#WMDEDGT Dezember 2018

Vor fünf Jahren hat Frau Brüllen in in ihrem Blog den Anfang mit einer Tagbuchblog-Woche gemacht und seitdem kann jeder der möchte einmal aufschreiben, was genau er am 5. des Monats gemacht hat. Abends wird das dann im Blog von Frau Brüllen verlinkt und so lässt sich dann auch bei anderen lesen, was die denn am 5. des Monats gemacht haben. Das Ganze läuft unter der gemeinsamen Überschrift: #WMDEDGT? und heisst:„Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

6:00 Uhr

Bin schon absolut„Topp-Fit“. Eigentlich wollte ich erst um 6:30 Uhr zu einer Laufrunde aufstehen. Aber der Herr im Vorgarten des Hotels meinte es wohl gut mit mir und den anderen Gästen, als er den Laubbläser angestellt hat. Und ein Blatt muss ihm verdammte Schwierigkeiten bereitet haben. Irgendwie habe ich das Gefühl, der bläst nur unter meinem Zimmerfenster.

8:00 Uhr

Im Verlauf eines Jahres erreichen uns viele Einladungen zu Tagungen und Besprechungen, auf denen wir dann ab und an erfahren, was es denn zukünftig noch Neues geben wird auf der Welt und über das sich vielleicht berichten lässt. Und dann überlegen wir uns, wer von der Redaktion dahin fährt. So habe ich mich für eine Tagung über die zukünftige Rolle des Chefs entschieden, denn im Rahmen der Digitalisierung wird der zum agilen Netzwerker. So jedenfalls sieht es der Veranstalter und hat dafür heute einiges an Referenten aufgeboten.

9:00 Uhr

Mag sein, dass die draußen nicht alle Blätter sortiert haben, aber das Frühstücksbufett ist schon vom Feinsten. Mein Tischnachbar ist fast geneigt, morgen eine Tupperdose mitzubringen. Nun sitze ich hier – ausgestattet mit einem Tablet zum Mitschreiben – zusammen mit anderen Journalisten und werde zugepackt mit einem dicken Ordner an Infomaterial. Äh, geht es hier nicht um die Digitalisierung?

09:30 Uhr

Hinter mir sitzt ein Referent der ziemlich nervös ist und fortlaufend aufsteht. Das Übel, er haut dabei jedes Mal an meinen Stuhl. Ob der Mensch seine Beruhigungstablette vergessen hat?

10:00 Uhr

Dieser nervöse Mitmensch kämpft noch mit seiner Laptoptasche, dann ist es geschafft, er sitzt. Ein Tagungsteilnehmer auf der anderen Seite fühlt sich offenbar geschmeichelt. Schon zwei Mal hat ihm die kleine blonde Mitorganisatorin der Veranstaltung einen langen Blick zugeworfen Ob er wohl überhaupt merkt, dass sie nur den Getränkebestand kontrolliert? Soll er doch weiter an einen Flirt glauben.

11:15 Uhr

Ein wunderbarer Vortrag über Zusammenarbeit im Team liegt hinter mir. Abgesehen davon, dass ich den Referenten und das Thema schon kenne muss ich dabei an einen Satz meines früheren Chefredakteurs denken, den er vor über 20 Jahren einmal zum Thema Tagung gesagt hat: „Et jibt Sonne un Sonne. Du weiß nie, bei welcher Du bis“. Doch inzwischen weiß ich es und ich überleg die ganze Zeit, warum ich mich nicht für eine Teilnahme an der „13. internationalen Bioland Schaf- und Ziegentagung“ entschieden habe.

12:30 Uhr

Inzwischen haben wir eine Diskussion und ein Forum über „Work Life Balance“ hinter uns. Auch hier gibt es inhaltlich nicht so viel Neues, als das sich darüber berichten liesse. Mein Hintermann regt sich wieder. Zum Glück für meinen Stuhl steht er jedoch nicht zum vierten Mal auf, sondern reckt nur seinen Hals. Der weitere Tagungsablauf wird vorgestellt.

14:00 Uhr

Nach einem „Business Lunch“ (das eigentlich ein kalt-warmes Bufett ist, aber der Name klingt einfach besser) gibt es gleich einen Vortrag über Mitarbeiterführung im Zeitalter von Burnout und Home Office. Welches der beiden mein Hintermann hat, vermag ich nicht zu erkennen. Er spielt die ganze Zeit mit einem Apfel und erzählt von seinem Urlaub im letzten Jahr. Endlich hat auch er seine Sitzposition eingenommen – natürlich nicht ohne mir vorher in meinen Stuhl zu treten – ist auch dort Ruhe.

15:00 Uhr

Gleich beginnen die„Praxis-Workshops“ und ich habe mich für das Thema „Gruppenintelligenz und Kreativität in Teams“ entschieden. Das ist auch etwas für den Tagungsteilnehmer auf der anderen Seite. Sein Pseudoflirt hat sich zwar endgültig als Irrtum herausgestellt, doch er tröstet sich bereits mit der dritten Flasche Wasser.

18:15 Uhr

Inhaltlich erinnerte mich der „Praxis-Workshop“ an das Buch von James Surowiecki, der die Phänomäne der Gruppe und ihrer klugen Entscheidungen untersucht hat, wenn die richtigen Voraussetzungen gegeben sind. Der Veranstalter hat nun zu einem gemeinsamen Kochevent eingeladen. Vier von derartigen Veranstaltungen habe ich bereits hinter mir, die entweder zu lange oder zu chaotisch gewesen sind. Für heute lasse ich mich überraschen. Mein Hintermann haut erneut in meinen Stuhl, er ist sofort aufgesprungen und wird ebenso sofort gebeten, wieder Platz zu nehmen. Denn zunächst geht es noch um den morgigen Tagesablauf. Einmal muss mein Hintermann also noch in meinen Stuhl treten. Ich habe mich längst an ihn gewöhnt und außerdem morgen früh muss ich um 6:00 Uhr raus – wenn der Laubbläser kommt.

Das war es für heute von mir. Ich klinke mich hier aus, geniesse noch den Kochevent,stelle diesen Beitrag in meinen Blog und verlinke ihn zu Frau Brüllen. Wenn ihr also noch mehr Tagebucheinträge von heute lesen mögt, dann schaut mal bei Frau Brüllen vorbei. Ich freue mich auf Eure Erlebnisse von heute und auf ein Weiterlesen im Januar.

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