Ganz normal
Devices In Office

#WMDEDGT Januar 2020

“#WMDEDGT”? Was heißt das eigentlich?

Vor sechs Jahren hat Frau Brüllen in in ihrem Blog den Anfang mit einer Tagebuchblog-Woche gemacht und seitdem kann jeder der möchte, einmal aufschreiben, was genau er am 5. eines jeden Monats gemacht hat. Abends wird der Beitrag im Blog von Frau Brüllen verlinkt. So lässt sich dann der Tagesablauf auch bei anderen lesen. Das Ganze läuft unter der gemeinsamen Überschrift: #WMDEDGT? und heisst:

„Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“


Erst einmal ganz lieben Dank, dass ihr auch in diesem Jahr hier auf meinem Blog vorbeischaut. Also: „Danke“. Und das noch dazu am ersten Sonntag des neuen Jahres, in dessen Verlauf wohl nicht viel passieren wird. Außer vielleicht, die Weihnachtsdeko allmählich wieder zu entfernen. Aber lest einfach selbst. Hier ist mein heutiger Tagesablauf.

05:00 Uhr

Jeder kennt das. Da wacht man mitten in der Nacht auf und denkt, man hat die absolut geniale Idee für einen Blogbeitrag – und in just in dem Moment, wo man das Bein unter der Decke hervor schwingt und den Fuß auf den kalten Boden setzt, hat man es oder zumindest die Hälfte, auf jeden Fall aber das Geniale daran, vergessen. Auch sämtliches Grübeln unter Zuhilfenahme von bewusstseinsstimulierenden Substanzen wie – nur als Beispiel – Kaffee, hilft nichts: Die Idee ist auf Nimmerwiedersehen im Strudel des Klos für Worte und Gedanken untergegangen. Jedenfalls hatte es etwas mit Pillepalle zu tun. Und das ist sonntags morgens verdammt wichtig, findet ihr nicht?

10:00 Uhr

Beim Aufstehen denke ich: Was soll das bloß für ein Jahr werden? Draußen nur schwerstes Grau, das sich wie Blei über mein Herz legt und die Blutgefäße verkrustet, drinnen ein Auflauf von Arbeit, der meinen Tisch unsichtbar werden lässt; alles alte Kamelle, zu denen sich fröhlich neue gesellen und auch nicht mehr Spaß intus haben als der Tonfall von Olaf Scholz. Die Morgen-Toilette geschieht in dem Bewusstsein, je mehr Jahre vergehen, um so länger braucht die Verwandlungszeit vor dem Spiegel. Da hilft dann auch die neuste elektrische Rasurtechnik nix.

11:00 Uhr

Vor dem Frühstück geht es mit meiner Liebsten in die Kirche: Hier gilt es viele Neujahrswünsche entgegenzunehmen. Worüber redet man, wenn einem nichts (mehr) einfällt? Klar: Über das Wetter. Warum eigentlich? Irgendwie ist es doch müßig, sich über etwas auszulassen, auf das man eh keinen Einfluss hat. Und trotzdem tut man´s immer wieder, wohl wissend, dass man mit dem Thema Wetter höchstens 1-2 Minuten eines dahin siechenden Gesprächs retten kann. Unseren Gesprächspartnern auf dem Weg nach Hause geht es genauso. Ich nenne diese Situation gern: „SchönWetterSonntag“.

15:00 Uhr

Nach einem hervorragendem Frühstück um 13 Uhr – das ist bei uns immer so spät – schaue ich auf die letzten Schokoladenweihnachtsmänner und Lebkuchenherzen. Deren Verzehr heb ichmir wieder auf, bis wir sie irgendwann im Sommer diskret der Abfalltonne übergeben. Ich denke daran, dass irgendwo bereits abertausende von Schokoladenhasen darauf warten, in die österlich geschmückten Läden zu kommen. Mir persönlich schmeckt das Zeug nicht. Aber wer´s mag, sollte zugreifen, solange es noch frisch ist. Ich hol mir derweil ´ne Tüte Lakritze.

16:00 Uhr

Eine Aktion zur Jahreswende, mal wieder mein Mobiltelefon aufzuräumen. Genauer gesagt, das Telefonbuch, in dem sich ein Haufen Namen und Nummern angesammelt hat. So ganz einfach ist das meist nicht, die Gefühlsschwelle in Kopf und Herz so zu justieren, dass der Daumen sich der Löschtaste auch nur dann nähert, wenn es die Richtigen trifft. Damit man später nichts bereut. Denn schließlich sind diejenigen, die ich da heraus drücke, für immer verschwunden, nicht mehr existent. Sie werden nie mehr von einem zufälligen Blick auf ihren Namen profitieren können, der den Impuls auslösen könnte, sich mal wieder zu melden. Sie werden vergessen. Der Daumen zuckt mal mehr, mal weniger bei jedem Namen. Ach, ich mach das ein anderes Mal.

