#WMDEDGT Februar 2019

Vor sechs Jahren hat Frau Brüllen in in ihrem Blog den Anfang mit einer Tagbuchblog-Woche gemacht und seitdem kann jeder der möchte einmal aufschreiben, was genau er am 5. des Monats gemacht hat. Abends wird das dann im Blog von Frau Brüllen verlinkt und so lässt sich dann auch bei anderen lesen, was die denn am 5. des Monats gemacht haben. Das Ganze läuft unter der gemeinsamen Überschrift: #WMDEDGT? und heisst:„Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

Hier ist nun mein heutiger Tagesablauf:

08:00 Uhr

Nein, ich bin nicht gerade aufgestanden! Vielmehr habe ich
mich nach einer verhusteten Nacht gerade zum ungezählten Male von der einen auf
die andere Seite gedreht. Ja, ich habe Schnupfen, oder etwas heftiger buchstabiert
„G R I P P E“! Obwohl „Grippe“ doch eher volkstümlich klingt. „Influenza“ finde
ich besser. Das hat so etwas von einem italienischen Badeort. Ich würde nicht
weiter verwundert sein, wenn mir jemand schriebe: „Gestern abend bin ich in
Fluenza angekommen!“

08:30 Uhr

Ich muss leider aufstehen, benötige eine neue Packung Taschentücher. Nr. 21 bis 30! Hattet ihr auch schon mal so einen fürchterlichen Schnupfen. Also bei mir begann es vor drei Tagen mit einem Kratzen in der Brust. Ich finde es gut, wenn man gegenseitig seine Erfahrungen austauscht. Das kann Leben retten!

09:00 Uhr

So, das Bett ist nun vorbereitet: Eine 500er-Packung
Taschentücher, Aspirin, eine Flasche Wasser, den Vitamin-Saft, das Thermometer ……

09:30 Uhr

Melde mich erst einmal in der Redaktion ab. Eine Kollegin von
der Wetter-Redaktion erklärt mir am Telefon, dass die Grippe-Viren gezielt über
Deutschland gestreut worden seien. Von wem, sei aber nicht bekannt. Ich vermute
eher, dass unsere Nachbarn sie aus ihrem Urlaub aus München mitgebracht
haben. 

10:00 Uhr

Habe beim Frühstück erklärt, nach diesem harten Wochenende nun endlich einen Arzt aufzusuchen. Das despektierliche Verhalten meiner nächsten Ungehörigen – die absolut heiter am Frühstückstisch saßen, statt eine bekümmerte Miene zu zeigen – verbessert nicht gerade meinen äußerst angeschlagenen Gesundheitszustand.

11:00 Uhr

Das Thermometer zeigt 39 Grad, ich fühle mich hundeelend.
So eine Grippe hatte ich noch nie!  Bin
ich dem Tode geweiht? Vielleicht habe ich bereits eine Lungenentzündung und
weiß es nur nicht. Die Nachbarin kommt, aber statt mir Genesungswünsche
auszurichten, brachte sie ein anderes Fieberthermometer mit. „Da haben wir es
ja“, meinte sie, nachdem sie gemessen hatte. „Ist es noch mehr gestiegen?“,
fragte ich. „Nö, aber euer Fieberthermometer ist kaputt, da ist irgendwie Luft
reingekommen. Ich messe 37,5 Grad.“ Ich beschliesse, meine Nachbarin zukünftig
nicht mehr zu unseren Gartenfesten einzuladen.

12:00 Uhr

Ich habe es gerade mit Mühe und Not noch geschafft. Denn
nachdem meine Verwandtschaft nicht bereit war, mich zu einem Notarzt zu fahren,
musste ich zum Hausarzt ein Taxi nehmen. Sehr wahrscheinlich hatten die nur
Angst, sich bei mir anzustecken. Und jetzt sitze ich hier bei den normalen
Patienten im Wartezimmer. Ist also nicht meine Schuld, wenn die morgen alle tot
sind.

13:00 Uhr

Bin inzwischen beim Doktor, der mich beklopft und behorcht.
Er ganz Hörer, ich ganz Sender. Er vernahm aber nichts anderes als das
Pausenzeichen des Herzens. Der Empfang war ungestört. Als er nirgend etwas
hörte, hörte er auf und riss mir auch schon den Mund auf und balancierte ein
mit einer abscheulich schmeckenden Watte behaftetes Stäbchen in meine
Rachenhöhle. Meine Stimmung war dahin. Eine tiefe Bitternis beschlich mich in
meinem Mund. „Es scheint mir, Sie haben einen Äskulapsus begangen!“, flüsterte
ich, noch halb betäubt. Ob er deshalb beleidigt war, kann ich mit Bestimmtheit
nicht sagen. Jedenfalls verschrieb er mir etwas, was ich später einnehmen soll.

14:00 Uhr

Bin wieder zu Hause. Das Angebot eines Mittagessens lehne
ich mit dem Hinweis auf meinen gesundheitlichen Zustand ab. Stattdessen nehme
ich demonstrativ die fünf verschiedenen Medikamente ein. Schon gestern habe ich
es in einer Rund-Mail all meinen mehr als 300 Kontakten mitgeteilt, dass ich
wohl dem Tode nahe sei. Den Tag über sind nun zahlreiche Genesungswünsche und
noch mehr gute Ratschläge in meinem Mail-Briefkasten gelandet. Die kleinen
Nichten fragten zudem an, ob sie in den nächsten Tagen an meinem Bett sitzen
sollten, sie müssten dann allerdings eine Entschuldigung für die Schule haben.

17:00 Uhr

Nach einem unruhigen Schlaf merke ich, dass die vom Doktor verordneten
Medikamente zu wirken beginnen. Ich habe den Verdacht, dass der Doktor mir doch
böse gewesen ist. Gehe hinunter und informiere meine Verwandtschaft über meine
Rechercheergebnisse: In einer US-Beobachtungsstudie – die die
Influenza-Mortalität von 1997 bis 2005 untersuchte – wurde festgestellt, dass
Männer höhere Influenza-assoziierte Sterberaten aufweisen, als gleichaltrige
Frauen.

19:00 Uhr

Heureka, das Fieber ist im Sinken, die Bakterien auf der Flucht. In völliger Auflösung und Unordnung. Wollen wir uns gegenseitig Glück wünschen? Mit Bedacht vermeide ich die Bezeichnung „Gute Besserung“, denn – so schrieb mir gestern jemand – eine „schlechte Besserung“ gibt es ja nicht. Also sage ich lieber: Euch noch einen – hoffentlich schnupfenfreien – Abend. Werde nun hier meinen Tagesbericht beenden. Ich klinke mich aus, stelle diesen Beitrag in meinen Blog und verlinke ihn zu Frau Brüllen. Wenn ihr also noch mehr Tagebucheinträge von heute lesen mögt, dann schaut mal bei Frau Brüllen vorbei. Ich freue mich auf Eure Erlebnisse von heute und auf ein Weiterlesen im März.

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