Ganz normal

Meine “12 von 12” im November 2020

Heute ist wieder der Tag, an dem Caro in ihrem Blog “Draußen nur Kännchen” dazu aufruft, den Ablauf in 12 Bildern vorzustellen. Dabei wird auch dieser Donnerstag ein normaler Arbeitstag. Ganz normal? Ich arbeite mal im „Home Office“, mal in der Redaktion, je nachdem wie es Themen und Redaktionsplan so vorgeben. Heute bleibe ich zu Hause im „Home-Office. Daher gibt es eigentlich keine besonderen Fotos, als dass ich den ganzen Tag am Schreibtisch sitze und das finde außerordentlich langweilig. Stattdessen bleiben wir bei journalistischen Spitzfindigkeiten in gedruckter Form. Ich danke dazu den Kollegen von „Perlen des Lokaljournalismus“ Ralf Heimann und Jörg Homering-Elsner, die immer wieder unabsichtliche und absichtliche Fehler im Zeitungsblätterwald finden. Einige wunderschöne „Pannen“ habe ich hier für euch aus deren reichhaltigem Angebot herausgesucht.

08:30 Uhr

Bleiben wir mal ein wenig bei den „sozialen Medien“. Wie viel Einfluss haben die – wie „Twitter“ eben – auf die Berichterstattung? Dazu schrieb vor kurzem WELT-Chefredakteur Ulf Poschardt von einer “Twitter-Brigade“, die das Blatt führt, nicht die ChefredakteurInnen. Ganz konkret war hier die Süddeutsche Zeitung gemeint. Worum es geht und wie das Medium schließlich in Redaktionen genutzt werden sollte, schreibt Prof. Dr. Alexandra Borchardt in ihrer Kolumne.

09:00 Uhr

Unser Praktikant ruft an und will etwas über aktuelle Trends und Infos schreiben, dabei wechseln die Tag für Tag. Eine schwierige Aufgabe, aber er hat zu tun und das ist ja auch etwas.

10:00 Uhr  

Ein ziemlich kurioses Thema beschäftigt die Medien ebenfalls in den letzten Tagen: Dabei ist es nicht neu und gewissermaßen logisch.

Die Hochschule Pforzheim bietet in der Fakultät Design eine Lehrveranstaltung ‘Luxus’ für den Studienbereich Modedesign an. Da überschlagen sich die Medien – und es tauchen Fragen wie ‘haben wir sonst keine Probleme?’, ‘studieren da nur Kids von Reichen?’, ‘kommen die Studenten da in Prada oder Versace?’ und so weiter auf. 

Bei der Suche im Internet kann man auf diese Seite stoßen. Im Rahmen des 250 Jahre Goldstadt-Jubiläums erarbeiteten alle Fakultäten der Hochschule Pforzheim Perspektiven zum Thema “LUXUS!?” – wobei sich das auf das Jahr 2017 bezog. Und im Sommer 2019 hatte das Handelsblatt diesen Artikel veröffentlicht, in dem es um die Planung  des ersten Lehrstuhls für Luxus ging.

In dem Artikel wird schnell klar, um was es geht: Luxus wird von jedem Menschen anders definiert. So kann Zeit in unserer hektischen Gesellschaft ein Luxus sein. Heute ist Luxus etwas, dass sich nicht nur Menschen leisten können, die in Luxus leben. Denn Luxus ist vielschichtig. Es gehe dabei um Exklusivität und Seltenheit. Dinge, von denen Menschen träumen. Und das muss nicht teuer sein. Für einige Kolleginnen und Kollegen scheint es aber angebracht, darauf hinzuweisen, dass es in Hochschulen scheinbar Langeweile gäbe. Verkehrte Welt!

11:00 Uhr  

Redaktionskonferenz per Videoschalte. Das erste Thema ist „heiß“, also mehr so von der Temperatur. Es geht um Heizpilze: Sie stehen in der Kritik, weil sie enorm viel CO2 ausstoßen. In Städten wie Köln oder Hamburg sind Heizpilze weitestgehend erlaubt. In Berlin entscheidet jeder Bezirk darüber. Zurzeit läuft bundesweit eine Debatte darüber, ob es sinnvoll ist, dieses Verbot vorübergehend aufzuheben. Auch Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag und damit nicht unbedingt Heizpilz-Lobbyist, hat sich dafür ausgesprochen.

