Ich liebe Blogs (10)

Blogs über Depressionen

In dieser Woche geht es mir ja um das Thema Depressionen, deshalb stelle ich euch in meiner Rubrik „Ich liebe Blogs“ einmal Blogger vor, die offen mit ihrer Erkrankung umgehen und damit zeigen, was Depressionen eigentlich sind – nämlich viel mehr, als nur Traurigkeit.

Dare to be mad

Depressionen und Hoch­sensibilität sind zwei Dinge, mit denen sich Yvonne täglich auseinandersetzen muss. Ehrlich und offen berichtet sie auf ihrem Blog von ihrem Leben mit der Diagnose. Ohne dabei den nötigen Ernst vermissen zu lassen, kommt aber auch der Humor in ihren Artikeln nicht zu kurz. Dabei ist Yvonne nicht nur Patientin, sondern auch ausgebildete Psychotherapeutin – als welche sie jedoch nie aktiv gearbeitet hat. Genau deshalb erhält der Leser auf ihrem Blog nicht nur persönliche Einblicke, sondern auch fundierte Hintergrund­informationen rund um das Thema Depressionen, Trauma und Ängste. Denn die Autorin möchte aufklären, Halbwissen aus der Welt schaffen und Depressionen entstigmatisieren. Auch für Angehörige gibt Yvonne Tipps im Umgang mit der Erkrankung – nicht nur auf ihrem Blog, sondern auch in ihrem Buch „Geh mir weg mit deiner Lösung – Vom Umgang mit depressiven Menschen“.

Fräuleins wunderbare Welt

Fräulein – das ist Frauke – lädt ihre Leser dazu ein, ihre wunderbare Welt kennenzulernen. Auf den ersten Blick liest sich der Name nicht wie ein Blog über Depressionen. Doch genau die gehören eben auch zu Fraukes wunderbarer Welt. Dass Frauke ihr Leben in positive Bahnen lenken will und einen Weg gefunden hat, mit ihrer Krankheit umzugehen, zeigt sich ganz deutlich. Sie nimmt ihre Leser mit auf die Reise durch ihr Leben, das mit Fahrradtouren, Backen, Kochen, Wandern oder Basteln gefüllt ist. All das und auch das Schreiben hat Frauke dabei geholfen, ihr Leben nach dem Krankenstand, in den sie die Depression zunächst gezwungen hat, wieder in geordnetere Bahnen zu lenken. Für Frauke ist die Depression mittlerweile ein Teil ihres Lebens – aber eben nicht der alles beherrschende Teil.

Hoffnungsschein

Gänse­blümchen der Woche. Das sind die kleinen Freuden und Lichtblicke, die Annie in ihrer Woche sammelt und auf ihrem Blog an die Leser weitergibt. Ein Urlaub, ein Spaziergang, Zeit mit Freunden. All das kann ein Gänse­blümchen für die Seele sein. Annie sagt von sich, sie habe den Blog begonnen, „um meine Gedanken aus meinem Kopf fließen zu lassen“. Heute hilft ihr Blog auch anderen Menschen, mit ihren Depressionen umzugehen, sie besser zu verstehen und Techniken zu entwickeln, wie depressive Episoden leichter bewältigt werden können. Annie beispielsweise ist gerne kreativ. Sie fotografiert, reist, treibt Sport, malt, häkelt oder genießt die Natur. Menschen, die selbst mit einer Depression leben, finden auf dem Blog Hilfe bei Depressionen, Hoffnung und Inspiration für Maßnahmen, um sich ihr ent­ge­gen­zu­stellen und können Mut fassen, genau das auch umzusetzen.

Sonnengrau

Sonnengrau beschreibt genau die Lage, in der sich Tanja befindet. Denn weder liegen nur graue Wolken über ihrem Leben, noch scheint immer die Sonne. Das liegt an der rezidivierenden, mittelschweren Depression, die 2008 bei ihr diagnostiziert wurde. Doch das hindert sie nicht daran, volle Kraft durchzustarten: Mit einem Blog, ihrem eigenen Buch, Gastbeiträgen, Lesungen und Vorträgen. Nachdem Tanja gemerkt hat, dass sie nicht immer so tun muss, als wäre alles in Ordnung, teilt sie ihre Erfahrungen und gewährt tiefe Einblicke in ihr Leben, ihre Seele und ihre Gefühlswelt. Auch für einen Austausch unter Menschen, die mit einer Depression leben, will Tanja sorgen und hat deshalb eine geschlossene Facebook Gruppe ins Leben gerufen. Hier, in diesem geschützten Raum, ist ein ehrlicher und offener Austausch möglich, sodass jeder merkt, dass niemand mit der Erkrankung alleine ist. Denn das Leben ist auch mit einer psychischen Erkrankung nicht nur trist und grau, sondern kann auch sonnig sein – sonnengrau eben.

