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#WMDEDGT August 2019

Vor mehr als sechs Jahren hat Frau Brüllen in ihrem Blog den Anfang mit einer Tagbuchblog-Woche gemacht und seitdem kann jeder der möchte einmal aufschreiben, was genau er am 5. des Monats gemacht hat. Abends wird das im Blog von Frau Brüllen verlinkt und so lässt sich dann auch bei anderen lesen, was die denn am 5. des Monats gemacht haben. Das Ganze läuft unter der gemeinsamen Überschrift: #WMDEDGT? und heisst:„Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

Hier also nun, was ich denn heute so den ganzen Tag gemacht habe.

07:00 Uhr

Weil es Montag ist, stehe ich früher auf. Zunächst mit einem Müsli mit Himbeeren und ganz viel Quark.

08:00 Uhr

Die frühe Zeit im Büro nutze ich dazu, die am Wochenende aufgelaufenen Meldungen und E-Mails zu sichten. Ist etwas dabei, dass nachher für „unsere VRK“, sprich: „Vormittags-Redaktions-Konferenz“ interessant wäre? Dabei regt mich mehr auf, wie sich so einige Zeitgenossen verhalten, wenn sie Informationen über Beiträge oder über uns haben möchten. Die allgemeine Bequemlichkeit verleitet scheinbar immer mehr, die eigene Arbeit auf andere abzuwälzen, und manches Mal habe ich den Eindruck, mit Google verwechselt zu werden. Wir unterstützen in der Redaktion Wissbegierige mit Rat und Tat und beantworten gezielte Fragen herzlich gerne. Allerdings reagieren wir auf großzügig und generell gehaltene Bitten wie „Könnten Sie mir ALLES zum Thema xy zusenden“ inzwischen ziemlich allergisch. Wie gut, dass ich zur Beantwortung einiger Hörer-Anfragen meinen Praktikanten beauftragen kann.

9:00 Uhr

Meine Kollegin erzählte mir, dass sie in der vergangenen Woche zu einer Tupperparty eingeladen war. Als Gastgeschenk gab es eine Eierdose für zwei Eier deren Sinn und Notwendigkeit von einigen geouteten Tupperisten unter den Kollegen stark bezweifelt werden kann. Heute morgen hätte ich diese Dose brauchen können. Die beiden frisch gekochten Freilandhühnereier vom Dealer des Vertrauens wurden leider auf dem Fahrradgepäckträger in der handlichen Journalisten-Aktentasche leicht lädiert.

10:00 Uhr

In einer Redaktionskonferenz geht es in der Regel recht locker zu. Natürlich gibt es fest Inhalte. Zunächst kurze Infos, was wo und wie los war am vergangenen Wochenende. Gefolgt von den Terminen, die in der kommenden Woche geplant sind. Hier werden dann die Themen schon den Redakteuren zugeordnet.

11:00 Uhr

Gerade noch einmal Glück gehabt, der Auftrag über den nicht genehmigten Abriss eines Hauses zu berichten ging an die Kollegin Steffie. Ab und an ist es sinnvoll bei der Verteilung geschäftig in den Unterlagen zu blättern. Hihi. Steffies Blick mir gegenüber ist allerdings fast tödlich. Für den Laien muss ich das erklären: Wir wissen meist schon bei den Themen, wie viel Arbeit sie machen und wie viel Zeit sie uns kosten können.

11:30 Uhr

Wir sind bei den Themenvorschlägen für heute. Ein Kollege möchte etwas schreiben über die Frage: „Sind schöne Menschen intelligenter?“ Dazu gibt er folgende Hypothese: Intelligente Männer wie Frauen erreichen einen höheren Status – Intelligente Männer heiraten schöne Frauen. Intelligente Frauen heiraten intelligente Männer – wenn möglich schöne dazu – Intelligenz ist vererblich – Schönheit ist vererblich – Ergo: Die Schönen sind durchschnittlich schlauer. Der Vorschlag wird angenommen und ich dürfte nicht der Einzige sein, der auf das Ergebnis des Kollegen gespannt ist. Ein weiterer Vorschlag: Gibt es nichts Sinnlicheres als einen Mann, der für seine Frau kocht? In einer Kochschule in Düsseldorf gibt es einen Wettbewerb bei dem Männer um die Gunst der Frauen brutzeln. „Kochen sei schließlich“, so die Kollegin die das Thema vorgeschlagen hat, „der heißeste Trend, der abgeht.“

