Ganz normal

#WMDEDGT – März 2020

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#WMDEDGT – Was heißt das eigentlich?

Vor sieben Jahren hat Frau Brüllen in in ihrem Blog den Anfang mit einer Tagebuchblog-Woche gemacht und seitdem kann jeder der möchte, einmal aufschreiben, was genau er am 5. eines jeden Monats gemacht hat. Abends wird der Beitrag im Blog von Frau Brüllen verlinkt. So lässt sich dann der Tagesablauf auch bei anderen lesen. Das Ganze läuft unter der gemeinsamen Überschrift: #WMDEDGT? und heisst:

„Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“


8:00 Uhr

Ich wollte eigentlich nicht darüber berichten, aber aus dem Alltagsgeschehen ist der „Corona-Virus“ ja nun nicht mehr wegzudenken. Auch uns in der Redaktion hat er getroffen. In diesen Tagen arbeiten wir alle viel von zu Hause aus und die Redaktionsräume sind so oft menschenleer. Für mich beginnt der Donnerstag – ganz unabhängig vom Virus – sowieso zu Hause. Erst einmal mit einem kleinen Müsli, um den ersten Hunger zu besänftigen.

9:00 Uhr

So ein Arbeiten im „Home-Office“ hat schon etwas beruhigendes. Nur das Telefon klingelt laufend, aber räumlich ist es ruhig, die Türen bleiben zu. Habe gerade mit einem Kollegen eine Themenrecherche am Telefon durchdiskutiert und war der Meinung, er solle doch – bitte schön – einiges ändern. „Auf jeden Fall“, bekam ich von ihm am Ende zu hören. Das ist so eine von diesen Redewendungen, die ich gar nicht ertragen kann. Diese Leute, die bei Verabschiedung mit dieser Floskel antworten, gehören als Erntehelfer zum Spargelstechen zwangsverpflichtet. Ebenso wie die, die hinter jede ihrer Nachrichten mehrere Ausrufezeichen setzen oder ihre SMS mit Sternchen und Fragezeichenkumulation garnieren. Das geht auch nicht immer gut aus: Ich erinnere mich noch an einen Beitrag, in dem es um Fehler in Examensklausuren ging. Eine Kandidatin hatte in ihrem Text aus jedem i-Punkt ein kleines Sternchen gemacht. Durchgefallen, ohne Ansehen von Inhalt. So ginge das doch nicht, stand darunter. Liebe im Examen ist eben verboten.

10:00 Uhr

Redaktionskonferenz per Bildschirm, dazu nutzen wir ein eigenes Redaktionstool, mit dem sich alle sehen können, egal ob sie zu Hause oder in der Redaktion sitzen. Thema ist – natürlich – Corona. Es gibt allenthalben Richtlinien, wie sich jeder verhalten sollte. Bei uns stellen sich Redakteure die Frage, was passiert denn eigentlich jetzt, wenn der Verdacht da ist. „Zahlt die Krankenversicherung die Behandlung oder zahlt es der Staat? Wie werde ich versorgt?“ Fragen über Fragen, denen zwei Kollegen einige detaillierte Antworten geben wollen.

11:00 Uhr

Bianca und Sabine haben in den letzten Wochen reichlich Schäden hinterlassen. Auch hierzu gebt es genügend Fragen. Bei einigen bin ich mir allerdings nicht sicher, ob sie – bei den augenblicklich wohl wichtigeren Problemen – ernst gemeint sind. So tauchte in der Redaktionskonferenz die Frage eines Hörers auf, das Schäden durch herabfallende Kieselsteine von Flachdächern – verursacht durch Bianca und Sabine – auf Autos nicht versichert seien. Hmm, das scheint heute wohl so ein Risikotag zu werden, wenn ich mir die Themen so anschaue.

