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Meine “12 von 12” im September 2019

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Von Hexen, Geistern und Gespenstern

Heute ist wieder der Tag, an dem Caro in ihrem Blog „Draußen nur Kännchen“ dazu aufruft, den Ablauf des Tages in 12 Bildern vorzustellen. Auch ich möchte euch meinen Tagesablauf „12 von 12“ nicht vorenthalten. Ich hoffe nur, ihr habt gute Nerven, denn ich habe mich heute mit Geistern, Gespenstern und Geschichten beschäftigt. Hier also in mein Tagesablauf:

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Heute begleite ich Bernd Kleie durch das Münsterland. Bernd ist Historiker und Drehbuchautor und an der Planung für einen Film über Geister und Gespenster. Er besucht seit einigen Tagen zahlreiche Orte und Plätze im Münsterland, an denen der Sage nach viele dieser unheimlichen Wesen ihr Unwesen treiben.

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Der Herbst ist so langsam zu spüren hier in den Wäldern, einer wild-romantischen Gegend – alte, knorrige Bäume und nebelverhangene Moore. Die Wege verlieren sich in der Einsamkeit. Einer unwirtlichen – und glaubt man den hiesigen Sagen – einer im erzkatholischen Münsterland zutiefst gottlosen Gegend. Bernd meint ja, dass einige Münsterländer nicht gern in die Wälder gehen. Das läge aber nicht daran, dass sie Angst haben, sich im dunklen Wald zu verirren, sondern dass sie unheimlichen Gestalten begegnen könnten. Um das Münsterland mit seinen Wäldern, Mooren und unzähligen Schlössern und Burgen ragen sich viele Sagen.  

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Bereits als wir uns in Lüdinghausen trafen – einem kleinen Städtchen ungefähr 25 Kilometer von Münster entfernt – sagte ich Bernd, dass ich nicht so recht an Geister und Gespenster glaube. Jetzt beim Spaziergang mit ihm, bin ich mir nicht mehr so ganz sicher. Mein Weggefährte hat so eine Art, da läuft mir schon jetzt am Tag ein Schauer über den Rücken. So zum Beispiel meint Bernd: „Schaurige Gestalten verstecken sich in Gärten und hinter Mauern. Dem einen jagen sie Angst ein, während sich andere köstlich amüsieren über den Schabernack der Gespenster.“ Ok, und  welche?

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Na, ja: Die alten Leute in den Dörfern der Davert zum Beispiel, erzählen sich vom „Ho-Ho-Männchen“, dem kleinen Kobold, der den Wanderer vom Weg abbringt und auf eine Waldwiese führt, wo beim Mondschein zwei alte Jungfern irre tanzen und singen – sie haben es mit dem Teufel getrieben und dürfen hier nie mehr weg. Oder zur alten Frau am Schlagbaum: Dort sitzt das Weib nun voller Wehklage bis ans Ende aller Tage und muss jede Nacht haspeln – die „Spinnleonore“ hatte zu Lebzeiten mit einer zu kleinen Haspel betrogen.

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Ich merke, dass mein Begleiter voller Geschichten steckt, die er auch gut zu erklären weiß: Denn seiner Meinung nach verstecken sich überall Gespenster. Da lauert ein Untier hinter einer Gartenmauer, ein Monster sitzt im Baum und irgendwo taucht plötzlich eine weiße Frau auf. Da heißt es Augen aufmachen beim Gang durch die Dunkelheit. Noch ist es hell.

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Das mit der weißen Frau möchte ich näher wissen und so erzählt mir Bernd die tragische Geschichte von zwei Männern, die um die Gunst einer Frau kämpfen. Jedenfalls einer Sage nach im Schloss zu Rhede. Das Wasserschloss, 75 km von Münster entfernt, wurde ursprünglich 1426 erbaut und über die Jahrhunderte verändert und erweitert. In dieser Zeit hat es auch immer wieder den Besitzer gewechselt, allerdings soll eine Bewohnerin über all die Jahre hinweg geblieben sein: Die weiße Dame. Sie war wunderschön, aber eitel und selbstsüchtig.

