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Unser tägliches Meeting gib uns heute

Was früher lapidar “Besprechung” hieß, wird heutzutage als „Meeting“ bezeichnet. Und dann wäre da noch „TeamWorking, Jour fixe, Workshop, Brainstorming oder Design-Thinking”. Gelegenheiten, sich mit Kollegen an einem großen Tisch auszutauschen, gibt es reichlich. Bei einigen Treffen dieser Art stellt sich im Nachhinein die Frage nach dem Ergebnis. Und wenn sie dann noch so ablaufen:

Wenn Sie schnell eine Entscheidung benötigen, setzen Sie das Meeting um 14 Uhr an. Dies ist bekanntlich die Zeit, an der viele Kolleginnen und Kollegen von einer gewissen Mittagsmüdigkeit eingefangen werden. Ihrer Argumentation wird man deshalb nur zu gerne folgen. Typische Meeting-Zeiten sind Montag- oder Donnerstagvormittag, möglichst um 10 Uhr, damit auch die Spätaufsteher eine Chance erhalten, daran teilzunehmen. Kommen Sie auf keinen Fall pünktlich, weil Sie damit beweisen, an ihrem eigentlichen Arbeitsplatz nichts zu tun zu haben. Andererseits stellen Sie durch Ihre Verspätung klar, wie sehr Sie in Ihren Aufgaben gefordert werden. Bringen Sie nur einen Laptop zu Meetings mit, wenn andere Teilnehmer dies auch tun. Sonst könnten Sie schnell den Auftrag erhalten, dass Protokoll anfertigen zu müssen. Meetings mit Technik bieten besondere Reize. Ist es nicht herrlich, wenn der Moderator versucht, den Beamer startbereit zu bekommen. Hier gilt es als echter Kollege mit gutem Rat beizustehen. „Das hatte ich auch schon mal, bei mir ging das aber schneller“, sind Formulierungen, mit denen Sie sich auch für die nächsten Meetings beim Moderator in guter Erinnerung behalten.

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Natürlich sollten Sie das gerade begonnene Meeting für einen sogenannten „Small Talk“ nutzen, also zu einem Schwätzchen über den neusten Tratsch über Kolleginnen und Kollegen. Von der Nebentätigkeit des Kollegen K. haben alle gehört, über die kranken Papageien von Kollegin F. ist noch nicht jeder informiert. Nachdem sich auch noch einige Mitarbeiter mit frischem Kaffee und Getränken eingedeckt haben, kann endlich Punkt 1 der Tagesordnung in Angriff genommen werden. Stellen Sie fest, dass Sie vorab keinerlei Unterlagen erhalten haben und Sie nun nicht zu den einzelnen Punkten Stellung nehmen können. Wenn der Moderator Sie bittet, Ihr Handy auszuschalten, legen Sie es einfach vor sich auf den Tisch. Damit wird auch der letzte Teilnehmer überzeugt, wie wichtig Ihre Anwesenheit ist. Das Benehmen auf Meetings hängt vom Personenkreis ab: Ist Ihr Chef in der Nähe, laut die Großzügigkeit der Firma loben. Ist der Betriebsrat in der Nähe, ebenso lautstark die soziale Kälte beklagen. Sind Untergebene in der Nähe, die verlorengegangene Arbeitszeit beklagen.

Getränke werden auf Meetings im Selbstbedienungsverfahren angeboten. Da sie unentgeltlich gereicht werden, verliert so mancher schnell den Überblick, die wievielte Flasche Cola er hat.

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Geben Sie niemals zu, dass Sie vom Thema nichts verstehen. Stellen Sie auf die Bemerkung eines DV-Kollegen, dass die Festplatte erweitert werden muss, niemals die Frage, was denn gefeiert wird. Ist die Rede vom PCI-Bus, erkundigen Sie sich nicht, wo denn die Haltestelle sei und reichen Sie niemals ein Heftpflaster, wenn ein Kollege von einer Schnittstelle berichtet. Speichern Sie so viele Fachausdrücke wie möglich, und bringen Sie sie in variabler Reihenfolge ins Gespräch. Eine Bemerkung wie: „Ich glaube, mein Floppy-Controller hat über die CMOS-RAM-Platte Leistung verloren. Der muss rentilisiert und die Suspend-to-HDD aktiviert werden!“ ergibt zwar keinen Sinn, löst aber die Bewunderung der Kollegen aus. Niemand wird wagen zuzugeben, dass er es nicht verstanden hat.

Das Schönste an Meetings sind die Pausen. Erst einmal sollten Sie sich für die spätere Fortsetzung mit frischen Getränken versorgen – bevor es später die anderen getan haben. Sobald Sie merken, dass das Meeting fortgesetzt werden soll, gehen Sie auf die Toilette.

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Das Ende ist bei einem Meeting besonders schwer durchzusetzen. Man sollte sich also ein bestimmtes Limit setzen und einen Wecker einstecken, den der Handel im gewünschten Format bereithält. Bei vielen Kollegen werden sie wegen ihrer konsequenten Haltung in der Achtung steigen. Vorgesetzte sollten sich per Handy abrufen lassen. Zum Schluss könnten Sie noch einmal für ungeteilte Aufmerksamkeit sorgen, indem Sie die im Meeting festgelegten Aufgaben ihren Kollegen falsch zuordnen. Es ist dann sehr schön festzustellen, dass einige Kolleginnen und Kollegen selbst nicht mehr wissen, was sie eigentlich machen sollten.

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Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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