Ganz normal

#WMDEDGT März 2019

Vor mehr als sechs Jahren hat Frau Brüllen in in ihrem Blog den Anfang mit einer Tagbuchblog-Woche gemacht und seitdem kann jeder der möchte einmal aufschreiben, was genau er am 5. des Monats gemacht hat. Abends wird das im Blog von Frau Brüllen verlinkt und so lässt sich dann auch bei anderen lesen, was die denn am 5. des Monats gemacht haben. Das Ganze läuft unter der gemeinsamen Überschrift: #WMDEDGT? und heisst:„Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

Hier ist nun mein heutiger Tagesablauf:

06:00 Uhr

Von Montag bis Mittwoch ist für mich frühes Aufstehen angesagt. Wir Kommunikationsleute haben ganz unterschiedliche Arbeitszeiten. Meist fangen wir später an und hören ganz viel später auf. Das hat auch etwas mit den Fristen in den Redaktionen zu tun.

07:00 Uhr

Eintreffen im Büro. Ich nutze die frühe Zeit für ein erstes Bearbeiten der Mails und der Lektüre zahlreicher Zeitungen. Ich schrieb – glaube ich schon – dass ich einer der wenigen Menschen bin, die für das Zeitunglesen auch noch bezahlt werden.

08:15 Uhr

Im Nebenraum gibt es beim Morgen-Kaffee eine angeregte Diskussion über einen Artikel, der gestern in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist. Darin ging es um die Plage der steigenden E-Mails und der Forderung, die E-Mail-Flut endlich abzuschaffen. Das als Alternative soziale Netzwerke genannt werden, kann keiner verstehen, weil gerade die doch noch viel mehr Zeit verbrauchen. Als Ergebnis die Überlegung nach gesunden Alternativen zu E-Mails zu suchen, die nicht viel Zeit kosten. Ich habe – im Vergleich zu den Redaktionskollegen die wenigsten E-Mails im Post-Eingang. Vielleicht liegt es daran, dass ich vermehrt das interne SMS-System und das gute, alte Telefon benutze.

09:00 Uhr

Der Praktikant möchte zum 1. April einen Artikel über Büroscherze schreiben. Ich halte nicht so viel davon, da das Thema nicht neu ist. Empfehle ihm aber, seinen Vorschlag gleich in die Themen-Konferenz mit einzubringen.

10:00 Uhr

Große Redaktionskonferenz, wie jeden Dienstag. Hier werden die „normalen“ Termine besprochen und Themenvorschläge diskutiert. Viele neue und teilweise auch schöne Themen von freien Mitarbeitern liegen vor. In einem geht es um den neuen Hype mit Wetten, also um alles zu wetten, um das es sich wetten lässt. Schön ist auch ein Vorschlag, dass die Schuhhersteller dieses Jahr doppelt so viele Sandalen anbieten, als im vergangenen Jahr. Der Praktikant darf seinen Artikel schreiben.

13:00 Uhr

Nach einem kleinen Müsli und einer Banane wollte ich eigentlich wieder an meinen Schreibtisch, weil da eine Geschichte auf mich wartet. Aber die Diskussion auf dem Flur über das Älterwerden finde ich im Augenblick interessanter. Wir reden über Gleitsichtbrillen, graue Haare, Haarausfall. Die Forderungen unseres Arbeitsministers nach einer Grundrente lässt den eigenen Rentenbescheid in einem anderen Licht erscheinen – so erschreckend kurz ist die Zeit, in der man noch etwas ansparen könnte, so bedrückend niedrig ist der Betrag, den vor allem die Mütter oft zu erwarten haben. Andere wiederum freuen sich, sie konnten viel ansparen, das Haus ist längst abbezahlt, sie rechnen aus, ob sie früher aufhören können zu arbeiten.

14:30 Uhr

Der Praktikant zeigt mir stolz seinen ersten Text-Entwurf zu seinem Büro-Scherz-Artikel. Oh je, aller Anfang ist schwer. Ich wundere mich, weil die Maus am PC nicht funktioniert. Ist wohl die Batterie alle? Nein, meint der Praktikant stolz, dass sei ein Büroscherz: Ein Stück Klebeband, etwas Papier und voilà – der Sensor der Maus erkennt die Bewegung auf der Tischoberfläche nicht mehr. Ich finde das nicht ganz so lustig, motiviere ihn aber trotzdem weiter für seinen Artikel zu recherchieren.