Wenn man Eltern, Schuldirektorinnen und Politikerinnen nach der optimalen Unterrichtsform fragen würde, bekäme man vermutlich ein Dutzend verschiedene Antworten. Die einen bevorzugen klare Vorgaben, während andere die Verantwortung am liebsten komplett auf die Kinder übertrügen. Mindestens genauso wenig Konsens herrscht beim Thema Klassengröße, Notensystem oder Integration. Aber gibt es nicht ein Land, das die Antworten auf all diese Fragen schon gefunden hat? Wo Eltern, Kinder und Lehrer gleichermaßen glücklich sind? Doch, erklärt uns eine Kollegin, das gibt es! In neuseeländischen Schulen gibt es doch tatsächlich SchülerInnen, die gerne zur Schule gehen. Und LehrerInnen, die das Gefühl haben, dass ihre Arbeit einen Sinn ergibt. Interessant fand ich die Information, dass dort Abiturienten 48 Stunden allein im Wald verbringen. Meine Frage: „Mit oder ohne Handy“, fand die Kollegin nicht witzig. Womit sie durchaus recht hat. Ich freue aber umso mehr auf ihren ausführlichen Bericht, bezweifle aber, dass das an den zur Zeit 12 verschiedenen Schulsystemen in der BRD etwas ändern könnte.

11.30 Uhr

Der Praktikant hat erste Ergebnisse zu Trends, was sich aber eher wie eine Empfehlungsliste liest:

Podcast (Apple Podcasts): Baywatch Berlin – „‚Sattelt die Katzen, heute geht‘s ins KaDeWe!‘

Youtube-VideoCrispyRob– „Wer kann besser RIECHEN? mit Joey & Dima

Serie (Netflix)Emily in Paris

Song (Spotify): Samra – Rohdiamant (622.700 Stream-Abrufe aus Deutschland am Samstag)

Ich bat ihn, doch noch einmal genauer nach interessanten News zu recherchieren.

12:00 Uhr

Oft erreichen uns Meldungen, die sind irgendwie erschreckend, aber auch wieder humorvoll. Das ist so eine:  Die rechtsextreme Organisation Proud Boys, die insbesondere im Zuge der Proteste infolge des Todes von George Floyd gewisse Aufmerksamkeit bekamen – und von der sich Donald Trump im TV-Duell gegen Joe Biden nicht explizit distanzieren wollte, sorgte am Sonntag für unfreiwillige Social-Media-Aufmerksamkeit. Der Grund: Homosexuelle kaperten den Hashtag #produboys, u.a. mit Fotos von sich küssenden Männern. Einer der populärsten der etwa 600.000 Tweets kam von den Canadian Forces in USA:

13:00 Uhr

Der Praktikant hat so einige Trends herausgefunden, die mich doch ein wenig überraschen. Also, Sachen gibt’s! Zum Beispiel nehmen Teenager jetzt Tausende von Dollar ein, indem sie den neuen Instagram-Trend nutzen und Schleim verkaufen. In Deutschland ist das Phänomen noch nicht so sehr verbreitet, wie zum Beispiel in asiatischen Ländern und Nordamerika. Bei uns haben die größten Instagram-Accounts nur um die Tausend Follower und auch auf Google sind die „slime“ Suchanfragen noch eher überschaubar, wie der Marketing-Blog Online Marketing Rockstars bemerkte. Es lohnt sich also noch nicht, seinen Job zu kündigen und seine ganze Zeit in das Herstellen von buntem Schleim zu investieren. 

Das High-Five-Selfie ist der schönste Foto-Trend seit langem. Wenn man so will, ist es wie seine Vorgänger eine spaßige Parodie auf Smartphonenutzung an sich. Das Bild verwackelt, das teure Handy fällt imfreiem Fall und die tragikomische Geste des Sich-selbst-Abklatschens (doppeltes Selfie!) – die Grundpfeiler des High-Five-Selfismus.