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Einen Verehrer zurückweisen kam für sie nicht in Frage, lieber spielte sie mit den Gefühlen dieser, ohne einen Hauch von Rücksicht oder Verständnis. Unter ihren Verehrern waren auch zwei Brüder, die um sie kämpften. Einer kam zu Tode.  Die junge Adelige erfuhr zum ersten Mal, dass ihre Selbstsucht Folgen für andere hat. Ihr schlechtes Gewissen trieb sie in den Wahnsinn und nur wenige Jahre später in den Tod. Noch heute soll sie in jeder Silvesternacht das Blut von den Treppenstufen wischen. Ob das so ist, weiß wohl nur die jetzige Besitzerfamilie des Schlosses zu Rhede.

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Schon die gute, alte Annette von Droste-Hülshoff wusste ja: „Schaurig ist´s, übers Moor zu gehen.“ Und das aus gutem Grund: Im Venner Moor, in der Wiedau zwischen Steinfurt und Borghorst sowie im Naturerholungsgebiet Davert tummeln sich untote Unholde in Massen, etwa der Ritter Meinhövel. Der hatte nämlich selbst an hohen katholischen Feiertagen das Saufen nicht sein gelassen und muss deshalb bis zum Sanktnimmerleinstag durch das Münsterland randalieren.

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„Ja, die Davert hat so ihre Besonderheiten“, erklärt mir mein Begleiter. „Denn wenn es Herbst wird, dann kann sich der Naturfreund sicher sein, dass er in der Davert nicht alleine ist. Dann ist die Zeit der Geister. Geister sind nebelhaft. Geister tauchen auf, wenn nach dem Sommer die ersten Nebelschwaden als Boten des Herbstes aus den Bruchwäldern und Sümpfen aufziehen und durch den Wald wabern.

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Mir wird doch ein wenig mulmig, die Luft ist noch warm, trotzdem läuft es mir kalt den Rücken runter. Bernd erzählt mir immer noch etwas über die Davert. Auf einem vier Kilometer langen Pfad lässt sich dort übrigens durch den Wald zur Hexenküche wandern. Zur Mitternacht versammelten sich hier die Hexen der Region, brauten Zaubertränke und mixten Tinkturen und Salben. Sie tanzten, sangen und lachten wild. Die meisten Bewohner hielten sich zu dieser Zeit weit von der Hexenküche entfernt, denn jedem der die Hexen bei ihrem Treiben beobachte, spielte das Schicksal übel mit.

Wird Bernd das im Drehbuch auch alles schreiben? „Oh, noch viel mehr!“, lacht er. “Im Film lässt sich so eine Geisterstimmung doch viel besser darstellen, beispielsweise so:  Heiseres Gewieher weht vorüber, in der Ferne rauschen Pappeln im Wind. Die schwarzen Mähnen und Schweife der Konik-Pferde wehen in den Böen. Ein Tümpel blinkt im Licht einer immer fahler scheinenden Sonne, die schwer am Himmel hängt. Insekten surren, eine Hummel tanzt verloren von Blüte zu Blüte.“

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Ich möchte Bernd noch fragen, wie es nun weitergeht mit dem Film und und den Geschichten, doch er ist verschwunden. Ich stehe allein im Wald, so als hätte es Bernd nie gegeben. Hier, wo es nie ganz still ist; Eichelhäher keckern zwischen den Bäumen, Raben zanken auf dem Acker am Waldrand, und wenn es gleich dämmert, dann rufen die Käuzchen. Geister sind oft dort, wo zum Rätselhaften das Diffuse kommt, das Unerklärliche. Es ist eine trügerische Idylle. Ein letztes Aufflimmern der hellen Tage, bevor das Dunkel kommt. Dann sind sie wieder unter sich, die sagenhaften Gestalten, die Geister und Gespenster. Unter sich mit Bernd.

Von hier aus viele Grüße an alle und ich bin gespannt, von welchen anderen Tagesereignissen ich morgen auf Caros Blog lesen werde. Euch allen noch einen schönen Abend! Wer sich auch einmal in anderen #12von12 Tagesabläufen umgucken möchte…  die gemeldeten Blogeinträge des 12. September 2019 werden hier gesammelt. Abermals Danke Caro für Deine große Mühe.

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Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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