15:00 Uhr

Ein freier Mitarbeiter möchte gern eine Story über das „Nein“ schreiben. Er meint, es würde in der heutigen, schnelllebigen Zeit viel zu wenig „Nein“ gesagt, zu viele Forderungen an uns gestellt werden: „Nein“, wir können diese Woche keinen Nachmittag freischaufeln für die sehr schwierig gewordene Schwiegermutter, „Nein“, ich habe keine Zeit mit meinen Kindern zum Schwimmen zu fahren, „Nein“, heute wird nicht gekocht, weil ich keine Zeit und Lust dazu habe und …. Ich diskutiere mit ihm lange darüber, wie er seine Story auslegen könne. Wäre es da nicht auch angebracht aufzuzeigen, wann ein „Nein“ richtig ist und was sich ändern ließe? Er solle erst einmal etwas schreiben, ich möchte mehr wissen, andernfalls käme es zu einem „Nein“.

16:00 Uhr

Ich erkläre dem Praktikanten, das Büro-Scherze kein Mobbing sein dürfen. Heißt: Wer Scherze im Büro macht, braucht eine Portion Mut, eine Prise Selbstironie und viele humorvolle Kollegen. Ansonsten erfreut auch die bloße Vorstellung. Zugegeben, einige der vorgeschlagenen Mutproben finde ich jetzt nicht unbedingt witzig, aber der Geschmack ist ja auch verschieden. Zum Beispiel: “Fragen Sie den Pförtner, ob Sie selbst da sind”.

16:30 Uhr

Nachdem in den vergangenen Wochen viel über den Tagesablauf von Präsident Trump in den Medien zu lesen war, haben wir uns mal den von Frau Merkel besorgt. Unsere Mutti hat ganz schön viel zu tun. In unserer Besprechung beschäftigen wir uns mit den Tagesabläufen verschiedenster bekannter und unbekannter Persönlichkeiten. Dabei kommen interessante Dinge zutage, die ich hier aber nicht nennen darf, sondern die später in einem Artikel stehen.

17:30 Uhr

Der Praktikant hat neue Büroscherze für seinen Artikel: Zum Beispiel einen Treppenputzplan erstellen, in dem jede Abteilung vermerkt ist. Den öffentlich aushängen und dann nach Freiwilligen suchen. Auf diese Weise erfährt man sehr viel über das Klassenbewusstsein der Kollegen.

Spaß dürfte es auch machen, im Schutzanzug verkleidet die abgelaufenen Lebensmittel aus der Büroküche zu entfernen. Verdorbene Milchspeisen dabei wie kontaminiertes Material behandeln. Schaulustige sollten freundlich, aber bestimmt zum Weitergehen aufgefordert werden.

Ich bin mir nicht sicher, ob unser Praktikant mit seinem Artikel die allgemeine Zustimmung der Redaktion findet. Aber ich lasse ihn weiter recherchieren.

18:00 Uhr

Kleine Abendkonferenz mit den Abstimmungen für den morgigen Tag.

Die Raumpflegerin, die bei uns übrigens liebevoll „Nettoyeuse“ genannt wird, kümmert sich um die letzte Karnveals-Deko.

19:00 Uhr

Ich glaube, unser Praktikant hat nun die zehnte Version seines Artikel über „Büro-Scherz“ verfasst. Er gibt sich ja Mühe, aber wir reden lange darüber, wann ein Scherz eigentlich ein guter Scherz ist. Einer war dabei, den könnt ihr selbst mal ausprobieren. Jedenfalls, wenn keiner sehen soll, was ihr in Wirklichkeit gerade auf eurem PC macht: Ruft im Browser mal die Seite fakeupdate.net auf, wählt das richtige Betriebssystem und wechselt in den Vollbildmodus. Das Update wird laufen und laufen und laufen und …

19:15 Uhr

Auf dem Schreibtisch liegen Eintrittskarten für Künstler, die 2019 auf ihre letzte Tour gehen: Unter anderem, Heino und die EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung) – nach Jahrzehnten hören sie auf. Ich habe EAV zum ersten Mal 1991 gesehen.

19:30 Uhr

Feierabend. Ein spannender Tag im Büro geht zu Ende mit vielen neuen oder alten interessanten Themen. Angefangen von den E-Mails bis zu Muttis Terminkalender. Apropos E-Mail-Flut: Der Praktikant hat mir gerade eine geschickt mit dem aktuellen Text zu seinem Beitrag über Büro-Scherze. Ich schreibe ihm zurück: „Hallo, ich denke gerade über das nach, was Sie mir geschickt haben. Bitte warten Sie neben Ihrem Computer auf meine Antwort.“

Ich glaube – der wartet dort immer noch!

Werde nun hier meinen Tagesbericht beenden. Ich klinke mich aus, stelle diesen Beitrag in meinen Blog und verlinke ihn zu Frau Brüllen. Wenn ihr also noch mehr Tagebucheinträge von heute lesen mögt, dann schaut mal bei Frau Brüllen vorbei. Ich freue mich auf Eure Erlebnisse von heute und auf ein Weiterlesen im April.

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Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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