MUTTER!

MUTTER!

Mit ihr beginnt das Leben eines jeden Menschen auf der Welt: mit der Mutter! Doch wie sich die Beziehung zu ihr dann weiterentwickelt, ist höchst unterschiedlich. Die Vorstellungen, wie eine gute Mutter sein sollte, das Idealbild einer Mutter, hat sich im Laufe der Geschichte immer wieder verändert, und damit auch die Bilder, die Künstlerinnen und Künstler von Müttern gestaltet haben.

Mal verherrlichend, mal realistisch, mal kritisch hinterfragend zeigt die Kunsthalle Mannheim jetzt in Kooperation mit dem Louisiana Museum of Modern Art in Dänemark in einer breit angelegten Ausstellung, welch unterschiedliche Sichtweisen und Bilder von Müttern es in der Kunstgeschichte bis in die Gegenwart gibt.

Maria, die christliche Übermutter

Bild: BDieric Bouts: Madonna mit Kind, nach 1454

Dieric Bouts: Madonna mit Kind, nach 1454

Ihr Blick ruht voll Liebe und Gelassenheit auf dem kleinen Kind, das sie vorsichtig in ihren Händen hält. Hinter ihr und dem Kind erstrahlt alles in glänzendem Gold. Friede, Ruhe und Geborgenheit gehen von dem kleinen Marien-Gemälde des Renaissance-Künstlers Dieric Bouts aus. Maria, die christliche Übermutter – ein Idealbild, das auch heute noch nachwirkt.

Die Künstlerin Ulrike Rosenbach dagegen hat in den 70er-Jahren zu Pfeil und Bogen gegriffen und für eine Videoarbeit ein Madonnen-Bild mit Pfeilen beschossen. Und ihre Kollegin VALIE EXPORT ersetzt in einer Fotoarbeit das Jesuskind einfach durch einen Staubsauger, den eine selig lächelnde Frau an ihre Brust drückt.

Mutter oder Künstlerin?

Bild: Elina Brotherus: Mein Hund Ist Süßer Als Dein Hässliches Baby, 2013

Unter die Haut geht die autobiografische Arbeit der finnischen Künstlerin Elina Brotherus, die jahrelang versuchte, schwanger zu werden, mit medizinischer Hilfe, und die Versuche in einer Fotoserie dokumentierte. Auf dem letzten Bild der Serie trägt sie einen Hund wie ein Baby im Arm und zeigt der Kamera den Stinkefinger.

Die amerikanische Pop-Diva Beyoncé ist da weniger emanzipiert, sie inszenierte sich 2017 nach der Geburt ihrer Zwillinge wie eine Madonna im Rosenhag  – was ihr Rekord-Klickzahlen in den sozialen Netzwerken, aber auch Kritik einbrachte.

Gegenwartskunst und gesellschaftspolitische Aspekte als Schwerpunkt

Bild: Rene Margritte: Der Geist der Geometrie, ca. 1936

Dass Mutterschaft und Mutter-Rollenbilder keine privaten, sondern gesellschaftspolitische Themen sind, die alle angehen, zeigen die kleinen Themen-Inseln der Ausstellung, die sich zum Beispiel mit der Einführung der Antibaby-Pille und dem Paragrafen 218 auseinandersetzen. Denn es sind schließlich auch die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die bestimmen, wie das Leben als Mutter verläuft.

Es ist eine der Stärken der Ausstellung, dass sie nicht in der Kunstgeschichte schwelgt, sondern ihren Schwerpunkt vor allem auf die Gegenwartskunst legt und gesellschaftspolitische Aspekte aufgreift.

Beim Verlassen der Ausstellung trifft man im Foyer auf eine Zettelwand, die Yoko Ono initiiert hat: jede und jeder kann dort kleine Botschaften und Gedanken zum Thema „Mutter“ hinterlassen. Viele Herzchen und Blumen sind da schon vor der Eröffnung der Ausstellung aufgemalt. Mal sehen, welche Assoziationen die Besucherinnen und Besucher später, nach dem Ausstellungsrundgang, dort hinterlassen.

Ausstellung 01.10.2021 bis 6.2.2022

KUNSTHALLE MANNHEIM
FRIEDRICHSPLATZ 4
68165 MANNHEIM
+49 621 293 6423
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Besuchszeiten auf Anfrage.


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