Der Stress mit dem Weihnachtsessen

 

Wer den Nervenkitzel sucht, braucht heutzutage keinen Abenteuerurlaub zu buchen, sondern nur den Versuch zu unternehmen, ein Weihnachtsessen im Kreise der Großfamilie auszurichten. In Zeiten des Nahrungsmittelüberflusses und des ständig wechselnden “Esstrends” gehört ein solches Unterfangen nämlich zu den größten Herausforderungen an die moderne Hausfrau. Denn wer es allen recht machen will, kann sein lukullisches Wunder erleben. Hier verrate ich Ihnen, wie die Köchin bei all dem Stress zur Gegenoffensive übergehen kann. Ganz nach dem Motto: “Wer essen will, soll den Koch nicht beleidigen!”

Seltsamerweise sieht sich die Dame des Hauses gerade zu Weihnachten oft in eine solche Situation gebracht. Die Lieben versammeln sich, drücken der Mutter den obligatorischen Kuss auf die Wange und fragen im gleichen Atemzug, ob denn das Essen schon fertig sei…

Während die Schwiegertochter auf “light-Kost” besteht, mag es der verwöhnte Sohn lieber edel-gut-bürgerlich. “Aber Mutti, du weisst … keine Zwiebeln, keine Tomaten und um Himmels willen keine Pilze!” Der Enkelsohn hat wiederum ganz andere Ansprüche: “Ich will Nudeln mit Tomatensoße!“ Dessen Schwester hingegen “steht” auf Käsesoße. Der angereiste Onkel gibt sich Erdverbunden – er bevorzugt naturbelassenes Gemüse aus möglichst eigenem Anbau und Körner in allen Variationen. Die dazugehörige Tante isst “eigentlich alles”….

“Aber denk dran, Martha, ich hab’s mit der Verdauung und bei Fisch wird mir übel”.

Ähnliches kann man erleben, wenn man seine Lieben mit Getränken versorgen will. Um das gewünschte Repertoire “auf der Pfanne zu haben”, kann man das Weihnachtsessen gleich im Getränkegroßmarkt stattfinden lassen. Hilfe vom Herrn des Hauses zu erhalten, darauf lässt sich nicht hoffen. Denn dieser hat mit der Bewachung des brennenden Weihnachtsbaumes und der lärmenden Enkelkinder vollauf zu tun. Sagt er!

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Als pflichtbewusste Gastgeberin ist man natürlich bemüht, allen gerecht zu werden und das Gewünschte zu servieren. Doch nicht selten stellt sich die Frage: Was ist das Gewünschte? Erst recht, wenn es auch noch Kaffee und Nachtisch geben soll: Die Kinder schreien nach Eis, der Sohn liebt hausgemachten Milchreis, die Schwiegertochter Obstsalat mit Süßstoff und die Tante eine Tasse echten Kakao mit echter Milch. “Keine H-Milch, Martha!” und viel Schlagsahne. Wie dramatisch das Kaffeeproblem ist, kann jeder nachvollziehen, der schon einmal vor dem entsprechenden Regal im Supermarkt stand. Es versteht sich von selbst, dass sich die angebotene Vielfalt in den Wünschen der Gäste widerspiegelt.

Der Nervenzusammenbruch ist also vorprogrammiert! Früher gab es solche Probleme selten. In der “guten, alten Zeit” saßen zum Weihnachtsessen mehr als 20 Personen an einem Tisch, ohne dass die Hausfrau vorher Tage der Verzweiflung damit verbringen mußte, den Speiseplan zusammenzustellen. So bleibt allerdings nur die Empfehlung – und das nicht nur zu Weihnachten – den Topflappen zu werfen, einen Stapel Tütensuppen zur Selbstbedienung anzubieten und in einen unbefristeten Streik zu gehen. Weihnachten einmal anders, so ganz unter dem Motto: Die Küche zu, kein Essen da, frohe Weihnacht, liebe Gästeschar.

 

Fotos: pexels

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