12:00 Uhr

Nein wir haben auch andere, beispielsweise politische Themen. Berichtet werden soll über Politiker gestern & heute: Was hat sich verändert? Eine Kollegin recherchiert gerade über Beate Klarsfeld. Das war die Politikerin, die eine Ohrfeige berühmt machte: während des CDU Parteitages, am 7.11.1968, bestieg Beate Klarsfeld das Podium, ohrfeigte Bundeskanzler Kiesinger u. rief dabei „Nazi,Nazi,Nazi!“ Heinrich Böll schickte ihr nach der Aktion 50 rote Rosen. Das passiert heute nicht. Obwohl einige so aussehen, als wären sie geohrfeigt worden. Ein Politiker – der heißt wie dieser Monat – sieht immer so aus, als würde der “Schrei” von Edvard Munch so tun, als wäre er glücklich.

13:00 Uhr

Kurze Pause! Meine Liebste und ich frühstücken in Ruhe. Mit selbstgebackenem veganen Brot und frischen Brotaufstrichen aus Korn, Gemüse und Früchten. Ein Bücherstapel veganer Literatur sagt mir, dass ich mich noch auf einige angenehme Überraschungen freuen kann.

14:00 Uhr

Lese mir gerade einige Beitragstexte eines freien Mitarbeiters durch. Aus dem wird mal was, aber wohl jetzt noch nicht. Wusstet ihr, dass ein einzelner Buchstabe die Bedeutung eines ganzen Satzes verändern kann? Ein „ Z “ hinzugefügt zu: „Niemand kann diesen Schwan ersetzen.” Und plötzlich heißt es: „Niemand kann diesen Schwan zersetzen.“

15:00 Uhr

Oh, was für ein schönes Thema: Telefoniere mit Veronika (sagst halt „Vroni“ zu mir, gell!) und Marc und diskutiere über das Thema „Pause“. Jeder braucht mal ne Pause. Ist doch klar. Das bedarf keiner weiteren Erklärung. Keine Rechtfertigung nötig. Kein Gesülze, von wegen Identifikationsproblem, traumatische Erlebnisse, Knick im Leben, Erdbeben, Bodennebel, Vogelgrippe, Coronarvirus, Ideenlosigkeit oder Druck. Nein, Pausen müssen sein. Ohne Pausen keine neuen, kreativen Ideen. Vroni & Marc beschäftigen sich mit den Fragen: „Pause“, wo kommt die eigentlich her? – Was ist eine richtige „Pause“? – Wie lang muss eine „Pause“ sein? – Gibt es eigentlich „Pausen“-Macher? Und, wie sieht es in anderen Ländern mit „Pausen“ aus. In Großbritannien heißen die ja „Break“.

17:00 Uhr

Zeit noch einige Artikel zu schreiben und daher werde ich mich heute – früher als sonst – von euch verabschieden. Wir könnten natürlich noch über das Wetter reden. Warum eigentlich? Irgendwie ist es doch müßig, sich über etwas auszulassen, auf das man eh keinen Einfluss hat. Und trotzdem tut man´s immer wieder, wohl wissend, dass man mit dem Thema Wetter höchstens 1-2 Minuten eines dahinsiechenden Gesprächs retten kann. Komisch. Aber egal. Ich möchte das hier auch gar nicht weiter ausbreiten.


So, das war mein Donnerstag heute. In der nächsten Woche geht es weiter mit den „12 von 12“ mit meinem Tagesablauf in Bildern. Dann verrate ich euch natürlich, was alles auf der Abschiedsparty unseres Praktikanten los war (das schreibe ich nur, weil ich weiß, dass er meinen Blog liest und sich nun schon mal Gedanken machen kann. Wer etwas anderes lesen möchte, der warte bitte bis Mittwoch, da gehe ich der Frage nach, wo ich denn eigentlich so bin. Ich verlinke nun zu Frau Brüllen, wünsche euch allen einen schönen Abend und bis nächste Woche oder bis zum April, zum 5. – einem Sonntag!

Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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