14:00 Uhr 

Jetzt, wo ich so mehr zu Haue im „Home-Office“ sitze, schaue ich auch mehr, was hier in Münster los ist. So sind seit einigen Wochen zahlreiche Bürgersteige in Münster mit Sätzen aus Kreide beschrieben, mit denen ich erst mal nichts anfangen konnte. Zum Beispiel: „Er strich an meinem Oberschenkel hoch zu meinem Po. Danach habe ich mich extrem unwohl gefühlt.“ Oder: „Wir erklärten ihm den Weg, dann rief er uns hinterher: Heute Abend gehört ihr beide mir!“ Wenn die Sätze Euch bekannt vorkommen oder ihr aus anderen Gründen gern wüsstet, worum es geht, schaut mal auf die Instagramseite „Catcalls of Münster“. Vier Studentinnen sammeln dort seit Anfang September Erfahrungen von Frauen, die in der Öffentlichkeit von Männern sexuell belästigt worden sind. Die FAZ hat im Juni über diese ursprünglich aus New York stammende Bewegung geschrieben. Lisa Bauwens hat für das Online-Magazin Alles Münster mit den Studentinnen gesprochen, die diese Erlebnisse jetzt in Münster sammeln. Wenn ihr selbst solche Erfahrungen gemacht habt, schreibt den Initiatorinnen auf Instagram

14:30 Uhr

Der Praktikant hat erste Ergebnisse zu interessanten Infos gefunden. Gut, ich gebe sie hier mal weiter:

Mit Warp 10 wäre das Raumschiff „Enterprise“ theoretisch unendlich schnell. Und damit an jeden Punkt des Universums. Mehr geht nicht.

21 Milliarden Dollar hat Corona die Versicherer auf der Welt bisher gekostet. Die Zahl ergibt sich aus von den Unternehmen selbst gemeldeten Zahlen

Im Browser „Firefox“ heißt das Masterpasswort nun „Hauptpasswort“, weil Master zu sehr an Sklaverei erinnert.

2009 gab es in Deutschland 440.000 Blitze im Jahr, 2019 waren es nur 210.000. Wissenschaftler führen das auf den Klimawandel zurück (Zahlen vom GDV).

Und einen Tipp habe ich noch für euch: Manu und Magda aus Münster sind in 19 Monaten durch 29 Länder gereist, 18.000 Kilometer mit dem Fahrrad. Schon eine harte Tour, von der es auf der Website der beiden oder auf ihren Youtube-Kanal. einiges zu sehen gibt.

15:00 Uhr

Ich mache ungern Werbung, aber nachfolgende Nachricht eines Möbelhauses aus Schweden hat bei uns in der Redaktion vereinzelt „Aha“-Rufe verursacht. Ist das ein Weg, um als Unternehmen klimaneutral zu werden? Der schwedische Möbelhändler führt pünktlich zum Black Friday eine neue Initiative ein , mit der unerwünschte Produkte von Kunden für bis zu 50 Prozent des ursprünglichen Preises zurückgekauft werden. Das Möbelunternehmen sagte, dass die Stücke dann als gebrauchte Möbel weiterverkauft werden, was eine nachhaltigere Lösung für die Beseitigung unerwünschter Möbel schafft. Die Initiative, die pünktlich zum Black Friday am 27. November startet, soll dabei helfen, das Ziel zu erreichen, bis 2030 ein vollständig zirkuläres und klimapositives Unternehmen zu werden.

17:00 Uhr

Und wer als Fußball-Interessierter für heute noch nicht genug hat, dem empfehle ich den Blick auf kuriose Tore zu werfen. Schaut doch bitte mal das hier an. Ich mache es jetzt seit Tagen zwischendurch immer wieder und kann mich jedes Mal köstlich amüsieren. Danke an den Kollegen Klaus Reese für diese nette Unterhaltung.

So, für mich ist nun hier Feierabend. Im nächsten Monat nehme ich euch auf eine ziemlich ungewöhnliche Reise mit und ihr werdet viel über mich erfahren. Euch wünsche ich noch einen schönen November. Nun bin ich gespannt, was andere an diesem 12. November 2020 so erlebt haben. Dazu verlinke ich meinen Beitrag noch rüber zu Caros Blog „Draußen nur Kännchen“. Caro betreut das Projekt und sammelt allmonatlich als Linkliste die Meldungen anderer Blogger/Innen. Wer sich auch einmal in anderen #12von12 Tagesabläufen umgucken möchte…  die gemeldeten Blogeinträge werden hier gesammelt. Danke Caro für Deine große Mühe.

Blog-Info:

Berühmt werden wollen wir mit diesem Blog nicht. Wir machen nur etwas, was viele andere vielleicht noch besser können: Wir teilen uns mit über das, was uns einfällt, auffällt und überfällt. Wir sind kein gewerblicher Blog. Mehr über uns erfahrt ihr unter: Das Team diesen Blogs!

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