Ganz normal

Und ewig radeln die Räder

Impressionen einer Fahrradtour

Zunächst einmal: Wir haben gemogelt. Angestiftet hat uns der freundliche Herr im Verkehrsamt am Ulmer Münsterplatz. Er meinte nämlich, die ersten vierzig Kilometer des Radwanderweges Donau-Bodensee (entlang der oberschwäbischen Barockstrasse) könnten wir uns sparen. Statt bis Laupheim die ehemalige Bundesstrasse 30 entlangzuradeln und uns über den Verkehr zu ärgern, sollten wir uns lieber in den Zug nach Biberach setzen und dort die Tour beginnen.

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Die sechzehn ersten Fahrradkilometer bis Ochsenhausen, das erste Ziel unserer Reise, sollten die schnellsten unseres Unternehmens sein. Die Kinder Patrick (10) und Oliver (6) waren kaum zu bremsen. Im Ochsenhausener Gasthof „Zur Post“ verspeisten wir heisshungrig Maultaschen geschmälzt, Fleisch mit Spätzle und – dieses Satanswort – Eis. Bei letzterem weiss ich von meinen Kindern, dass sie das Wort bereits seit ihrem ersten Lebensjahr beherrschen und dies zusammen mit den Worten „Pommes“ und „Pudding“ wohl auch nicht so schnell wieder verlernen werden.

Den Krumbach entlang, auf dem von Mönchen angelegten Breviersweg, radelten wir durch den Fürstenwald nach Rottum. Wie Oliver es schaffte, trotz Kettenschutz blitzartig sein Hosenbein zwischen Zahnrad und Kette zu klemmen, wird für immer ein Rätsel bleiben. Jedenfalls brauchte ich fast eine halbe Stunde, um ihn wieder zu befreien. Ölverschmiert und alle Fahrräder zum Teufel wünschend, versuchte ich mich notdürftig mit Sand und Quellwasser zu reinigen, während die anderen bereits wieder vergnügt einer Schafherde nachjagten.

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Am Ziel hatten die Kinder die Anstrengungen des Weges sofort vergessen. Keine Kirche, kein Kloster, kein Schloss war zu besichtigen, auf sie wartete ein herrlich wilder Abenteuerspielplatz, dazu kam selbstverständlich ein Eis.

Eis und Limo waren der letzte Spass für Olivers schwärzeste Stunde. Olivers Fahrrad gab nämlich unterwegs den Geist auf – Rahmenbruch. Während Oliver am Strassenrand mit den Tränen kämpfte, telefonierte ich mir die Finger wund – ein Bahnhof verwies mich an den anderen. Keiner fühlte sich für ein kaputtes und geliehenes Fahrrad zuständig, niemand wollte uns abholen, geschweige denn das Fahrrad.

Also stellten wir es unter und ich nahm meinen Sohn mit auf die Fahrradstange – Richtung Bodensee. Je schneller die Fahrt bergab ging, um so mehr Vergnügen fand Oliver an seiner neuen Rolle als Beifahrer. Wir gaben unsere verbliebenen Räder ab, schulterten die Fahrradtaschen und saßen Minuten später schon im Zug zurück nach Lindau.

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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