12:00 Uhr

Na sieh mal einer an: Der Praktikant hat sich mehr oder weniger erfolgreich mit den Hörer-Anfragen beschäftigt. Jemand hatte gefragt, ob Einkünfte aus Erpressung der Einkommenssteuer unterliegen? Antwort: Ja, so sieht das die hessische Finanzverwaltung. Das gilt auch für Schmiergelder und Schutzgelderpressungen. Falschmünzerei ist als regelmäßige gewerbliche Tätigkeit zu betrachten und unterliegt zudem auch der Gewerbesteuer. Auch gewerbesteuerpflichtig sind Drogenhandel, illegales Glücksspiel und Menschenhandel. Bei Waffenschmuggel muss zusätzlich Umsatzsteuer abgeführt werden. Die hessische Finanzverwaltung soll jedoch Probleme haben, die Steuerlasten einzutreiben. Es gibt wohl nicht besonders viele Kriminelle, die eine Steuererklärung machen.

14:00 Uhr

Nach einem ausgiebigen Mittagessen mit kurzer Einnahme eines leckeren Stück Lachs und einem längeren Spaziergang diskutiere ich auf dem Flur mit den Kolleginnen über ein Parfüm, dass es auf dem Markt gibt. Es riecht nach Käse. Und zwar nach einem ganz speziellen Käse (Stilton). Stilton war lange bekannt als “der König der Käse” und kommt aus Großbritannien. Nur Käse, der in den drei Grafschaften Derbyshire, Leicestershire und Nottinghamshire produziert und gemäß eines strengen Kodexes hergestellt wird, darf Stilton genannt werden. Nur sieben Molkereien haben die Genehmigung diesen Käse herzustellen. Der Hersteller geht den Weg und positioniert sich im Markt der Parfumhersteller. Das Parfum “Eu de Stilton” soll ein “erdiges und fruchtiges Aroma” haben. Also, wenn der Partner bald nach Käse riecht, sind es nicht immer die Füße…

15:00 Uhr

Gerade ist die obere Kugel dieses Eis-Hörnchens (natürlich, nachdem ich die Schokolade fein säuberlich oben abgeknabbert hatte) auf die Tastatur gefallen. Wefde getz edfas brutchen, um ..

16:00 Uhr

Habe nun eine neue Tastatur, die alte war nicht mehr zu reparieren und eh schmutzig. Der Praktikant will den „Trick mit dem Eis“ auch einmal probieren, wenn er dadurch eine neue Tastatur bekommen kann. Seit meine Kollegin dazu feststellte, dass dies von mir kein Trick sei, sondern ich immer so Eis essen würde, ist die Tür zwischen unser beider Büros fest geschlossen.

17:00 Uhr

Die Tastatur des Praktikanten ist hinüber. Das Eis hat ganze Arbeit geleistet. Eine neue Tastatur gab es nicht. „Er soll sie trocknen lassen“, wurde ihm gesagt. Zum Trost gab es ein Bonbon vom Techniker. Habe dem Praktikanten Unterlagen zum Kopieren gegeben und ihn ermahnt, dabei kein Eis zu essen. Nun ist er erst einmal beschäftigt.

17:30 Uhr

Seit längerem wächst in mir das Bedürfnis, mal etwas völlig belangloses zu schreiben. ohne Bilder und ironischen Unterton, fern jeglicher Mehrdeutigkeit oder Anspielung. einfach nur mal so einen Satz raus hauen, der nur für sich steht und auf nichts anderes verweist, der weder besonders konstruiert noch irgendwie gekünstelt wirkt, der mal auf Relativsätze verzichtet, der schlicht und einfach nur Bestandsaufnahme eines kleinen Augenblicks sein möchte, kurz und knapp und ohne permanente Polysyndeton oder alberne Alliterationen – nicht mehr und nicht weniger. einfach mal schreiben, wie es gewesen ist.

Also. los geht´s.

Bevor ich heute morgen anfing, wusste ich, jetzt Feierabend zu machen.

Verlinke den Beitrag nun noch bei Frau Brüllen und freue mich über die vielen anderen WMDEDGT des Monats August 2019.

 

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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