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Wortspielereien: Die “abc-Etüden”

So kann es gehen – Blogger schreiben gemeinsam!

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Zum letzten Mal möchte ich euch in meiner kleinen Reihe “Wortspielereien” ein Wortspiel vorstellen. Es nennt sich “abc-Etüde” Erfunden hat sie meines Wissens der Blogger der leider wieder verschwundenen Seite: “textstaub.wordpess.com”. Es gibt sie nun seit Anfang 2017 auf dem Blog von Christiane, die mit den “abc-Etüden” liebevoll neue Wörter und Geschichten vermittelt. Die Regeln: sind einfach: Zweiwöchentlich sind drei Wörter sinnvoll in einem Text mit 300 Wörtern oder maximal 10 Sätzen zu einer shortest Short Story verarbeiten.

Und das sind die Regeln:

  • Wenn du gern schreibst und Spaß am Formulieren hast, dann sind die wöchentlichen “Text-Edüten” etwas für dich! Wie und was du schreiben kannst, lässt sich auf einer Übersicht finden, die Christiane hier in ihrem Blog zusammen gestellt.
  • Du schreibst eine Etüde (Länge maximal 300 Wörter ohne Überschrift) und postest sie auf deinem Blog. In die Vor- oder Nachbemerkung baust du einen Link zu der speziellen Schreibeinladung ein, von der du die Begriffe hast,. Dann verlinke deinen Beitrag bei Christiane. Selbstverständlich kannst du deine Etüde auch komplett in Christianes Kommentarspalte packen; die Erfahrung zeigt aber, dass fast alle Mitschreiber*innen es vorziehen, ihre Texte auf ihrem eigenen Blog zu haben.
  • Die Schreibeinladung für die aktuellen zwei Wochen erscheint jeweils am 1. und am 3. Sonntag des Monats. Bei Monaten mit 5 Sonntagen gibt es am 5. Sonntag „Extraetüden“, die dann nur eine Woche laufen.

Weitere Hinweise zu Fragen über die “abc-Etüden” gibt es hier!

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Nachfolgend ein Beispiel fertiger “abc-Etüden”, in denen o.g. Wörter enthalten sind:

Wie Fräulein Honigohr ein Buch liest

Fräulein Honigohr liest einen Roman. Der Held ist stoisch, viel zu tapfer und hat keine Ahnung von Dingen wie gepunkteten Regenstiefeln, chaotisch geplanten Ausflügen und schlechten Büchern. Lesen bedeutet, fremde Welten kennenzulernen, aber sie kann es nicht ändern: Der Held geht ihr furchtbar auf die Nerven.
Es gibt auch eine Heldin, und die findet Fräulein Honigohr noch viel schlimmer: Ständig sitzt sie irgendwo zitternd herum und wartet darauf, dass der Held die Welt für sie in Ordnung bringt.
Fräulein Honigohr schlägt das Buch zu. Ob sie mal wieder…? Eigentlich wollte sie sich zusammenreißen, schließlich hat alles Konsequenzen, aber sie kann einfach nicht widerstehen. Diese schrecklich langweilige Geschichte fordert Verzweiflungstaten ja geradezu heraus! Das Buch in ihrer Hand hat noch keine Ahnung davon, aber bei Fräulein Honigohr gibt es nur variable Geschichten. Die Welt ist ambivalent. Alles ist veränderbar.
Sie schlägt das Buch wieder auf, schließt die Augen und träumt. Das Buch zuckt, die Seiten flattern, der Einband wechselt ein paarmal die Farbe und dampft. Nach einer kleinen Weile öffnet Fräulein Honigohr die Augen und wartet gespannt. Aus ihrem Wohnzimmer kommen Stimmen, und das Buch hält den Atem an.
„Wo… wo sind wir hier?“ fragt eine tiefe Männerstimme.
„Ich weiß auch nicht“, antwortet eine helle Frauenstimme. „Aber es ist auf jeden Fall besser als der Dschungel, oder?“
„Das kann doch nicht sein…“ murmelt die Männerstimme unsicher.
„Keine Schlangen, keine Skorpione, keine Kannibalen. Mir gefällt´s!“
„Hallo-ho!“ ruft Fräulein Honigohr. „Kommt doch mal kurz her, ihr zwei!“ Es folgt eine tiefe Stille, dann dringt aufgeregtes Flüstern aus dem Wohnzimmer und schließlich schiebt sich ein blondgelockter Frauenkopf hinter der Tür hervor. Sie zieht einen Mann in Kakihose hinter sich her, der eine abgenutzte Machete in der Hand trägt.
„So. Setzt euch. Also: Ihr seid entlassen. Tut, was immer ihr möchtet. Keine engen Buchseiten mehr, keine ewiggleiche Handlung. Da vorn ist die Tür. Ich wünsche euch ein schönes Leben!“ Fräulein Honigohr wedelt mit ihrer Hand nachlässig in Richtung Flur.
Die Frau und der Mann sehen sich an, in ihren Gesichtern eine Mischung aus Fassungslosigkeit und Entzücken. Dann stehen sie auf und gehen, ohne sich noch einmal umzublicken und ohne sich zu verabschieden.
Fräulein Honigohr sieht das Buch an, und das Buch sieht sie an. Es hat Schluckauf und dampft immer noch leicht. „Tschuldigung“, sagt Fräulein Honigohr. „Du wirst ein paar Tage Verdauungsschwierigkeiten haben, aber das gibt sich, glaub mir.“ Sie legt das Buch offen auf den Tisch. Über seine Seiten tanzen Buchstaben, und Satz für Satz entsteht eine neue, andere Geschichte.

Schöne neue Welt!

Natürlich waren die Zahlen gefälscht. Das sahen sie auf den ersten Blick, als sich die Lage langsam beruhigte. Man hatte die Zahlen bewusst nach unten korrigiert, um die ewig nach Energie hungernde Bevölkerung ruhig zu halten. Philip, seines Zeichens Physiker mit einer ungesunden Neigung, überall anzuecken und daher ohne Job, und Miriam, seine Angetraute mit grünem Daumen und ebenso grüner Seele, trauten dem Frieden nicht und hatten in jahrelanger mühevoller Kleinarbeit ihre eigene Messstation zusammengebaut. Es war nicht immer einfach und manchmal waren sie nicht sicher, ob die Anlage verlässlich funktionierte. Aber jetzt schien sie richtige Werte zu produzieren.

Die Umgebungsluft war immer geringfügig jodhaltig. Es gab auch immer wieder Zwischenfälle. Weshalb Miriam irgendwann das Projekt „Selbstversorgung“ im Gewächshaus gestartet hatte. An diesem Morgen jedoch war sie leicht panisch, als sie Philip die astronomisch hohen Ergebnisse zeigte. Die waren meilenweit von den öffentlichen Zahlen entfernt. Ihr war schlecht.

Hunger hatte sie keinen, deshalb ging sie ins Gewächshaus und schloss sicherheitshalber die Lüftungsfenster. Nur um wenigstens irgendetwas zu tun. Die Beschattung gehörte auch aktiviert, sonst würden alle Pflanzen einen Hitzschlag bekommen. Ihr Vorrat für Notzeiten. Und das jetzt konnte sich zu einer wirklichen Notzeit auswachsen.

Wem sollten sie davon berichten? Anonym an eine Tageszeitung? Nur den Nachbarn, der Familie? Es war gefährlich, sich mit den großen Energiebetreibern anzulegen. Nachzuweisen, dass sie einen bewusst gefährdeten. Es gab einfach zu wenige, die sich noch auskannten. Die noch wussten, wie man diese Kernkraftwerke richtig betrieb. Nach der großen Seuche fehlte es überall an Fachkräften. Die Menschen waren heilfroh, wenn sie mit dem Leben davongekommen waren. Dass ringsum die Kraftwerke hochgingen, weil sich keiner darum kümmerte, das hatte sie hingegen übersehen. Und die Verantwortlichen taten alles, um das zu vertuschen. Ein paar mehr Tote warfen nirgendwo Fragen auf.

Schöne neue Welt!

Kalter Krieg

„Genosse Wodkaschenko, sagen Sie mir: was ist los. Wie ist Bundesrepublik vorbereitet auf Atomkrieg?“

„Wie Sie wissen, Genosse General, haben wir schon zu Zeiten DDR verlässliche Informatie  über Vorbereitungsstand Bundeswehr erhalten. Nach Zusammenbruch haben vorbereitete NVA-Offiziere gute Posten in BND bekommen. Deswegen wir wissen genau Bescheid. BRD hat Lager von 137 Millionen Kaliumiodid-Tabletten mit hohem Gehalt von stabilem Jodisotop 127I aufgebaut. Sollen sofort verteilt werden, wenn Unfall bei Atomkraftwerk oder Beschuss von Städten mit SS-20. Soll stoppen Aufnahme radioaktiver jodhaltiger Isotope in der Schilddrüse durch Jodblockade.“

„So, so, und was weiter, Wodkaschenko? Was möchten wir dagegen unternehmen?“

„Genosse General, alles kontrolliert, ich meine unter Kontrolle. Wir kennen Standorte und haben Passworte geknackt. Nein, ich glaube man sagt: gehackt. Seit 2004, wenn BRD hat alle Tabletten neu gemacht, wir haben heimlich ausgetauscht. Sie wissen schon, was Sovtranssavto für Firma ist?“

„Ja, gehört zu KGB! Weiter!“

„Gut, Sovtranssavto mit gefälschte Namen von Westtrans hat Transportzuschlag bekommen von Bundeswehr. Hat alte Tabletten abgeholt, hat neue Tabletten von uns hingebracht! Und neue Tabletten wirkungslos!“

„Gut gemacht, Wodkaschenko! Darauf trinken wir! Na sdorówje“

„Ja, BRD kann nix machen bei russisch Angriff! Lang lebe Russland!“

„Und wo sind geblieben alte Tabletten, Wodkaschenko?“

„Haben wir guten Plan gemacht, Genosse General. Haben wir gebaut Gewächshäuser neben Kraftwerke und Lager. Haben wir zermahlen Tabletten und genutzt für billige Dünger für Blumenzucht!“

„Alles zermahlen?“

„Nein, nicht alles. Bis auf Paket für Sie und für mich! Falls mal andersrum!“

Viel Spass: Hier geht es zur aktuellen “abc-Etüde”

Nun bin ich gespannt auf eure Geschichten. Ich wünsche euch viel Spass und Freude beim Schreiben und natürlich auch ein wenig Glück. Und falls diese “Wortspielerei” ankommt, dann möchte ich sie gern hier allmonatlich starten. Schauen wir mal. Am nächsten Freitag gibt es erst einmal wieder den “Freitagsfüller” von Barbara. In diesem Sinne euch ein schönes Wochenende.

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Die Wortspielereien!

Macht mit bei schönen “Wortspielereien”:

  • Der Freitagsfüller
  • Der Freitagstexter
  • 18 Worte am 18ten
  • Eins aus Zehn
  • abc-Etüden
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Über den Autor:


Hinter "Stresemann" steckt natürlich ein Pseudonym. Der Verfasser hat lange Jahre als Hörfunkjournalist gearbeitet und ein überwiegende Teil der Geschichten hier stammt aus seiner Arbeit. Mehr über den Autor erfährst Du unter dem Link "Wer ist denn dieser Stresemann" weiter unten.

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