Livng the Future

Die Zukunft – darum geht es auf dem Blog von Uwe. Genauer gesagt, geht es um seine eigene Zukunft, die aufgrund einer schweren Depression schon am seidenen Faden hing. Damit es anderen nicht auch so ergeht, klärt Uwe mittlerweile nicht mehr nur auf seinem Blog, sondern auch in Vorträgen, Lesungen oder Interviews über Depressionen und Angststörungen auf. Er erzählt dabei ganz offen, wie er gelernt hat, mit seiner Erkrankung zu leben und gibt seine Erfahrungen auch in seinen Büchern weiter. Besonders am Herzen liegt ihm, sich gegen die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen einzusetzen. Gerade deshalb hat er auch (sehr erfolgreich) eine Petition gegen das bayerische Psychiatriegesetz angestoßen, was zu einer Entschärfung des umstrittenen Psychiatriegesetzes führte. Denn Menschen mit psychischen Erkrankungen sollen Hilfe bei Depressionen und die nötige Versorgung erhalten anstatt auf Ablehnung zu stoßen.

Lieblingsmensch me

Annegret hat wieder zu sich selbst gefunden und gelernt, sich zu lieben. Wie sie das trotz oder gerade wegen ihrer psychischen Erkrankung geschafft hat, erzählt sie auf ihrem Blog. Annegret war 2 Jahre lang Mitgefühls-Coach und Resilienz-Trainerin und hat andere Betroffene dabei unterstützt, sich selbst besser anzunehmen und lieben zu lernen. In der Zwischenzeit hat sie ein eigenes Resilienztraining entwickelt, welches Betroffene speziell bei der Überbrückung von Therapiewartezeiten unterstützt. Daraus hat sich im Herbst 2018 ein neues, soziales Unternehmen gegründet: die erfahrungsexperten. Wie der Name schon sagt, geben „die erfahrungsexperten“ ihre Psychiatrie- und Krisenerfahrung heute als Team an andere weiter – u.a. in Form von Resilienztraining, Beratung und Workshops. Das übergeordnete Ziel ist es, die (oft defizitäre) Sicht auf Betroffene von psychischen Erkrankungen in der Gesellschaft nachhaltig zu verändern.

Jeder Tag ist ein neuer Tag

Bloggerin Weena führt ihren Blog als ein Tagebuch – mit fast 60 Jahren ist sie gestrandet, in eine Depression abgerutscht und versucht nun einen Neustart. Geholfen hat ihr das „Blog-schreiben“ Gedanken zu ordnen und zu reflektieren. Ihre Texte sind traurig, ab und an melancholisch, leise und kaum voller Freude. Dennoch helfen sie anderen, wie es sich lebt – mit einer Depression. Ihren Blog hatte ich in meiner Reihe schon einmal vorgestellt. Aber auf ihr Tagebuch möchte ich noch einmal hinweisen.

Ja zum Gefühl

Bei Nora wurde nicht einfach „nur“ eine Depression diagnostiziert, sondern auch eine Borderline-Persönlich­keits­störung und eine generalisierte Angst­störung mit Panik­attacken festgestellt. Nora hat bereits in ihrer Kindheit gemerkt, dass sie anders war – sie war öfter traurig, sehr sensibel und grübelte viel über den Sinn des Lebens nach. Hinzu kamen lebens­müde Gedanken und selbst­verletzendes Verhalten. Nach der Diagnose­stellung tat Nora das, was viele tun: Sie fing an, sich im Internet zu informieren. Die Infos, die sie zu finden versuchte, fand sie aber nicht. Deshalb beschloss sie ihren eigenen Blog zu starten. Auf diesem trägt sie seither all das zusammen, was sie selbst gerne gelesen hätte und um sich selbst und anderen Mut zuzusprechen. Ganz bewusst sagt die Autorin hier „Ja zum Gefühl“. Denn auch Ängste, Traurigkeit, seelische Tiefpunkte und innere Konflikte sind Gefühle, für die sich niemand schämen müssen sollte. Ganz offen schreibt sie deshalb genau darüber, verrät, wie sie mit ihren Ängsten umgeht, welche Erfahrungen sie in ihrer Therapie und mit Selbst­hilfe­gruppen gemacht hat und wie sie ihren Alltag gestaltet. Ihre Texte helfen nicht nur Nora selbst, sondern lassen tief in ihre Gefühls- und Gedanken­welt blicken. Die ist ganz und gar nicht immer nachdenklich oder gar düster, sondern durchaus auch humorvoll und voller Esprit.

Und beim nächsten Mal?

Mehr findet ihr übrigens unter der „MyTherapyApp“, bei der ich mich für die Informationen bedanke. In der nächsten Folge meiner kleinen Reihe „Ich liebe Blogs“ geht um Liebe, Geschichten und Gedichte. Auch das ist heute anders als vor 20 Jahren.