Ganz normal

Vom Hochzeitskleid bis zur Käsestulle

Ob S-Klasse, Mittelklasse oder Kleinwagen: Innen sind sich viele ähnlich. Scheinbar ziehen einige Autobesitzer ob des Inhalts ihrer Vehikel seit Jahren mit ihrem Hausstand durch die Gegend. Wenn Kfz-Gutachter auch das Innenleben von Autos bewerten müssten, käme dies oftmals einer Aufstellung einer halben Wohnungseinrichtung gleich.

Sicherlich haben Sie das auch schon einmal erlebt: Da steht man im Stau und hat vor sich so ein Auto, dessen Fahrer glaubt, er fahre Auto-Scooter. Und ausgerechnet jetzt muss wohl der Chip zu Ende sein. Vielleicht weckt ja auch die Hutablage des vorherfahrenden Wagens die Neugier. Darauf sieht´s manchmal so aus, als hätte im Wageninnern ein Erdbeben stattgefunden: Papiere, Atlanten, Regenschirme oder Verbandskästen sind da noch die alltäglichsten Gegenstände.

frau-räumt-einkäufe-in-das-auto

Besonders auffallend: Einige Autofahrer zieren den Platz hinter der Rückbank ihres Wagens mit einer nett umhäkelten Rolle Toilettenpapier. Wohl aus Angst, die Autobahntoiletten bis Oberbayern sind wegen Renovierung geschlossen. Schon lange bekannt im Autoinnern sind der Wackeldackel und die so genannten Fensterfiguren. Als da wären Garfield, Pink Panther, Dracula oder Bugs Bunny. Mit vier Saugnäpfen an die Seitenscheibe geklebt sollen sie der Belustigung der Fußgänger dienen. Falls die das bei dem Tempo überhaupt merken.

armaturenbrett-auto-blau-67092

Nach Schätzungen des ADAC waschen mehr als 10 Prozent der Autofahrer ihr Vehikel wöchentlich immer noch selbst. Obwohl das wegen der Umweltverschmutzung eigentlich verboten ist. Wie das Auto von außen glänzt, sieht also jeder. Und wie es drinnen aussieht, sollte keinen etwas angehen. Aber wenn der Inhalt einer Fahrzeugkabine Rückschlüsse auf den Fahrer vermuten ließe, dann sollten sich einige ganz schön was schämen. Manche Autos gleichen da von innen fast schon einem Schuttabladeplatz: Kaugummipapier, Zigarettenkippen, Kassetten, Putzlappen oder Papiere.

Schon beinahe alle Hemmschwellen im Bezug auf fremdes Eigentum verlieren manche Zeitgenossen, wenn es sich nicht um das eigene Auto handelt. Ein Autovermieter aus Köln beispielsweise fand nach der Rückgabe gemieteter Gebrauchtwagen in manchem die mittlere Angebotspalette eines Kaufhauses: Kämme, Bürsten, Nagellack, Lippenstift, Feuerzeuge oder Ohrringe.

auto-baume-draussen-105032

Eine besondere Spezies sind die Schussel unter unseren Mitmenschen, die etwas in fremden Wagen liegen lassen, dass sie doch eigentlich vermissen müssten. Die Taxizentrale in Münster hält für derartige Fundstücke extra einen Raum bereit. Darin werden dann gefundene Schlüssel, Regenschirme oder Fotoapparate gesammelt. Auch ein Hund wurde mal im Taxi vergessen, weil er wahrscheinlich zu gern Auto fuhr, konnte Herrchen ihn nicht zum Aussteigen bewegen.

Ein weiteres Risiko zur lebensechten Umgestaltung des Autoinnenraumes sind Kinder. Denn selbst wenn die Kids zu Hause ausgezeichnete Tischmanieren pflegen, so entfalten sie in der Verunstaltung der Autorücksitze ihre volle Kreativität. Manche Eltern begegnen daher den Verpflegungswünschen ihrer lieben Kleinen profimäßig. Schokolade wird nicht auf die Reise mitgenommen. Wohl aber Kekse. Die liegen dann zerkrümelt auf der Hutablage – gleich neben dem Wackeldackel.

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

Über diesen Blog:

Blog-Info:

Berühmt werden will ich mit diesem Blog nicht. Ich mache nur etwas, was viele andere noch besser und wunderbarer tun als ich: Ich teile mich mit, über das, was mir auffällt, einfällt und überfällt.

%d Bloggern gefällt das: