Ganz normal
Ganz Normal WMDEDGT

#WMDEDGT November 2019

Vor sechs Jahren hat Frau Brüllen in ihrem Blog den Anfang mit einer Tagebuchblog-Woche gemacht und seitdem kann jeder der möchte einmal aufschreiben, was genau er am 5. des Monats gemacht hat. Abends wird das dann im Blog von Frau Brüllen verlinkt und lässt sich so dann auch bei anderen lesen. Das Ganze läuft unter der gemeinsamen Überschrift: #WMDEDGT? und heisst: “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” Hier ist mein #WMDEDGT:


09:00 Uhr

Der Tag beginnt mit dem Lesen der E-Mails, Beantwortung von Briefen und dem Durchlesen von Themen-Ideen. Aus New York kommt die Meldung, nach der Bill Gates – einer der reichsten Männer der Welt – glaubt, dass die Behauptung, „viele Menschen hätten unter Präsident Trump größere Zukunftsängste“, nicht stimme. Das Gute werde sich am Ende durchsetzen. Jeder im Hause fragt sich: „Wie hat der das gemeint?“

10:00 Uhr

Redaktionskonferenz, wie jeden Morgen um 10 Uhr. Hier werden Vorschläge für neue Beiträge gemacht, nach Zwischenständen bereits angenommener Ideen gefragt oder einfach diskutiert. Letzteres zu einem Thema, das meine Kolleginnen und Kollegen schon seit Wochen beschäftigt: Sollte man nicht Politiker aller Parteien einmal ganz normal, sprich unpolitisch, autobiographisch, portraitieren? Auf Rücksicht auf die Wahl in Thüringen wurde dieser Vorschlag vor zwei Wochen verschoben. Heute steht er erneut auf der Tagesordnung, aber eine Einigung wird auch jetzt nicht erzielt. Schnell könnte der Verfasser von der öffentlichen Meinung in eine politische Ecke gestellt werden, was es zu vermeiden gilt. Anders fällt die Entscheidung bei einem ähnlich politischen Thema aus: „Politikerbeleidigungen, ist das nur der Anfang? Immer mehr Menschen werden mit Worten angegriffen.“ Einig sind sich alle, diesen Vorschlag näher zu recherchieren. Dazu findet sich viel eindeutiges Material.

11:30 Uhr

Natürlich gibt es auch unpolitische Themen: Unser Praktikant möchte gern einen Beitrag über das Puzzle machen. 1766 sei es erfunden worden. Jetzt belegen Dokumente, dass die Entstehung des Puzzelns schon wesentlich länger her sein muss. Ich habe mich sofort für die Annahme dieses Vorschlages eingesetzt. Zum einen ist es interessant, zum anderen ist der Praktikant beschäftigt.

13:00 Uhr

In der Mittagspause erzählt eine Kollegin von ihrer neuen Küche. Eine große Küche, mit allem, was so benötigt wird. Komisch, ihr Mann und sie sind doch kaum zu Hause? Die Anrichte ist 6 Meter 50 lang. Da laufe ich mir doch beim Kochen glatt die Puschen durch!

14:00 Uhr

Der Praktikant bittet um Hilfe, steckt mitten in der Puzzle-Recherche. Er ist genervt, der Zugang zu einer Seite ist nur möglich, in dem er bestätigt, kein Roboter zu sein. Diesen „Captcha-Dienst“ von Google findet man überall im Internet; ob bei Kontaktformularen, Nutzerregistrierungen oder Kommentarsektionen in einem Forum. Der Vorteil bei Googles Lösung? Der Nutzer muss keine kryptischen Zeichen abtippen wie bei einigen anderen Captcha-Lösungen. Es gilt lediglich, die Checkbox „Ich bin kein Roboter“ anzuwählen. Ist sich Google jedoch nicht sicher, ob du vielleicht doch ein Bot bist, musst du manchmal ein Bilderrätsel lösen. „Wähle alle Bilder aus, auf die ein bestimmtes Muster zutrifft.“ Der Praktikant ist gerade dabei, auf dem siebten Bild nach Bussen zu suchen. Wenn er richtig klickt, kommt er weiter, wenn nicht gibt es das nächste Bild.

15:00 Uhr

Ich besuche ein Haushalts-Seminar für Männer. Heute geht es um das Bügeln. Die Leiterin, Frau Vogt, fragt mich gleich, ob ich ein „Flach-“oder „Rundbügler“ sei. Ich erkläre ihr, ich sei ein „Nichtbügler“ „Es ist viel schöner, miteinander zu bügeln, als allein zu Hause“, meint Frau Vogt. Heute bügeln sechs Männer ihre heimische Bügelwäsche. Ich wage mich erfolglos an ein Oberhemd aber ich erhalte wunderbare Antworten auf meine Fragen und freue mich schon darauf, diese „Story“ gleich in der Redaktion fertig zu stellen.

17:00 Uhr

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Der Praktikant ‚recherchiert‘ weiterhin fleißig. Er ist dabei, die x-te Karte anzuklicken, auf der gefragt wird, auf wie vielen der sechs Bilder ein Fahrrad zu sehen sei. Ich höre aus seinem Büro öfter das Wort „Sch….“ was wohl bedeutet, dass er falsch geklickt hat.

17:30 Uhr

Ich setze mich an meine „Bügel-Geschichte“. Danach führe ich noch einige Telefonate zu anderen Themen.

19:00 Uhr

In der Redaktion höre ich aus dem Raum des Praktikanten weiterhin ein Klicken und Fluchen. Noch immer sitzt er an diesen Bildchen. Ich erkläre ihm, dass es eigentlich egal sei, wie viele Bilder er anklicke. Diese Bildchen wären reine Beschäftigungstherapie, vollkommen unnütz und dienten letztendlich dazu, dass der Nutzer lange auf der Seite verweile. Das wirke sich im Ranking bei Google aus. Etwa 70 Prozent dieser sogenannten „Recaptcha-Bilderrätsel“ wurden übrigens in den letzten Monaten von Maschinen in 19 Sekunden pro Bild automatisch geknackt. Von wegen: Ich bin kein Roboter? Google wird sich da wohl eine andere Strategie einfallen lassen müssen – und unser Praktikant auch.

20:00 Uhr

Zu Hause angekommen, freue ich mich auf einen ruhigen Abend. Meine Liebste fragt, warum ich sie über das Bügel-Seminar nicht informiert hätte. Im Wäscheraum stünden noch zwei Körbe ungebügelter Wäsche. Da werde ich mir wohl etwas überlegen müssen, um diese Panne wieder „auszubügeln“.


Nun stelle ich diesen Beitrag in meinen Blog und verlinke ihn zu Frau Brüllen. Wenn ihr also noch mehr Tagebucheinträge von heute lesen wollt, dann schaut morgen mal bei Frau Brüllen vorbei. Ich freue mich auf Eure Erlebnisse von heute und auf ein Weiterlesen im Dezember.

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Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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