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Typisch deutsch: Die Deutschen und ihre dänischen Nachbarn

„Ihr Deutsche mögt es korrekt, nicht?“ Das oder zumindest ähnliche Formulierungen bekomme ich immer dann zu hören, wenn ich mit Dänen über die Deutschen spreche. Ich finde es äußerst interessant zu erforschen, welches Bild sie von den Deutschen haben. Eines vorweg, unsere Sprache finden sie durchweg grauenhaft. Jeder muss sie ab der fünften Klasse in der Schule lernen, aber richtig gerne tut das kaum einer. Wie denken die Dänen über uns? Welches Bild haben unsere nordischen Nachbarn von uns Deutschen? Ich habe mich mal etwas umgehört.

Deutsche werden als zuverlässig, konservativ und fleißig eingestuft. Man schätzt sie daher als berufliche Partner. Die Angewohnheit, Überstunden oder lange Arbeitszeiten als Normalität zu akzeptieren, ist für Dänen hingegen nicht nachvollziehbar. Einer häufig genannten Ansicht nach identifizieren sich die Deutschen hauptsächlich über ihren Beruf: Sie schlagen früh einen Weg ein, absolvieren unzählige Praktika und bleiben geradlinig und firmentreu bis möglichst zum Ruhestand. Erfolg stellt sich bei abgeschlossenem Ausbildungsverlauf mit Diplom und Auszeichnungen ein.

Dänischer Humor ist oft sarkastisch und selbstironisch. Dänen ziehen sich dabei gerne selbst ins Lächerliche. Witze über BER oder Stuttgart 21 haben durchaus dänische Züge. Aber sich auf Kosten anderer lustig zu machen, das finden wir Deutschen eher nicht witzig. Deutscher Humor ist anders als dänischer. Und das führt leider manchmal zu Missverständnissen.

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In Deutschland wird alles prozessoptimiert und extrem sorgfältig geplant, wohingegen man in Nordjütland schon mal nach dem Prinzip „Das finden wir unterwegs raus“ an die Dinge herangehen würde. Die Dänen  erklären sich die deutsche Eigenart, stets strukturiert vorgehen zu wollen, als Wunsch nach Sicherheit. Der Deutsche ist in ihren Augen korrekt, vertraut und liebt feste Strukturen. Und genau darum zieht er auch oft über Jahre hinaus immer wieder in das gleiche Ferienhaus! Dass gerade Nordjüter immer das gleiche Süppchen kochen wollen, ist da natürlich ganz was anderes – Hauptsache, es schwimmen genug Würstchen in der Suppe! Apropos Wurst.

„Pølsetysker – tysk turist, der rejser sparsommeligt og hovedsagelig lever af (medbragte) pølser.“ *

* Wurstdeutscher: deutscher Tourist, der sparsam verreist und hauptsächlich von (mitgebrachten) Würsten lebt.
Ein dänischer Nachbar

Jawoll, also genau das denken die Dänen von uns. Angesichts immer noch (sic!) auftauchender Kommentare in sozialen Medien, wo man zum unbedingten Mitbringen von Lebensmitteln rät, weil alles furchtbar teuer in Dänemark sei, komme ich beinahe auf die Idee zu fragen, ob wir Deutschen diesen Eintrag im Wörterbuch selbst zu verantworten haben?

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Jedes Jahr, wenn sich Nachbar von seinen Ferien in Spanien zurückmeldet, schwärmt er vom Können deutscher Autofahrer. Dieser Ansicht sind übrigens viele Dänen, obwohl schon im nächsten Nebensatz auf die „furchtbaren Autobahneinfahrten“ hingewiesen wird. In Dänemark gilt ein Tempolimit von 80 auf der Landstraße und 130 auf der Autobahn. Das reicht vollkommen, um von A nach B zu gelangen und reduziert den Stress beim Fahren deutlich.

 Obwohl ich zu der Erkenntnis komme, dass Deutsche und Dänen total verschiedene Menschen sind, so eint sie viel mehr, als man meint. In diesem Beitrag ging es mehr um die Stereotypen und Extremaussagen wie „Tysker er rumvæsner“ (Deutsche sind Außerirdische).

Wir sind nämlich Europäer. – Deutsche wie Dänen. – Nur das ist wichtig und ist auch gut so.


Kommentare

  • Danke für die interessanten Ausführungen. Was mir übrigens schon lange auffällt, ist, dass viele Deutsche, z.B. in dänischen Restaurants und Läden, gleich in ihrer eigenen Sprache loslegen, so als wären sie zuhause. Sie geben sich überhaupt keine Mühe, wenigstens zum Anfang ein paar Brocken Dänich zu radebrechen.
    Dass die Dänen unsere Sprache grauenhaft finden, mag ja sein. Aber umgekehrt gilt das allerdings auch, denke ich. Der Unterschied: Dänen sind höflicher.

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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Berühmt werden will ich mit diesem Blog nicht. Ich mache nur etwas, was viele andere noch besser und wunderbarer tun als ich: Ich teile mich mit, über das, was mir auffällt, einfällt und überfällt.

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