Ganz normal

Nichts ist eben vollkommen!

Die Nomaden haben es einfach: Wenn sie aus irgendwechen Gründen ihren Wohnplatz wechseln wollen, brechen sie ihre Zelte ab, rollen die Teppiche ein, packen Mokkatassen und Töpfe zusammen und pfeifen ihren Kamelen.

Nicht nur, dass bei uns das Zusammenpacken viel mehr Zeit und Überlegung erfordert – auch die Suche nach dem neuen Platz erweist sich als eine schwierige Aufgabe.

Zunächst einmal stimmen einen die Anzeigen im Internet zuversichtlich: So viele wunderbare Wohnungen gibt es da, und alle sind herrlich gelegen oder in Stadtnähe, Liebhaberobjekte, neben dem Stadtpark, mit Aussicht auf den See, modernste Ausstattung, voll renoviert, herrschaftlich, verkehrsgünstig oder eben eine einmalige Gelegenheit.

Einige Besichtigungen und Telefonate bringen die erste Lektion im Leben von Wohnungsangeboten: Das “Liebhaberobjekt” ist entweder brandteuer, oder die Liebhaber müssen als Heimwerker zunächst einmal installieren oder als Nostalgiker für Ofenheizung schwärmen. Die Aussicht auf den See lässt sich genießen, wenn man im Badezimmer den Kopf weit aus dem Dachfenster hinaus hält. “Verkehrsgünstig” bedeutet, dass der vorbei rauschende Berufsverkehr es einem mindestens zweimal am Tag unmöglich macht, die Straße zu überqueren.

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Zeitangaben wie “Zehn Minuten zur Innenstadt” sind so zu verstehen, dass diese Zeiten mit einem schnellen Auto bei günstigen Wetterbedingungen morgens früh um vier möglich sind, während “direkt am Park” sagen will, dass man besagten Park in einem entspannenden, nicht allzu kurzen Spaziergang tatsächlich zu Fuß erreichen kann. Außerdem kennt man sich nach einiger Zeit mit der Tücke der stets erwähnten “Nebenkosten” aus: In der Regel müssen ein Drittel oder gar die Hälfte der Miete nochmals zugerechnet werden.

Das Suchen nach einer Wohnung kann einen ganz schön in Trab halten. Manchmal irrt man lange umher, bis man da angepriesene “Schnäppchen” in einer gottverlassenen Gegend neben einer Autogebrauchtwarenhandlung endlich gefunden hat. Man kann übrigens noch so sorgfältig auswählen, irgendein Pferdefuß stellt sich später immer heraus: Da heiße Wasser läuft zu dünn, an den Wänden ist Schimmel oder die Nachbarskinder üben Blockflöte.

Wie gesagt: Nichts ist eben vollkommen. Und es ist nur gut, wenn man dies von Anfang an weiß.

1 Kommentar

  • Wohnungssuche ist ein Gräul.
    Bruchbude.
    4. Stock ohne Aufzug.
    Nur mit Badewanne.
    Ohne Einbauküche.
    Kein Balkon
    Offene Zimmer
    Umgebung zu laut
    Viel zu teuer, also unbezahlbar.
    Schrecklich!!!!!

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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Berühmt werden will ich mit diesem Blog nicht. Ich mache nur etwas, was viele andere noch besser und wunderbarer tun als ich: Ich teile mich mit, über das, was mir auffällt, einfällt und überfällt.

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