18:00 Uhr

Nicht, dass ich etwas gegen Spinnen hätte. Nein, ganz und gar nicht – es sind ja recht possierliche und zudem auch nützliche Tierchen. Aber es ist nun einmal bekanntermaßen so, dass zumeist eine gewisse Unvereinbarkeit zwischen der gleichzeitigen Anwesenheit einer Spinne und der Dame des Hauses besteht. So habe ich als pflichtbewusster Ehemann mit ausgeprägtem Beschützerinstinkt natürlich den Auftrag, jegliches Spinnengetier im Haus zu beseitigen, bevor sie die Spinne erblickt: “Ahhh, eine Spinne! Komm schnell, komm schnell, komm schnell!” Die Lautstärke und Höhe des Aufschreies sind dabei abhängig a) von der Spinnengröße, b) davon, ob sich die Spinne bewegt und c) davon, wie schnell sie sich bewegt.

Besonders beliebt sind die großen, behaarten und meist im Keller anzutreffenden, braun-schwarzen Wolfsspinnen. (Heißen die so? Keine Ahnung.) Und eine solche erblickte ich gestern, als ich im Keller aufräumte. Wie passend. Sie wird mir nicht entkommen können! Konnte sie aber doch – und verkroch sich angesichts des herannahenden Besens flugs in einer Lücke im Mauerwerk und ward nicht mehr gesehen. Jetzt war der Jagdtrieb in mir erwacht! Sicher hatte sich das Biest in dem Loch häuslich eingerichtet und zog dort seine Brut heran, die wiederum darauf wartete, in wenigen Wochen meine Liebste erschrecken zu können. Das werde ich nicht zulassen! So warte ich eine Weile hinter der nächsten Ecke. Doch ohne Erfolg – die Spinne ließ sich noch nicht einmal heraussaugen. Nun die Frage, die ich mir seit gestern Abend stelle: War es ein fairer Sieg, das Loch mit Moltofill zu schließen?

20:00 Uhr

Weil ich beruflich viel damit zu tun habe, sehe ich zu Hause – zumindest im Verlaufe des Tages – wenig fern. Gerade aber bin ich an einer Dokumentation hängen geblieben, in der ein Mann ehrfürchtig neben einem Haufen Elefantendung niederkniet und erklärt: „Dieser Elefantendunghaufen hier muss sehr frisch sein, vielleicht eine Stunde alt. Er glänzt nämlich noch an der Oberfläche, das heißt, er ist noch feucht. Und die Fliegen sitzen nicht wegen den Nährstoffen darauf, sondern wegen der Feuchtigkeit, die sie hier ablecken.” Das alles in einem Ton und mit einem Blick so voller Begeisterung, dass man beinahe erwartet, er würde jetzt selbst gleich dran schlecken wie an einem übergroßen Schokoladeneis. Da! Jetzt hält er es nicht mehr aus, er ergreift die Kugel mit beiden Händen, schwer atmend. „Wenn ich ihn auseinander breche”, voller Hingabe teilt er die Masse, „ist er wahrscheinlich noch warm.” Er befühlt das Innere sanft, nickt: „Ja, er ist innen noch warm. Man kann an diesem Dung auch sehr gut erkennen, dass es ein junges Tier ist, das diesen Dungballen hinterlassen hat. Alte Elefanten, die sehr flache Zähne haben, sind gar nicht mehr in der Lage, das Holz, das Gras, die Blätter so fein zu zerkauen.” So viel Begeisterung für Ausscheidungen macht Mut. Vielleicht der Grundstein zur Salonfähigkeit? Auf jeden Fall großartig.

22:00 Uhr

Ja, ich bin ein absoluter „Tatort-Fan“, auch wenn der heutige nicht zu den Highlights der Reihe gehörte. Und nein, ich schaue mir keine Diskussionsrunde mit Anne Will oder anderen an, weil ich es mehr mag, dass Politiker nicht reden, sondern mehr handeln. Ok, beim Verkehrsminister sollte wir eine Ausnahme machen …


Ihr merkt schon, es war ein ruhiger erster Sonntag mit überschaubarem Content zum Jahresbeginn. Besser als nix für den Anfang. Aufregend wird es bestimmt wieder von ganz allein. Vielleicht hätte ich auch darüber schreiben können, worüber sich unsere Nachbarn heute unterhalten haben: Über deren größte Sorge, drei Kilo zu viel auf die Waage zu bringen und dass ein neugeborenes Mädchen unmöglich in dem hellblauen Schlafsack ihres Bruders schlafen kann. Solange solche Probleme die einzigen in diesem Jahr blieben!? Euch ein Frohes Neues. Ich klinke mich nun aus, stelle diesen Beitrag in meinen Blog und verlinke ihn zu Frau Brüllen. Wenn ihr also noch mehr Tagebucheinträge von heute lesen mögt, dann schaut mal bei Frau Brüllen vorbei. Ich freue mich auf Eure Erlebnisse von heute und auf ein Weiterlesen im Februar.

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

Über diesen Blog:

Blog-Info:

Berühmt werden will ich mit diesem Blog nicht. Ich mache nur etwas, was viele andere noch besser und wunderbarer tun als ich: Ich teile mich mit, über das, was mir auffällt, einfällt und überfällt.

%d Bloggern gefällt das: